IAA 2015: Kunststücke mit Kunststoff

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Contitech-Entwickler testen Naturkautschuk aus Löwenzahl für die Schwingungstechnik. Und ein Doppelzahnriemen soll künftig Ausgleichswellen antreiben.

Firmen zum Thema

Aprilscherz? Photoshop? Nein: Der Doppelzahnriemen kehrt die Drehrichtung um.
Aprilscherz? Photoshop? Nein: Der Doppelzahnriemen kehrt die Drehrichtung um.
(Foto: Contitech)

Alles, was sich aus Gummi und Plastik herstellen lässt – außer Reifen: So lässt sich das Produktprogramm der Continental-Tochter Contitech kurz zusammenfassen. Einige interessante Neuheiten aus diesem vielfältigen Produktprogramm stellt das Unternehmen im September auf der IAA vor.

Beispielsweise arbeitet Contitech daran, Naturkautschuk aus der Wurzel des Löwenzahns in schwingungstechnischen Bauteilen einzusetzen. Die Reifenkollegen bei Continental haben dieses Material bereits in ersten Prototypen erfolgreich verwendet. Der Rohstoff wächst auf den magersten Böden und auch in den kälteren Regionen im Norden Europas. Transporte aus tropischen Ländern würden damit entfallen. Erste Ergebnisse sind laut Unternehmensangaben vielversprechend, mit der Serienreife wird aber erst in fünf bis zehn Jahren gerechnet.

Bildergalerie

Schon in Serie ist dagegen ein Getriebequerträger aus dem glasfaserverstärkten Polyamid BASF Ultramid für die Hinterachse, der in der S-Klasse von Mercedes-Benz eingesetzt wird. Im Vergleich zu Ausführungen aus Aluminiumdruckguss ist die neue Variante rund 30 Prozent leichter. Das Bauteil zeichnet sich durch hohe Festigkeit, eine gute schwingungs- und geräuschmindernde Wirkung und hohe Crashsicherheit aus, heißt es bei Contitech. Als eine zentrale Komponente der Hinterachse stützt es Kräfte und Momente des Hinterachsgetriebes ab.

Doppelzahnriemen für Ausgleichswellen

Contitech hat außerdem einen Doppelzahnriemen für den Antrieb von Ausgleichswellen entwickelt, der auch in Ölumgebung laufen kann. Die Zähne auf der Rückseite des Riemens kehren die Drehrichtung der Kurbelwelle für die Ausgleichswelle um. Im Vergleich zu Stirnrädern oder Ketten soll der Riemen leichter und leiser sein. Außerdem gewährt er mehr Flexibilität bezüglich der Positionierung der Ausgleichswellen im Motor.

Und nicht vergessen werden soll die modular aufgebaute Schlauchleitung für Turbolader, bei der ein Hochleistungskunststoff statt Stahlrohr eingesetzt wird, was 15 Prozent Gewicht spart. Die Schlauchleitungen für Diesel- und Benzinmotoren passen sich den engen Konturen im Motorraum an, sind bis 220 Grad Celsius temperatur- und bis 2,6 bar druckbeständig.

Continental auf der IAA: Halle 5.1, A08

(ID:43541087)