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IG Metall widerspricht Tarif-Vorwürfen

| Autor: Doris Pfaff

Die Schuld für eine ausbleibende Stundung der Tariferhöhung im Kfz-Handwerk in Baden-Württemberg weist die IG Metall von sich. Vielmehr habe die Arbeitgeberkommission einen Alternativvorschlag abgelehnt. Carsten Beuß, Geschäftsführer der baden-württembergischen Tarifgemeinschaft, sieht das anders.

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Carsten Beuß ist Hauptgeschäftsführer des Kfz-Landesverbands Baden-Württemberg und Geschäftsführer der Tarifgemeinschaft.
Carsten Beuß ist Hauptgeschäftsführer des Kfz-Landesverbands Baden-Württemberg und Geschäftsführer der Tarifgemeinschaft.
(Bild: Kfz-Baden-Württemberg)

Die IG Metall Baden-Württemberg widerspricht der Darstellung des Kfz-Landesverbands, durch eine „Verweigerungshaltung“ bei der Frage nach einer Stundung der Tariferhöhung die Möglichkeit verhindert zu haben, Betrieben mehr Liquidität zu verschaffen. „Es stimmt nicht, dass wir das allein zu verantworten haben“, sagt Martin Sambeth, verantwortlich für die Tarifverhandlungen für das Kfz-Handwerk in Baden-Württemberg.

Die Gewerkschaft habe sich grundsätzlich gegen eine „Rasenmähermethode“ bei der Stundung der anstehenden Tariferhöhung ausgesprochen und stattdessen das Modell „Zeit statt Geld“ vorgeschlagen, so Sambeth. Das Modell sollte Arbeitnehmern die Wahl lassen, durch einen Zeitausgleich auf eine Tariferhöhung zu verzichten. „Das würde den Betrieben auch mehr Liquidität verschaffen“, sagte Sambeth.

Im Einvernehmen mit dem ZDK sei dieser Vorschlag „Zeit statt Geld“ den regionalen Arbeitgeberkommissionen vorgelegt und schließlich abgelehnt worden. Auch der Hinweis, dass in Hessen die dortige IG Metall der Aussetzung der Tariferhöhung zugestimmt, sei nicht korrekt. Sambeth: „Dort kommt die Lohnerhöhung, aber die Auszahlung wurde in die Monate Dezember und März verschoben.“

Damit konfrontiert, erklärte Carsten Beuß, Hauptgeschäftsführer des Kfz-Landesverbands Baden-Württemberg und Geschäftsführer der Tarifgemeinschaft, dass es zwar in der Akutphase der Coronakrise ein Treffen zwischen Spitzenvertretern des ZDK und der IG Metall in Frankfurt gegeben habe und dabei über gemeinsame Entlastungsmöglichkeiten gesprochen worden sei.

„Es wurde tatsächlich vereinbart, dass ein solches Modell ‚Zeit statt Geld‘ ein Baustein von vielen sein könnte. Aber es wurde ausdrücklich vereinbart, dass die Zustimmung dazu den regionalen Tarifvertragspartnern obliegt“, betonte Beuß.

Beuß: Alternativvorschlag ist nicht zumutbar

Beuß hält das Modell der IG Metall in dieser Situation für Betriebe zudem für wenig hilfreich und nicht durchsetzbar: „Was haben Betriebe in dieser Situation davon, wenn ihre Mitarbeiter auf mehr Geld verzichten und stattdessen weniger arbeiten.“

Die IG Metall habe weder der Aussetzung der Tariferhöhung noch dem hessischen Modell zugestimmt, wonach die Erhöhung gestundet werden kann. Für ihn ist der ganze Vorgang sehr ärgerlich. „Ich wiederhole mich, das Verhalten führt zur Tarifflucht. Wir haben in den letzten Wochen schon mehr Austritte aus der Tarifgemeinschaft verzeichnet, als sonst im ganzen Jahr.“

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Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik