VW-Chef Diess „Ich habe mir Sorgen um Audi gemacht“

Autor: Christoph Seyerlein

Volkswagen-Chef Herbert Diess sieht Audi auf einem guten Weg. Dabei habe er zeitweise um die Zukunft der Ingolstädter gebangt, wie der 62-Jährige in einem Podcast zugab. Von Markenchef Markus Duesmann fordert er nun noch mehr Tempo – vor allem, um Tesla anzugreifen.

Konzernchef Herbert Diess (re.) zeigt sich mit der Arbeit von Audi-CEO Markus Duesmann (li.) zufrieden, fordert aber noch mehr Geschwindigkeit von der Marke.
Konzernchef Herbert Diess (re.) zeigt sich mit der Arbeit von Audi-CEO Markus Duesmann (li.) zufrieden, fordert aber noch mehr Geschwindigkeit von der Marke.
(Bild: Audi)

Volkswagen-Chef Herbert Diess hat Audi-CEO Markus Duesmann ein gutes Zwischenzeugnis ausgestellt, fordert aber noch mehr Tempo von den Ingolstädtern. Die Marke sei auf einem „sehr guten Weg, zu alter Stärke zurückzufinden“, sagte Diess im „Audi Mitarbeiter-Podcast“. Seit Duesmann im April 2020 die Chefrolle übernommen hat, habe Volkswagens Premiumtochter wieder Tempo aufgenommen und sei schnell wieder in die Spur gekommen. „Davon bin ich wirklich begeistert“, sagte Diess.

Dabei war der 62-jährige Konzernboss offenbar nicht immer davon überzeugt, dass die Marke mit den vier Ringen einen Weg aus der Krise finden könnte. „Ich muss zugeben, ich habe mir um Audi schon Sorgen gemacht.“ Die Diesel-Affäre und viele Vorstandswechsel vor allem im Technik-Bereich hätten dazu geführt, dass die Ingolstädter ihre Rolle als Technik-Pionier verloren haben.

Gerade im letzten Quartal habe Audi aber wieder gezeigt, „was in ihnen steckt“. Sei es bei den Absatzzahlen oder auch finanziell. Zwischen Oktober und Dezember 2020 hatte das Fabrikat weltweit 505.583 Neuwagen ausgeliefert – mehr als jemals zuvor in einem Quartal. Für 2021 habe man sich nun „anspruchsvolle Ziele gesetzt“, so Diess. Audi will beim Marktanteil zulegen, aber auch wieder mehr verdienen. Helfen sollen unter anderem einige neue Modelle. In den Startlöchern stehen etwa die Elektroautos Audi Q4 E-Tron und E-Tron GT.

„Schneller entscheiden, schneller entwickeln, schneller am Markt sein“

Nun gehe es vor allem darum, sich schlanker aufzustellen: „Audi muss schneller und agiler werden“, forderte der Konzernchef. Das sei wichtig, um mit der Konkurrenz wie BMW, Daimler „und insbesondere auch Tesla“ konkurrieren zu können, die nicht in einem derart großen Konzern-Korsett wie Audi bei Volkswagen stecken. „Schneller entscheiden, schneller entwickeln, schneller am Markt sein“ – darum gehe es für Audi, sagte Diess. „Wenn man sich Tesla anguckt, wie schnell sie ihre Autos weiterentwickeln und Elektroautos auf den Markt bringen, dann ist Audi schon aufgefordert, da deutlich an Tempo zuzulegen“, macht Diess den Ingolstädtern Druck. „Audi muss aufholen!“

Es werde „sicherlich nicht einfach sein“, Tesla Paroli zu bieten. Für einen großen Konzern wie Volkswagen sei es schwierig, mit deren Rhythmus Schritt zu halten. „Aber bei Audi kann das gelingen“, zeigte sich Diess überzeugt. Er freue sich, dass die Marke sich anschicke, auf Tesla aufzuholen „und an der ein oder anderen Stelle vielleicht sogar zu überholen.“ Richtungsweisend seien dabei vor allem die eigene Software-Organisation und das Projekt Artemis. Beides soll sicherstellen, dass Audi die Entwicklung beschleunigen kann.

Diess befürwortet Frauen-Quote

Helfen sollen dort und im gesamten Konzern auch diversere Teams. „Ich bin überzeugt, dass Teams, in denen Frauen mitarbeiten, bessere Teams sind. Sie entscheiden besser, haben eine bessere Team-Kultur“, so der Konzernboss. Auch die Frauenquote sehe er positiv. Er sei stolz darauf, dass bei Audi mit Hildegard Wortmann (Vertrieb und Marketing) und Sabine Maaßen (Personal) zwei Frauen im Vorstand sitzen. „Ich glaube, dass der Audi-Vorstand auch deshalb so erfolgreich ist, weil er viele Frauen hat“, so Diess.

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 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«