ICDP-Studie: Das Ende des Mehrmarkenservice?

Autor: Jakob Schreiner

Freie Werkstätten müssen sich mit den technischen Besonderheiten der unterschiedlichsten Modelle und Systeme auskennen. Das ist schon heute nicht immer leicht und könnte künftig eine Spezialisierung auf wenige Marken unabdingbar machen.

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Die steigende Komplexität von Modellen unterschiedlicher Marken macht freien Werkstätten das Leben schwer.
Die steigende Komplexität von Modellen unterschiedlicher Marken macht freien Werkstätten das Leben schwer.
(Bild: Rubbel/»kfz-betrieb«)

In gefühlt immer geringer werdenden Abständen erhalten technische Innovationen Einzug in unsere Fahrzeuge. Abstandsregel- und Einparkassistenten, kamerabasierte Außenspiegel oder Laserscheinwerfer gehören bereits ebenso zur Realität wie Hybrid- oder Elektrofahrzeuge. Und die nächsten Innovationen, die auf den Serieneinsatz warten, stehen bereits in den Startlöchern. Diese wachsende Komplexität der Fahrzeugmodelle und -systeme stellt bereits heute viele Mehrmarken-Servicebetriebe vor Herausforderungen.

Laut der aktuellen Studie „Europäischer Aftermarket 2030: Erfolg durch Coopetition“ der Unternehmensberatung ICDP könnte diese Entwicklung weitergehen. Die Studienmacher prognostizieren, dass es für eine klassische Mehrmarkenwerkstatt zunehmend schwieriger werde, der Komplexität der Fahrzeuge mit personellem Know-how und entsprechender Werkstattausrüstung gerecht zu werden. Deshalb werden sich freie Werkstätten vermehrt auf eine geringere Anzahl von Marken spezialisieren und in der Konsequenz noch stärker in Konkurrenz zu den Vertragswerkstätten treten, so die ICDP-Experten.

Margen geraten unter Druck

Begleitet werde dieser Prozess unter anderem vom Wechsel vom privaten Fahrzeugbesitz hin zu verschiedenen Leasingformen. Dabei schließen die Kunden oftmals Pakete für die Wartung mit ab, die von der Leasinggesellschaft verwaltet werden. Diese ist es dann auch, die darüber entscheiden soll, wann, wo und zu welchem Preis eine Wartung durchgeführt werde. Das drücke zwangsläufig auf die Margen der Werkstätten, so die Studienautoren.

Insgesamt soll das Marktvolumen für den Kfz-Aftermarket bis 2030 um einige Prozentpunkte sinken und dann noch 195 Milliarden Euro betragen. Das liege unter anderem an höheren Service-Intervallen, sinkenden Fahrleistungen und nicht zuletzt am geringeren Servicebedarf von batterieelektrischen Fahrzeugen. Anfallende Reparaturen sollen dann aber aufgrund der Technik komplexer werden und längere Zeit dauern.

Unfallreparaturmarkt schrumpft um ein Fünftel

Noch stärker als im Servicegeschäft soll der Rückgang bei den Unfallreparaturen sein. Durch die Zunahme von Fahrerassistenzsystemen wird der Markt der Studie zufolge um bis zu 20 Prozent schrumpfen. Und das, obwohl der europäische Fahrzeugbestand auf knapp 300 Millionen Fahrzeug anwachsen dürfte (Stand 2017: 268 Millionen). Die Studienautoren erwarten deshalb eine weitere Konsolidierung am Reparaturmarkt, der Wettbewerb zwischen OEMs und IAMs dürfte sich weiter verschärfen.

Mit Blick auf den gesamten Aftermarket spricht ICDP vom „neuen“ Paradigma der Coopetition. So müsse eine insgesamt geringe Anzahl von Teilehändlern, Werkstätten und Serviceanbietern sowohl konkurrieren als auch kooperieren. Dies sei nötig, um künftig überhaupt wirtschaftlich rentabel zu sein.

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Redakteur Ressort Service & Technik