IAA Nutzfahrzeuge: Alle wollen wachsen

Autor / Redakteur: sr/ves/dpa / Stephan Richter

Zum Start der 64. IAA Nutzfahrzeuge informierten die Fahrzeughersteller die Presse über Messeneuheiten, Marktentwicklung und Unternehmensstrategien. Das Ergebnis: Jedes Unternehmen will bei Absatz und Marktanteilen zulegen.

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(Foto: VDA)

Ein Jahr vor Euro 6, drei Jahre nach der Wirtschaftskrise: Die Fahrzeughersteller auf der IAA Nutzfahrzeuge 2012 zeigen sich produktseitig deutlich besser positioniert als noch vor zwei Jahren – kurz nach der Absatzflaute in 2009 strotzte kaum einer der Lkw- und Transporterbauer vor neuen Produkten. Konsolidierung lautete damals das Stichwort, „Gestärkt aus der Krise“ war das einhellige Motto, mit dem eine Prozessoptimierung einherging.

2012 hat sich die schwere Lkw-Klasse auf Euro 6 eingeschossen, die leichten Transporter kommen mit neuen Modellen oder mit vollelektrischen Varianten ihrer Vans und Stadtlieferwagen. »kfz-betrieb ONLINE« war in Hannover unterwegs und fasst hier die wichtigsten Meldungen zusammen. Interviews mit den Vertriebsleitern der bedeutendsten Marken folgen innerhalb der nächsten Wochen an dieser Stelle.

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DAF verliert 2012

DAF verkaufte im ersten Halbjahr 2012 3.030 Lkw und Sattelzugmaschinen in Deutschland. Das sind zwar 22,9 Prozent weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum; seit 2000 kommt der Importeur auf dem deutschen Markt jedoch auf ein durchschnittliches Wachstum von 16 Prozent. Laut DAF-Präsident Harrie Schippers ist dies ein gutes Ergebnis.

Mit dem neuen XF will der niederländische Hersteller erneut Marktanteile gewinnen. Um diesen für die Euro-6-Norm zu rüsten, tätigte DAF die höchsten Investitionen in der Geschichte des Unternehmens.

Daimler AG: Bei Euro 6 über Plan

Bei der Daimler AG sind die Verkaufszahlen in Europa im mittleren und schweren Lkw-Segment im Gleichgewicht. „Insbesondere in Südeuropa wirkt sich die gesamtwirtschaftliche Anspannung auf den Nutzfahrzeugabsatz aus. Daimler Trucks ist davon durch den traditionell starken Absatz in Nordeuropa aber wenig betroffen“, sagte Andreas Rentschler, Vorstandsmitglied der Daimler AG, zum Auftakt der IAA Nutzfahrzeuge.

Positiv überrascht zeigt sich der Konzern von der guten Akzeptanz seiner Kunden für den Actros mit Euro-6-Motor. In Europa macht die neue Antriebsgeneration 30 Prozent der Verkäufe aus, in Deutschland sogar 40 Prozent: „Wir liegen damit deutlich über Plan. Und das ohne staatliche Förderung für unsere Kunden“, so Rentschler.

Ford: Produktoffensive bis 2014

Ford möchte ab 2016 weltweit 500.000 Nutzfahrzeuge pro Jahr verkaufen – 50.000 davon in Deutschland. „Wir wollen wachsen. Dazu erneuern wir bis 2014 unsere komplette Nutzfahrzeugpalette und erweitern sie auf sechs Baureihen plus den Ranger“, sagte Bernhard Mattes, Vorsitzender der Geschäftsführung der Ford-Werke, in Hannover.

Zu den Neuheiten gehört auch der Transit-Zweitonner, den Ford im vierten Quartal 2013 auf den Markt bringen möchte. Den Abschluss der Modelloffensive stellt im Sommer 2014 der Transit Courier dar - ein kleiner Transporter unterhalb der Connect-Baureihe für den städtischen Lieferverkehr.

Iveco: Neuer Stralis

Iveco hat ein neues Flaggschiff: Der italienische Nutzfahrzeughersteller präsentiert auf der Messe den Stralis, der zeitgleich mit seiner Premiere zum Truck of the Year 2012 gekürt wurde. Die zweite Weltpremiere ist der Trakker, der mit neuer Innenausstattung und einem überarbeiteten Telematiksystem die Baustellen erobern soll.

