Changan: Selbstbewusste Chinesen zeigen sich Europa

Einziger Pkw-Hersteller aus China stellt sechs Modelle vor

| Autor: Andreas Grimm

Changan will mit sechs Modellen zur IAA kommen. Eines davon soll der Eado sein, der in der Golf-Klasse antritt.
Changan will mit sechs Modellen zur IAA kommen. Eines davon soll der Eado sein, der in der Golf-Klasse antritt. (Foto: Changan)

Automobile aus China – egal ob als Hoffnungsträger für den Handel oder als Gefahr für die europäischen Autobauer – sind derzeit aus der öffentlichen Diskussion verschwunden. Dazu passt, dass nur ein Autobauer aus China auf der IAA 2013 präsent ist: Changan. Der Hersteller ist aber vielleicht zugleich der geheimnisvollste Pkw-Aussteller, denn zumindest in der europäischen Presse kommt er bisher fast gar nicht vor.

Hinter dem chinesischen Autobauer steht zu 100 Prozent der chinesische Zentralstaat. Das Unternehmen produziert insgesamt rund zwei Millionen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge im Jahr, nicht zuletzt über die China-typischen Joint Ventures mit ausländischen Herstellern: Allein 600.000 entstehen in Kooperation mit Ford. Auch Suzuki, Mazda und seit diesem Jahr PSA sind mit Changan verbunden, berichtet Jochen Siebert, Geschäftsführer der auf den chinesischen Markt ausgerichteten Beratungsfirma JSC Automotive, im Gespräch mit »kfz-betrieb«. „Das ist kein ganz kleiner Wettbewerber im internationalen Automobilgeschäft.“

Doch was will der Staatskonzern, den „Spiegel Online“ nach seinem Messeauftritt auf der IAA 2011 sehr passend als „einsamsten Fahrzeughersteller der Messe“ charakterisierte? Damals präsentierte sich Changan unter anderem mit der Studie Sense, einer Limousine mit coupéhafter Linienführung. Doch der Messestand war verwaist, für den Autoren dieses Beitrags niemand für ein Gespräch zu bekommen, der Messehostess waren die Visitenkarten ausgegangen, Kontaktanfragen liefen auch im Nachgang ins Leere.

Fakt ist, dass Changan auch eigenständig Pkw und Mini-Busse baut und entwickelt – bisher für den chinesisch-asiatischen Markt. Dort ist der Hersteller hinter SAIC, Dongfeng und FAW die Nummer vier der heimischen Unternehmen, seine Pkw-Modelle heißen Benni, CX20, Aisvin und Eado. Nach Frankfurt will Changan sechs Modelle mitbringen, wie eine Presseveröffentlichung von Ende Juli verkündet. Da man der einzige Hersteller aus China auf der IAA sei, werde sich die Aufmerksamkeit der internationalen Automobilindustrie auf die gezeigten Produkte richten, heißt es selbstbewusst.

Explizit angekündigt sind für den Changan-Stand in Halle 3.1 als Modelle das Mittelklasse-SUV CS 75, das in Frankfurt erstmals vorgestellt wird, der Eado XT, laut Siebert ein Schrägheck-Modell in der Golfklasse, der Eado Hybrid als Limousine, sowie der Reaton als Limousine in der oberen Mittelklasse. Bereits im April auf der Automesse in Shanghai wurden das kleinere SUV-Modell CS 35 und die Studie CS 95 vorgestellt. Damit folgt der Autobauer der Erkenntnis, dass das SUV-Segment gerade auch in den aufstrebenden Märkten Asiens rasant wächst. Die Modellpolitik ist damit auch ein Fingerzeig, dass Changan außerhalb Chinas aktiv werden will.

„Eine Expansion ist auf jeden Fall angedacht“, bestätigt Siebert. Die Modelle Eado und Reaton seien auf den europäischen Markt ausgerichtet. Mit der Präsenz auf der IAA 2013 verfolge Changan „wahrscheinlich das Ziel, sich einfach wieder zu zeigen“, schätzt der China-Analyst. Anzeichen für einen bevorstehenden Markteintritt sieht er nicht, die Produkte seien angesichts der hiesigen Ansprüche „eher nicht konkurrenzfähig“.

Changan selbst sieht die Qualität seiner Produkte auf internationalem Niveau, was eine entscheidende Rolle spiele für die Entwicklung der Übersee-Strategie. Diese sei bereits Handelsvertretern aus verschiedenen Regionen außerhalb Chinas vorgestellt worden. Angesichts der Reaktionen gibt sich Changan zuversichtlich „einen Weg zu finden, der zum Durchbruch der chinesischen Marke führt“.

Changan auf der IAA: Halle 3.1, Stand D 05

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