Höhere Mietwagenkosten nur mit gutem Grund

Autor / Redakteur: autorechtaktuell.de / Andreas Grimm

Ein Unfall-Geschädigter erhält höhere Mietwagenkosten bezahlt, wenn er darlegt und beweist, dass ihm unter Berücksichtigung seiner individuellen Erkenntnis- und Einflussmöglichkeiten kein wesentlich günstigerer Tarif zugänglich war.

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Das Landgericht Dortmund hat einem Kläger recht gegeben, der Mietwagenkosten geltend machte, die über das hinausgingen, was normalerweise für einen Unfallgeschädigten zum Unfallzeitraum (November 2006) an Mietwagenkosten in der Region erforderlich war (AZ: 21 S 9/08). Zu seinen Gunsten zählte auch, dass er vor Anmietung von seinem Anwalt den Rat bekommen hatte, das Kfz zum „Normaltarif“ anzumieten. Unter diesen Umständen besteht nach Ansicht des Gerichts grundsätzlich kein Anlass für den Geschädigten, weitere Nachfragen nach günstigeren Tarifen vorzunehmen.

Der Geschädigte hatte im verhandelten Fall mit entsprechendem Vortrag dargelegt und letztendlich auch nachgewiesen, dass ihm unter Berücksichtigung seiner individuellen Erkenntnis- und Einflussmöglichkeiten sowie der gerade für ihn bestehenden Schwierigkeiten unter zumutbaren Anstrengungen auf dem in seiner Lage zeitlich und örtlich relevanten Markt kein wesentlich günstiger Tarif zugänglich war. Das Gericht betonte in seinem Urteil vom 03.12.2008 noch einmal die subjektive Schadensbetrachtungsweise, mithin die Schadensbetrachtungsweise aus der Sicht des Geschädigten.

Wirtschaftlichkeitsgebot zur Genüge befolgt

Zwischen dem Unfall und der Anmietung des Ersatzwagens verging im konkreten Fall nur ein sehr kurzer Zeitraum. In diesem Zeitraum nahm der Kläger anwaltliche Hilfe in Anspruch. Der Anwalt riet ihm dazu lediglich zum „Normaltarif“ anzumieten. Sodann erklärte der Geschädigte ausdrücklich gegenüber der Autovermietung, er wünsche den Normaltarif, was vor Gericht ebenfalls dargelegt und bewiesen wurde. Der Autovermieter vermietete sodann auch zum Normaltarif und nahm hierbei explizit auf die Liste „Normaltarif“ Bezug.

Das Gericht berücksichtigte diese Umstände zugunsten des Geschädigten und stellte fest, dass aus der Sicht des Geschädigten alles Erforderliche getan wurde, um dem so genannten Wirtschaftlichkeitsgebot Genüge zu leisten. Weitere Bedenken gegen die Angemessenheit des ihm angebotenen Tarifs mussten sich dem Kläger hierbei nicht mehr aufdrängen.

Praktische Folgen für die Kfz-Betriebe

Das Gericht stellte zuletzt fest, dass es für den Kläger auch aus weiteren Gründen schwierig war einen günstigeren Tarif ohne weiteres zu erhalten. Der Kläger besaß nämlich keine Kreditkarte und legte auch glaubhaft dar, dass er nicht in der Lage war den Mietwagen bei Rückgabe selbst zu bezahlen. Unter diesen Umständen, so nahm das Gericht an, hätte der Kläger bei anderen Autovermietern, nicht ohne weiteres einen günstigeren Tarif erhalten.

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