Frühjahrsgutachten Hoffnung auf Nachholeffekt

Autor: Doris Pfaff

In ihrer aktuellen Gemeinschaftsdiagnose für die Wirtschaft rechnen die am Frühjahrsgutachten beteiligten Wirtschaftsforschungsinstitute mit einer Erholung. Diese Nachricht lässt das Kfz-Gewerbe hoffen. Doch die Prognose steht und fällt mit der weiteren Entwicklung der Pandemie.

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Die führenden Wirtschaftsinstitute rechnen mit einer schnellen Erholung der Wirtschaft noch in diesem Sommer, vorausgesetzt, Deutschland hat die Pandemie bis dahin im Griff. Davon werde auch der Autohandel profitieren.
Die führenden Wirtschaftsinstitute rechnen mit einer schnellen Erholung der Wirtschaft noch in diesem Sommer, vorausgesetzt, Deutschland hat die Pandemie bis dahin im Griff. Davon werde auch der Autohandel profitieren.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Das Frühjahrsgutachten 2021 zur Analyse und Prognose der Weltwirtschaft und deutschen Wirtschaftslage rechnet damit, dass sich die deutsche Wirtschaft ab dem Sommer stark und schnell erholt. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Impffortschritt Lockerungen der Corona-Beschränkungen zulässt beziehungsweise diese sogar aufgehoben werden können.

In ihrer Gemeinschaftsdiagnose gehen die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute von einem starken Nachholbedarf der Verbraucher ab dem dritten Quartal aus. Denn durch die Coronakrise hat sich 2020 und 2021 bislang eine Kaufkraft von mehr als 200 Milliarden Euro angestaut. Unklar ist jedoch, in welchem Umfang Verbraucher ihr angespartes Geld in Konsumgüter stecken werden.

Das Kfz-Gewerbe hofft vor allem darauf, dass ähnlich wie 2020 ein Nachholkauf in den Autohäusern stattfindet. Schließlich ist durch die Coronakrise das eigene Fahrzeug für die Menschen wieder viel wichtiger geworden. Allerdings glaubt Ellen Schmidt von der ZDK-Abteilung Betriebs-, Volkswirtschaft und Fabrikate nicht, dass der Nachholeffekt das Geschäft der Autohäuser auf ein Niveau heben kann, das diese Hädler ohne Shutdown erreicht hätten.

Der ZDK rechnet damit, dass jene Gewerbekunden, die aufgrund der Krise Investitionen zurückgehalten hatten, nach der Krise auch wieder verstärkt investieren werden, allerdings nicht in dem Maß wie vor der Krise. Die derzeit angespannte Situation der Werkstätten aufgrund ihrer sinkenden Auslastung werde sich zudem bessern, sobald die Mobilität der Kunden wieder steige.

Auf positive Effekte hofft der ZDK auch durch das weiterhin niedrige Niveau der Leitzinsen. Laut Frühjahrsgutachten signalisierten die Zentralbanken, die Zinsen noch längere Zeit auf dem aktuellen Niveau von null Prozent zu lassen. „Wir hoffen, dass unsere Unternehmen ebenfalls von günstigen Kreditkonditionen profitieren können. Dem steht hoffentlich keine zurückhaltende Kreditvergabepolitik gegenüber“, sagt Schmidt.

Insolvenzen werden steigen

Die Wirtschaftsgutachter rechnen damit, dass in den nächsten Monaten deutlich mehr Unternehmen insolvent gehen. Die vorübergehend ausgesetzte Insolvenzanmeldepflicht und die staatlichen Hilfsmaßnahmen für angeschlagene Betriebe haben bisher einen überproportionalen Anstieg verhindert. Sobald die Hilfen wegfallen und die Anzeigepflicht wieder einsetzt, wird sich das ändern, prognostizieren die Gutachter.

Damit rechnet auch der ZDK und fürchtet, dass sich die Krise in einer Reihe von Autohaus- und Werkstatt-Insolvenzen offenbaren wird. Dass sich die ansteigenden Insolvenzen auf den Arbeitsmarkt auswirken, erwartet das Frühjahrsgutachten indes nicht, weil vorwiegend kleinere Betriebe betroffen sein werden. Im Gegenteil: Mit der Erholung der Wirtschaft wird auch die Zahl der Erwerbstätigen steigen. Davon profitiert dann auch das Kfz-Gewerbe. Denn sichere Einkommen wirken sich positiv auf Kaufentscheidungen und das Servicegeschäft aus: Kunden werden verstärkt notwendige Reparaturen und Wartungen an ihren Fahrzeugen durchführen lassen.

Bund wird weiter investieren

Zwar wachse der Schuldenberg der öffentlichen Haushalte. Doch der zu erwartende Anstieg der Steuereinnahmen werde die Investitionsbereitschaft des Bundes auch wegen hoher Mittel aus Investitionsprogrammen nicht bremsen, so das Gutachten. Das werde sich auf das Kfz-Gewerbe positiv auswirken. „Um die Konjunktur nach der Krise wieder zum Laufen zu bringen, wäre eine verstärkte Investitionstätigkeit der öffentlichen Haushalte wünschenswert. Dies könnte positive Effekte auf den Absatz von Automobilen wie auch Nutzfahrzeugen nach sich ziehen“, konstatiert Schmidt.

Allerdings fußt das vorgelegte Frühjahrsgutachten auf der Annahme, dass sich ab dem dritten Quartal das Pandemiegeschehen entspannt, weil die Impfungen vorangehen und keine neuen Mutationen die Pandemie wieder anfachen. Denn das hätte direkte Auswirkung auf die aufgestaute Kaufkraft. Sie würde schwinden, weil private Haushalte stärker auf ihre Ersparnisse zurückgreifen müssten, fürchten die Gutachter. Würde die Öffnung der Autohäuser verschoben, sei das aus Sicht der Betriebswirtin Schmidt für den Autohandel existenzbedrohend.

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Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik