Honda macht Schluss mit Tageszulassungen

Autor / Redakteur: Julia Mauritz / Julia Mauritz

Überraschung auf der Händlertagung: Der Importeur will ab sofort auf taktische Zulassungen verzichten. Dafür nimmt er einen Einbruch der Neuzulassungen in Kauf, denn gerade für die großen Händler sind sie ein zentrales Vertriebsinstrument.

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(Bild: Mauritz/»kfz-betrieb«)

Honda-Deutschland-Vizepräsident Ingo Nyhues hadert schon länger mit dem hohen Anteil an taktischen Zulassungen. Schon mehrfach wurde beim Frankfurter Importeur die Devise ausgerufen, den Fokus auf die Qualität der Geschäfte zu legen und nicht auf die reine Quantität. Wirklich geändert hatte sich bislang allerdings nichts. Im ersten Halbjahr 2018 lag der Eigenzulassungsanteil von Honda bei 51,8 Prozent.

Damit soll nun Schluss sein: Auf der Händlertagung verkündete der Honda-Manager, man werde sich im Zuge der Elektrifizierung seines Modellprogramms aus dem Tageszulassungsgeschäft zurückziehen: „Wir wollen gemeinsam mit dem Handel die Qualität der Geschäfte im Sales und Servicebereich erhöhen. Statt Tageszulassungen schaffen wir größeren Mehrwert für die Kunden und unterstützen unseren Handel mit entsprechenden Maßnahmen wie attraktiven Wartungspaketen und Finanzierungsprogrammen“, erläuterte Ingo Nyhues auf Nachfrage von »kfz-betrieb«. Anders als in der Vergangenheit will Honda den Strategiewechsel dieses Mal konsequent verfolgen.

Fokus auf den Abverkauf der Tageszulassungen

Hondas sofortiger Verzicht auf taktische Zulassungen dürfte allerdings für die Händler in puncto Volumen erhebliche Konsequenzen haben, da Tageszulassungen vor allem für die großen Händler ein zentrales Vertriebsinstrument sind. Zudem ist das Privatkundengeschäft die einzige Vertriebssäule: Auf das Flotten- und Vermietgeschäft verzichtet der japanische Hersteller in Westeuropa schon seit einigen Jahren komplett und will daran auch nicht rütteln. Klar ist: Das ursprünglich anvisierte Jahresziel von 25.000 Neuzulassungen ist durch diesen Strategiewechsel hinfällig. Ein neues Vertriebsziel für das laufende Jahr nennt Honda Deutschland offiziell nicht, nur dass der Fokus in den restlichen Monaten dieses Jahres auf den Abverkauf der zugelassenen Fahrzeuge gerichtet sein werde.

Ein Honda-Händler, der anonym bleiben möchte, begrüßt zwar, dass der Importeur künftig verstärkt attraktive Garantie- und Wartungspakete schnüren will, sieht den geplanten Paradigmenwechsel allerdings insgesamt kritisch: Er befürchtet neben einem Einbruch der Verkaufszahlen, die sich nur durch sehr attraktive Vertriebsprogramme eindämmen ließen, perspektivisch auch sinkende Serviceerträge.

0,6 Prozent Marktanteil von Januar bis August

Die strategische Neuausrichtung im Vertrieb kommt zu einem Zeitpunkt, in dem das Neuwagengeschäft der japanischen Marke ohnehin schwächelt: Der vergangene August markierte dabei einen vorläufigen Negativrekord. In einem Monat, in dem fast alle Importeure zweistellig wuchsen, gingen die Neuzulassungen bei der japanischen Marke um 40 Prozent zurück. Mit gerade einmal gut 1.000 verkauften Fahrzeugen fiel der Marktanteil der japanischen Marke auf 0,3 Prozent. Auch kumuliert lag er nach den ersten acht Monaten mit knapp 14.500 Neuzulassungen bei gerade einmal 0,6 Prozent.

In der Ausgabe 40 von »kfz-betrieb«, die am 5. Oktober erscheint, berichten wir ausführlich über die Vertriebsstrategie, den Modellausblick und die Entwicklung des Händlernetzes von Honda in Deutschland.

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