Hilfen für die Autobranche weiter in der Kritik

Autor / Redakteur: dpa/gr / Andreas Grimm

Die Corona-Pandemie hat die Automobilbranche zweifellos in eine tiefe Krise gestürzt. Doch reichen die Hilfsmaßnahmen? Darüber gehen die Ansichten weiterhin deutlich auseinander. Derweil hält VW Nutzfahrzeuge am Stellenabbau fest.

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(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die Unterstützung der Automobilbranche fällt deren Interessenvertretern nicht immer ausreichend genug aus. Zuletzt hat sich am Wochenende die IG Metall zu Wort gemeldet. Sie sieht generell wegen den Folgen der Corona-Pandemie „Hunderttausende Stellen“ bedroht und fordert ein sofortiges Gegensteuern der Politik. Allein aufgrund von Insolvenzen seien „150 000 Arbeitsplätze akut bedroht“, sagte Gewerkschaftschef Jörg Hofmann der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (Samstag).

Hofmann kritisierte, dass nur rund ein Viertel des 130 Milliarden Euro schweren Hilfsprogramms der Bundesregierung auf die kurzfristige Belebung der Konjunktur ziele. Offen sei zudem, welchen Nutzen die Senkung der Mehrwertsteuer habe. „Das ist eher eine Schrotflinte.“ Speziell auf die Autobranche gemünzt sagte er, die Autohersteller würden mit der niedrigen Mehrwertsteuer vor allem SUV und großräumige Fahrzeuge bewerben, weil sie die größten Gewinnmargen bringen – „egal, was aus dem Auspuff kommt“. Hofmann betonte, er hätte sich „zielgenauere Impulse wie die Umweltprämie gewünscht“.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat das Konjunkturpaket dagegen gegen Kritik am Verzicht auf eine allgemeine Autokaufprämie nochmals verteidigt. Mehr als acht Milliarden Euro seien direkt für die Autobranche vorgesehen. „Unser Konjunkturpaket unterstützt die Transformation in der Branche, schont das Klima und hilft, unseren Wohlstand zu sichern“, sagte Scholz in einem Interview von „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“ (Samstag).

Der Staat helfe bei Investitionen, der Forschung und der Sicherung von Arbeitsplätzen, so Scholz. „Wir erneuern öffentliche Fuhrparks, fördern massiv den Ausbau der Elektromobilität und steigen groß in die Wasserstoffwirtschaft ein.“ Er verwies darauf, dass die Bundesregierung im großen Umfang die Anschaffung moderner Fahrzeuge fördere, etwa durch eine steuerliche Förderung von Dienstwagen.

Dass die Automobilbranche in einer Transformation ist, zeigt dagegen eine Meldung von VW Nutzfahrzeuge (VWN). Der Hersteller hat das Ziel bekräftigt, bis 2029 etwa 5.000 Stellen im Stammwerk Hannover zu streichen. Betriebsbedingte Kündigungen seien ausgeschlossen, sagte ein VWN-Sprecher am Sonntag. Das Unternehmen halte sich an die entsprechende Betriebsvereinbarung, die bereits 2018 abgeschlossen wurde.

Nutzfahrzeuge für Gewerbekunden sollen künftig in Polen gebaut werden oder vom neuen Partner Ford kommen. In Hannover verbleibt die Produktion teurerer Fahrzeuge wie Premium-Vans oder von 2022 an auch des vollelektrischen ID Buzz. In Polen produziert VWN bereits die Modelle Caddy, Transporter und Crafter. Auch E-Autos werden dort hergestellt. Im vergangenen Jahr liefen in den polnischen VW-Werken rund 270.000 Fahrzeuge vom Band.

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