Für sein gesamtes Fahrzeugangebot legt Iveco den Focus auf die Kosten. So wurden beim neuen Stralis die Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership) um vier Prozent gesenkt. Insgesamt sei Iveco für die künftigen Herausforderungen des Marktes bereit, vor allem für die Euro-6-Norm, so Iveco-Chef Alfredo Altavilla.

Nissan: 16 Prozent Wachstum

Nissan ist im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge europaweit um 16 Prozent gewachsen. Damit bekräftige der Hersteller sein Ziel, bis 2016 zum weltweit führenden Hersteller leichter Nutzfahrzeuge aufsteigen zu wollen, sagt Vizepräsident Hideto Murakami.

Zu den Messehighlights zählt der vollelektrische Lieferwagen E-NV200. Er ist neben dem Leaf das zweite von insgesamt vier Elektrofahrzeugen, die Nissan bis 2014 auf den Markt bringen will. Um deren Entwicklung weiter voran zu treiben, hat Nissan bereits 100 Millionen Euro in die Produktion investiert.

MAN: Neue Lkw für ein dynamisches Jahr

MAN hat in den ersten acht Monaten dieses Jahres weltweit 90.000 bis 100.000 Fahrzeuge abgesetzt – ein kleiner Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Deshalb erhoffen sich die Münchner Impulse durch die diesjährige IAA: „Die globale Marktsituation ist gemischt, und 2013 wird mit der Einführung der Euro-6-Norm ein dynamisches Jahr werden“, prognostiziert MAN-Vorstand Anders Nielsen.

Im Mittelpunkt des MAN-Messeauftritts steht die neue TG-Familie, die für die neue Abgasnorm gerüstet wurde. In der Bussparte führt MAN die sparsame Efficient-Line auch für den Lions Coach ein.

Peugeot fördert junge Handwerker

Der französische Nutzfahrzeughersteller Peugeot unterstützt junge Handwerker in ihrer Gründungsphase. Die Zielgruppe entspringt den Berufen Schreinerei, Elektro und Sanitär/Heizung/Klima; Peugeot möchte diesen Kunden seine Sondermodelle der Advantage-Serie ab Oktober 2012 zu besonderen Konditionen anbieten. Zudem erhalten die Kunden einen Innenausbau der Firma Sortimo und einen Gutschein der Firma Förch über 500 Euro.

Auf der Messe zeigt Peugeot den vollelektrischen iOn als Cargo-Variante, den Partner Électric sowie zahlreiche Advantage-Sondermodelle mit branchenspezifischen Innenausbauten. „Wir haben zwei Elektrotransporter im Programm. Die Nachfrage nach diesen Produkten wird zunehmen“, sagte Dirk-Marco Adams, Direktion Businesskunden, Nutzfahrzeuge und Gebrauchtwagen.

Scania hat 200 Euro-6-Lkw im Kundeneinsatz

Der Messeauftritt von Scania steht ganz im Zeichen der neuen Euro-6-Motoren. Laut Alexander Vlaskamp, Geschäftsführer bei Scania Deutschland und Österreich, hat Scania in Deutschland, Österreich und in der Schweiz bereits rund 250 Trucks mit Euro-6-Motoren verkauft. „Für unsere Kunden zahlte es sich bisher immer aus, schon früh in umweltfreundliche Technologien zu investieren“, so Vlaskamp weiter.

Neue Chancen sieht der schwedische Nutzfahrzeughersteller für sich im Bereich der Bergbaufahrzeuge. Das Sortiment der Construction-Line wurde deshalb von bisher drei auf sieben Fahrzeuge aufgestockt.

Renault und Volvo: Mehr Marktanteile mit neuen Lkw

Volvo Trucks und Renault Trucks wollen der Konkurrenz in Deutschland Marktanteile abjagen. „Wir wollen uns in Richtung 20 Prozent bewegen“, sagte Heinz Jürgen Löw, Präsident von Renault Trucks, am Mittwoch auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover. Derzeit kommen die beiden Marken auf einen Anteil von 12 Prozent in Deutschland. „Das ist ein ganz spezieller Markt, die Konkurrenz ist sehr stark“, sagte Löw. Ein Marktanteil von 26 Prozent, wie ihn die beiden Hersteller in Europa hielten, stehe daher nicht auf Agenda. Seit 2001 ist Renault Trucks Teil der Volvo-Gruppe.

Renault Trucks kündigte an, im Juni des kommenden Jahres eine komplett überarbeitete Produktpalette zu präsentieren. Die neue Abgasnorm Euro sechs erfordere einen neuen Antriebsstrang, erklärte Löw. Neuerungen seien aber auch bei Design und Wirtschaftlichkeit zu erwarten.

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