IAA-Aus in Frankfurt: Rücktrittsforderung an OB Feldmann

Autor / Redakteur: dpa/aw / Andreas Wehner

Dass der VDA Frankfurt tatsächlich schon so früh aus dem Rennen um die künftige Ausrichtung der Messe schmeißt, hatte man dort offenbar nicht erwartet. Dementsprechend gab es Unmutsäußerungen – bis hin zu einer Rücktrittsforderung an Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann.

Die IAA war 2019 in Frankfurt wenig erfolgreich. Jetzt soll an einem neuen Standort alles besser werden.
Die IAA war 2019 in Frankfurt wenig erfolgreich. Jetzt soll an einem neuen Standort alles besser werden.
(Bild: Grimm/»kfz-betrieb«)

Damit hatte man in Frankfurt offenbar nicht gerechnet. Der langjährige Austragungsort der Internationalen Automobilausstellung (IAA) ist raus aus dem Rennen um den künftigen Standort der Messe. Nach dem ersten Schock wurde auch Unmut laut.

So forderte Hessens FDP-Chef Stefan Ruppert den Rücktritt von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Das Aus für die IAA sei ein fatales Signal für Frankfurt und das gesamte Rhein-Main-Gebiet, sagte Ruppert am Donnerstag in Wiesbaden. „Oberbürgermeister Peter Feldmann trägt gemeinsam mit der Landesregierung die Verantwortung an dieser Entwicklung.“

Feldmann habe die Veranstalter bewusst brüskiert und deutlich gezeigt, dass er als Stadtoberhaupt von Frankfurt den Wert der Messe gering schätzt, kritisiert der Parteichef. „Ein Oberbürgermeister, der das Ansehen seiner Stadt stark beschädigt, Arbeitsplätze mutwillig vernichtet und einen gigantischen finanziellen Schaden verursacht, ist in einem solch verantwortungsvollen Amt nicht länger tragbar.“

Das IAA-Aus sei keine politische Marginalie, sondern ein harter Schlag für den Automobilstandort Hessen, mahnte Ruppert. „Entsprechend halten wir personelle Konsequenzen für notwendig.“ Feldmann hatte Kritik an der Veranstaltung geübt, auf der er nach seiner Darstellung im September 2019 kein Grußwort sprechen durfte.

Hoteliers geschockt

Hoteliers und Gastronomie in Frankfurt reagierten geschockt auf das Aus „Diese Entscheidung ist ein schwarzer Tag in der Messe-Historie Frankfurts“, erklärte der Branchenverband Dehoga Hessen am Donnerstag. Die IAA sei eine der bedeutendsten Messen für Frankfurt und über die Stadtgrenzen hinaus gewesen. „Insbesondere die Dienstleistungsbranche wird dies mit immensen Umsatzeinbußen bezahlen müssen.“

Mit dem Votum gegen Frankfurt habe man nicht gerechnet, sagte Kerstin Junghans, Leiterin der Dehoga-Geschäftsstelle Frankfurt Rhein-Main. Noch am Mittwoch habe bei einem runden Tisch mit Vertretern der Stadt großer Optimismus geherrscht, dass Frankfurt auch die kommende IAA 2021 ausrichte. Nun müsse die Automechanika in Frankfurt gesichert werden.

Messe sucht nach Ersatzveranstaltung

Die Frankfurter Messe sucht unterdessen nach Ersatz. Die Branche habe sich mit dem Votum gegen die Mainmetropole für einen „vollständigen Neubeginn entschieden“, sagte Geschäftsführer Uwe Behm am Donnerstag. Nun müsse man sich nach Alternativen umsehen. „Bei der Messe Frankfurt sind wir nun frei, den verfügbaren, hochattraktiven Zeitslot mit anderen lukrativen Veranstaltungen zu füllen“, sagte Behm. Er dankte der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen, die sich für den Verbleib der IAA am Main eingesetzt hatten.

Die IAA fand seit 1951 in Frankfurt statt und zählte neben der Buchmesse zu den prominentesten Branchenschauen am Main. Am Mittwochabend hatte der Verband der Automobilindustrie (VDA) unter sieben deutschen Bewerber-Städten eine Vorauswahl getroffen und schon in der ersten Runde gegen Frankfurt entschieden. Im Rennen bleiben Berlin, Hamburg oder München. Die Entscheidung für den neuen Standort soll in den nächsten Wochen fallen.

Die letzte IAA-Ausgabe vergangenes Jahr gilt mit einem Besuchereinbruch als Misserfolg. Nur noch 560.000 Interessierte kamen zur Ausstellung - im Vorjahr waren es 810.000 gewesen. Zudem wurde viel Kritik laut, die Autobranche setze zu stark auf spritfressende schwere Modelle wie SUVs.

Proteste sollen an neuem Standort weitergehen

Tausende hatten 2019 gegen die IAA demonstriert - und die Organisatoren des Protests haben eine Neuauflage angekündigt, egal an welchem Standort die Schau künftig stattfinden wird. „Ich kann mir vorstellen, dass es sogar noch einmal deutlich mehr Zuspruch geben wird, wenn die IAA in Hamburg oder Berlin stattfindet“, sagte der politische Geschäftsführer des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) in Hessen, Heiko Nickel, am Donnerstag.

Am Publikumswochenende hatten Umwelt- und Klimaaktivisten vergangenes Jahr direkt vor den Toren der IAA in Frankfurt demonstriert, teilweise blockierten sie die Zugänge zum Messegelände. Der VCD Hessen war Teil des Bündnisses der Organisatoren, „Sand im Getriebe“, das von mehr als 25.000 Teilnehmern berichtet hatte. Es gab auch eine großangelegte Fahrrad-Sternfahrt. „Wir bleiben überall ungehorsam“, erklärte das Bündnis nun auf Twitter.

„Das bleibt nicht ohne Wirkung, wenn so viele Menschen eine Verkehrswende fordern und von der Industrie andere Fahrzeuge haben wollen“, sagte Nickel. „Die Menschen wollen nicht einfach nur Auto fahren, sie wollen Mobilitätsangebote.“ Dass die IAA Frankfurt verlasse, sei ein klares Zeichen, dass ein Wechsel stattfinde.

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