Reifen Im Herbst drohen Preiserhöhungen – erneut

Autor: Jan Rosenow

Zwar haben mehrere Reifenhersteller bereits im ersten Halbjahr die Abgabepreise heraufgesetzt. Doch nach Ansicht des BRV steht eine zweite Welle bevor – pünktlich zur kommenden Wintersaison.

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Sonderangebote für Winterreifen dürfte es in diesem Jahr deutlich weniger geben.
Sonderangebote für Winterreifen dürfte es in diesem Jahr deutlich weniger geben.
(Bild: Rosenow/»kfz-betrieb«)

Kfz-Betriebe müssen sich im Reifeneinkauf auf weiter steigende Preise einstellen. Trotz der bereits im ersten Halbjahr erfolgten Steigerungen bei vielen Reifenherstellern geht der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) davon aus, dass es in den kommenden Monaten, speziell zu Beginn der Wintersaison, in allen Reifensegmenten zu weiteren Preiserhöhungen kommen wird. Den Anfang macht nun zum 1. August der koreanische Anbieter Anbieter Nexen; Bridgestone wird nach Medienberichten zum 1. September folgen.

Nach Auskunft des BRV ist eine Gemengelage aus mehreren ungünstigen Trends für die Preisrallye verantwortlich. So steigen die Rohstoffkosten für Naturkautschuk kontinuierlich an. Er ist eines der wichtigsten Materialien bei der Reifenherstellung vor allem für Nutzfahrzeuge, aber auch für Pkw-Winterreifen. Der Mittelwert für das erste Halbjahr 2021 lag 57 Prozent über dem Vorjahreswert, Tendenz weiter steigend. Und durch die aktuellen Ölpreiserhöhungen verteuern sich auch die auf petrochemischer Basis hergestellten synthetischen Kautschuke. Der Preis von Synthesekautschuk lag am Ende des ersten Halbjahres 66 Prozent über dem Mittelwert 2020.

Transportkosten haben sich mehr als verdreifacht

Für die Reifenherstellung braucht man natürlich auch Energie, und die wird ebenfalls immer teurer: Der Preis für elektrischen Strom hat sich beispielsweise zum 30. Juni um 154 Prozent gegenüber dem Vorjahresmittel erhöht. Und nicht zuletzt ist der globale Reifenmarkt von den steigenden Containerfrachtraten betroffen. Die durchschnittlichen Beförderungspreise pro Container haben sich im Juni 2021 um durchschnittlich 226 Prozent gegenüber dem Vorjahr erhöht, wobei der Aufschlag auf der entscheidenden Route von Ostasien nach Nordeuropa noch einmal deutlich höher liegen soll. Auch hier ist die Tendenz weiter steigend.

Die meisten Reifenhersteller beziffern den Zuschlag zwar nicht genau, doch ist mit einer einstelligen Prozentzahl zu rechnen – vorerst. Autohäuser und freie Werkstätten tun gut daran, ihren Bedarf für die Wintersaison frühzeitig zu ordern und für den Einkauf möglichst mehrere Quellen zu nutzen – neben dem eigenen Autohersteller und dem regionalen Großhandel gibt es dafür auch spezialisierte Internetportale.

Auch die Großhändler reichen die Preiserhöhung weiter

Stephan Helm, Vorsitzender des BRV, kündigt an, dass der Reifenhandel „die Preissteigerungen voll an den privaten wie auch gewerblichen Verbraucher weitergeben“ müsse. „Auch wenn der Reifenhandel im Vergleich zu anderen Branchen nicht so starke Rückgänge während der Corona-Pandemie verzeichnen musste, steht die Branche extrem im Wettbewerb. Preiserhöhungen können in der aktuellen Situation nicht mehr durch Margenverzicht aufgefangen werden“, erklärt der Verbandschef.

Rückfragen von »kfz-betrieb« bei wichtigen Reifengroßhändlern ergaben das gleiche Bild. „Der Handel hat wesentlich geringere Margen als die Hersteller. Die Preiserhöhung der Reifenhersteller betrifft alle unsere Wettbewerber gleichermaßen. Wir und auch unsere Wettbewerber sind nicht in der Lage, die Preiserhöhung der Hersteller durch Margenverzicht aufzufangen. Wir werden die Preissteigerungen daher an unsere Kunden weitergeben und gehen davon aus, dass dies branchenweit so erfolgen wird“, heißt es etwa bei der Pneuhage-Gruppe.

Auch beim Großhändler Tyroo sieht man in dieser Hinsicht keinen Spielraum: „Aufgrund der generellen Ertragssituation müssen diese Preiserhöhungen weitergegeben werden. Das sieht man auch teilweise jetzt schon in einzelnen Produktsegmenten“, teilte ein Sprecher des Unternehmens »kfz-betrieb« mit.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group