Adblue Hohe Gaspreise könnten für Knappheit sorgen

Autor / Redakteur: dpa / Lena Sattler

Wegen der hohen Gaspreise fürchten einige Verbände Probleme mit der Verfügbarkeit des Abgasreinigers Adblue: Echte Versorgungslücken und ein Preisanstieg wären die Folge. Im Moment ist die Situation aber noch unter Kontrolle.

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Für die Produktion von Adblue wird Ammoniak benötigt. Dieser ist momentan aber nur begrenzt verfügbar, das die Produktionskapazitäten wegen hoher Gaspreise heruntergefahren wurden.
Für die Produktion von Adblue wird Ammoniak benötigt. Dieser ist momentan aber nur begrenzt verfügbar, das die Produktionskapazitäten wegen hoher Gaspreise heruntergefahren wurden.
(Bild: Bernhard Limberger/BMW)

Der Abgasreiniger, den Millionen Dieselfahrzeuge brauchen, könnte knapp und teurer werden. Grund für die Entwicklung sind die derzeit hohen Gaspreise, wie ADAC und Chemieindustrie bestätigen. Echte Versorgungslücken sind derzeit aber nicht bekannt, wie unter anderem die EU-Kommission betont.

Die wässrige Harnstofflösung Adblue wird in Dieselfahrzeugen zur Abgasreinigung von Stickoxiden eingesetzt. Etwa jedes zehnte Auto in Deutschland braucht die Substanz laut ADAC, um fahren zu können.

„Wird kein Adblue mehr nachgefüllt, geht das Fahrzeug zwar im laufenden Betrieb nicht aus, aber sobald der Motor abgestellt wird, lässt er sich nicht mehr starten“, heißt es dazu vom Verkehrsclub. „Betroffene Dieselfahrer könnten dann ohne das Abgasreinigungsmittel nicht mehr mit ihren Fahrzeugen fahren.“

Bisher keine Versorgungslücke

So weit ist es allerdings noch nicht: Die meisten Autofahrer müssen laut ADAC nur ein bis zwei Mal pro Jahr Adblue nachfüllen. Daher rät der Verkehrsclub auch von Vorratskäufen ab. Und momentan ist die Lage laut dem Wirtschaftsverband Fuels und Energie – dem Nachfolger des Mineralölwirtschaftsverbands – zwar „angespannt“, eine Versorgungslücke sei aber nicht bekannt.

„Unsere Mitgliedsunternehmen beobachten die Situation sehr genau und haben Vorkehrungen getroffen, um die Lieferungen aufrechtzuerhalten“, sagte ein Sprecher. Die Mineralölwirtschaft stellt Adblue zwar nicht her, verkauft es aber an ihren Tankstellen.

Entspannung wohl erst ab April

Hersteller ist die Chemieindustrie. Nach Angaben ihres Verbandes VCI geht die angespannte Lage letztlich auf den stark gestiegenen Gaspreis zurück, dessentwegen die Ammoniakproduktion gedrosselt wurde. Diese Chemikalie, die auch in Dünger und vielen anderen Produkten zum Einsatz kommt, ist eine zentrale Komponente für Adblue.

Eine Entspannung sei erst ab April nach Ende der Heizperiode zu erwarten, heißt es vom VCI, bis dahin sei ein Preisanstieg bei Adblue „nicht unwahrscheinlich“.

Der Chemiekonzern BASF hat seine Adblue-Produktion nach eigenen Angaben nicht reduziert, spricht aber von einem „derzeit herausfordernden Marktumfeld“. Erhöhten Bedarf am Abgasreinigungsmittel versuche man „soweit möglich zu bedienen“.

Angst vor Versorgungslücke

Einen Preisanstieg bei Adblue fürchtet auch der ADAC. Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) stellt bereits deutliche Verteuerungen fest. Die größere Sorge für die Unternehmen ist aber eine echte Versorgungslücke, denn ohne das Mittel könne man die meisten Lastwagen und Busse nicht einsetzen.

Im Vergleich dazu treten die Kosten für die Substanz, von der sehr viel weniger als beispielsweise Treibstoff benötigt wird, in den Hintergrund. Der Verband warnt aber, dass ohne Adblue die Lieferketten und die Versorgung der Bevölkerung gefährdet seien.

Sowohl der ADAC als auch der BGL fordern, die Adblue-Versorgung sicherzustellen. Der Verkehrsclub sieht dabei die Industrie in der Pflicht, der BGL setzt auf einen runden Tisch mit Politik und Herstellern.

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