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Höhere Mietwagenkosten sind bei fehlender Alternative zu zahlen

| Autor / Redakteur: autorechtaktuell.de / Andreas Grimm

Gibt es am Ort des Unfallgeschehens nur eine Autovermietung, ist der Geschädigte berechtigt, einen vergleichsweise teuren Mietwagen zu nutzen. Weit entfernte alternative Anbieter muss er nicht in Betracht ziehen.

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(Bild: Stöber)

Ein Unfallgeschädigter darf nach Auffassung des Amtsgerichts (AG) Frankfurt/Main ein teures Ersatzfahrzeug anmieten, wenn an seinem Wohnort kein anderes Vermietunternehmen ansässig ist. Der Verweis auf ein günstigeres Angebot eines 50 Kilometer entfernten Anbieters ist in diesem Zusammenhang irrelevant, da dieses Angebot für den Geschädigten nicht ohne weiteres zugänglich sei, urteilte das Gericht am 14. Juni 2018 (AZ: 30 C 643/18)

Im verhandelten Fall stritten die Parteien um restliche Mietwagenkosten nach einem Verkehrsunfall. Der Kläger ist Halter eines bei einem Unfall beschädigten Pkw, der der Mietwagenklasse 5 zuzuordnen ist. Der Kläger mietete direkt am Tag nach dem Unfall bei der einzigen vor Ort ansässigen Autovermietung ein Ersatzfahrzeug der Mietwagenklasse 2 an. Das Fahrzeug des Klägers war nach dem Unfall nicht mehr verkehrssicher.

Die Autovermietung stellte dem Kläger einen Betrag von 1.473,22 Euro in Rechnung, die Beklagte zahlte hierauf nur 651,98 Euro. Zur Begründung berief sie sich auf ein günstigeres Angebot einer Autovermietung, die sich allerdings in 50 Kilometer Entfernung vom Wohnort des Geschädigten befand.

Der Frankfurter Richter sah dies ganz anders und verurteilte die Versicherung zur Erstattung der restlichen Mietwagenkosten. Das Gericht gestand zwar zu, dass ein Geschädigter nur diejenigen Mietwagenkosten ersetzt verlangen kann, die ein verständiger, wirtschaftlich denkender Mensch in der Lage des Geschädigten für zweckmäßig und notwendig halten darf. Im vorliegenden Fall ergibt sich jedoch, dass der Kläger auch die leicht überzogenen Mietwagenkosten erstattet verlangen kann.

Denn unstreitig ist an seinem Wohnort, der zugleich Unfallort und Sitz der Reparaturwerkstatt ist, nur eine Autovermietung ansässig. Damit wird das Vergleichsangebot der Beklagten, das die 50 Kilometer entfernte Vermietstation vorlegte, für den Geschädigten irrelevant. Dieser alternative Mietwagen sei für den Geschädigten nicht mehr ohne weiteres zugänglich.

„In diesem Einzelfall, in dem eine Anmietung bei einem anderen Unternehmen konkret nicht möglich war, ist nach den Grundsätzen der subjektbezogenen Schadenbetrachtung der Tarif des ortsansässigen Unternehmens ausnahmsweise der erforderliche und angemessene Mietwagenpreis“, heißt es in der Urteilsbegründung. Dies gelte selbst dann, wenn die Kosten wie vorliegend über den Preisen der gängigen Schätzgrundlagen Schwacke und Fraunhofer liegen.

Auch der von der Versicherung geforderte Abschlag wegen ersparter Eigenaufwendungen war aus Sicht des Gerichts nicht vorzunehmen, da der Kläger ein um mehrere Klassen kleineres Fahrzeug angemietet hatte.

(ID:45521526)