Honda elektrifiziert das komplette Fahrzeugangebot

Autor Andreas Grimm

Der japanische Autobauer geht elektrisch in die Vollen. Das in Genf gezeigte Modell E-Prototype markiert den Einstieg in die Elektrifizierung sämtlicher Modelle bis 2025. Bestellstart ist bereits im Sommer.

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Honda startet mit dem E-Prototype in eine komplett elektrifizierte Zukunft.
Honda startet mit dem E-Prototype in eine komplett elektrifizierte Zukunft.
(Bild: Mauritz/»kfz-betrieb«)

Honda hat auf dem Genfer Automobilsalon angekündigt, bis zum Jahr 2025 in Europa 100 Prozent seiner verkauften Neufahrzeuge mit elektrifiziertem Antrieb auszustatten. Die Strategie erweitert die im Jahr 2017 angekündigten „Electric Vision“, die ursprünglich vorsah, bis 2025 europaweit zwei Drittel der neuen Fahrzeuge zu elektrifizieren.

Die Vertriebs- und Modellpolitik von Honda wirft zumindest in Deutschland ja schon länger Fragen auf, insbesondere wohin die Marke will. Doch global betrachtet sind die Japaner noch immer ein bedeutender Autohersteller. Und dass Honda nicht nur billige Kleinwagen vom Schlage des Jazz kann, beweist das Unternehmen seit Jahren mit dem Wasserstoffauto Clarity, das mit einer Tankfüllung 650 Kilometer weit kommt.

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Die Antriebstechnik der 2020er Jahre ist jedoch elektrisch. Von dieser Technik war Honda zunächst wenig begeistert. Vor dem Hintergrund des E-Auto-Booms macht die in Genf verkündete strategische Ausrichtung aber durchaus Sinn. „Seit unserer ersten Erklärung im März 2017 hat sich unser Fokus in Richtung Elektrifizierung deutlich verstärkt. Die Nachfrage nach sauberer Mobilität nimmt zu“, erklärte Tom Gardner, Senior Vice President Honda Motor Europe, auf der Pressekonferenz in Genf.

Dazu zeigt der Autobauer auf der Messe seinen ersten elektrisch angetriebenen Kleinwagen als seriennahen Prototypen, der auf den europäischen Markt abgestimmt ist. Optisch orientiert sich der „E-Prototype“ an der 2017 auf der IAA vorgestellten Studie Urban EV Concept, die mit ihrem leichten Retro-Einschlag an den ersten VW Golf erinnerte. Perspektivisch tritt der viersitzige E-Honda mit einem für die Außenmaße ordentlichen Kofferraumvolumen gegen den viertürigen Elektro-Smart, diverse Kleinwagen aus China oder den für 2022 geplanten E-Mini von VW an.

Als Fahrzeug für das urbane Umfeld konzipiert, soll der knapp 4 Meter lange E-Prototype eine Reichweite von über 200 Kilometern nach WLTP-Norm haben. Per Schnellladefunktion kann der Akku innerhalb von 30 Minuten zu 80 Prozent aufgeladen werden. Zugleich ermöglicht der Prototyp dank leistungsstarkem Elektromotor, der die Hinterräder antreibt, ein besonders dynamisches Fahrerlebnis.

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Die Serienversion des Honda E-Prototype wird im Laufe des Jahres vorgestellt. Ab Sommer können in ausgewählten europäischen Märkten Fahrzeuge reserviert werden. Zunächst sind 5.000 Stück für ganz Europa geplant. Der Preis steht noch nicht fest.

Erste Sitzprobe im E-Prototype

Im Vergleich zum Urban EV hat sich am jetzt gezeigten Prototypen einiges verändert. War der Urban EV noch ein Zweitürer, ist in Genf ein Viertürer zu sehen. Der ist allerdings dank des in der hinten Dachsäule versteckten Griffs gut getarnt. Die Silhouette des Kleinwagens ist eckiger geworden, wohl auch wegen der Kopffreiheit für die Fond-Insassen. Geblieben ist das freundlich-kecke Gesicht mit den kreisrunden Scheinwerferaugen in LED-Technik.

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Ein markanter Hingucker des elektrischen Asiaten ist die große, unter einer Klappe auf der Fronthaube versteckte Öffnung für den Ladestecker. Ein deutliches Zeichen an die Umwelt, dass dieses Auto an einer Lade- anstatt einer Zapfsäule Halt machen wird. Ob es das bei Dunkelheit beleuchtete Honda-Logo im Grill in die Serienproduktion schafft, steht noch nicht fest. Hier bremsen deutsche Regularien, die ein mittiges weißes Licht derzeit nicht zulassen, den japanischen Ideenreichtum noch aus. Das Heck spiegelt die vordere Optik, allerdings natürlich mit roten Rundleuchten.

Erlaubt ist der Verzicht auf klassische Seitenspiegel-Ohren. Dort, wo diese normalerweise platziert sind, ragen beidseitig kleine Zapfen aus dem Blech, die jeweils eine Kamera in sich tragen. Die Honda-Lösung ist deutlich dezenter als etwa die des Audi Q5 E-Tron, dessen Kameragehäuse ähnlich weit aus der Karosse reicht wie ein normaler Spiegel. Beim kleinen Japaner ist der sogenannte virtuelle Rückblick serienmäßig, beim 80.000-Euro-Audi kostet er 1.540 Euro extra. Die Farbmonitore an den beiden Ecken des wagenbreiten Armaturenbretts liefern ein gestochen scharfes Bild, die Kopfbewegung des Fahrers fällt einige Grad knapper aus als jahrelang gewohnt. Auch der Innenspiegel ist übrigens ein kleiner Bildschirm, der von der Heckkamera gespeist wird.

Die Armaturen selbst werden von mehreren Bildschirmen gebildet, die in Summe zu einer extrem breiten Einheit verschmelzen. Die einzelnen Anzeigen können je nach Geschmack und Laune des Fahrers programmiert werden. Sie tragen zum Beispiel Tacho, Navigation, Entertainment und vor allem Infos über den elektrischen Antrieb. Bemerkenswert ist zudem die Fülle von Steckern im unteren Zentrum. Neben Dosen für 230 und 12 Volt finden sich zwei USB-Buchsen und ein HDMI-Anschluss.

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