Neuzulassungen Im Juli erreichen die Auslieferungen einen weiteren Tiefststand

Von Andreas Grimm

Anbieter zum Thema

Neuwagen bleiben weiterhin Mangelware – der Vergleich mit der Vor-Corona-Zeit ist dramatisch. Doch während die Gründe derzeit noch in den Liefer- und Produktionsproblemen liegen, bahnt sich die nächste Krise bereits an.

Die Autozüge rollen, doch sie sind nicht besonders lang: Die Zahl der Neuzulassungen sinkt weiter – im Juli um gut ein Drittel im Vergleich zum Vorkrisenniveau von 2019.
Die Autozüge rollen, doch sie sind nicht besonders lang: Die Zahl der Neuzulassungen sinkt weiter – im Juli um gut ein Drittel im Vergleich zum Vorkrisenniveau von 2019.
(Bild: Grimm – »kfz-betrieb« )

Der deutsche Neuwagenmarkt bleibt zum Start ins zweite Halbjahr weiter stark rückläufig. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts vom Mittwoch kamen im Juli 2022 noch 205.911 Fahrzeuge neu auf die Straßen. Das waren 12,9 Prozent weniger als im bereits schwachen Vorjahresmonat. Im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 ist der Rückgang besonders dramatisch: Damals kamen noch 333.000 Neuwagen auf die Straße – das ist ein Absturz um 38,1 Prozent.

„Das zweite Halbjahr beginnt enttäuschend“, kommentierte Reinhard Zirpel, Präsident des Verbands der Importeure (VDIK), die Juli-Zahlen. Die Monatszahlen markieren sogar einen weiteren Tiefpunkt: Der Markt ist für einen Juli auf das niedrigste Niveau seit der deutschen Wiedervereinigung gesunken. „Aktuell reden wir im Automobilhandel über Mangelverwaltung. Dynamisches Geschäft ist wegen der fehlenden Fahrzeuge schon lange nicht mehr möglich“, konkretisiert Thomas Peckruhn, ZDK-Vizepräsident und Sprecher des Fabrikatshandels, die Analyse.

Das schwache Marktniveau zeigt sich auch in der Betrachtung der Zahlen für den gesamten Jahresverlauf. In den ersten sieben Monaten wurden 1,44 Millionen Neuwagen zugelassen. Das waren 11,3 Prozent weniger neue Pkw als im Vorjahreszeitraum – und sogar noch weniger als im gleichen Zeitraum des Corona-Startjahres 2020. Und im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 besteht im Jahresverlauf ein Absatzdefizit von 737.900 Einheiten (-34 %).

Noch ist der Markt von den bekannten und anhaltenden Lieferproblemen geprägt, die nach Ansicht des VDIK „nicht die wahre Nachfragesituation widerspiegeln“. Händler und Hersteller schieben weiterhin eine Welle an Aufträgen vor sich her, die nicht zur Auslieferung kommen, weil die Fahrzeuge nicht produziert werden können. „Die Kunden wollen mehr Autos kaufen als verfügbar sind“, sagte Zirpel.

Allerdings scheint sich das Blatt zu wenden. Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) sinkt der Auftragseingang inzwischen spürbar und anhaltend. Im Juli ging der Auftragseingang um 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zurück (Juni: -15 %; Mai: -1 %; April: -22 %). Erstmals in diesem Jahr ist der Auftragseingang damit unter den Wert des gleichen Zeitpunkts im Jahr 2021 gesunken (derzeit -1 %).

Mutmaßlich spielt für diese Kehrtwende eine Rolle, dass dem lange stabilen Privatmarkt langsam die Puste auszugehen scheint. Das Minus in diesem Vertriebssegment betrug im Juli nach VDIK-Angaben 13 Prozent – und liegt damit über dem Gesamtrückgang. Auch Peter Fuß von der Wirtschaftsberatung EY warnt inzwischen, dass eine Aufholjagd des Neuwagenmarktes zunehmend fraglich wird, da „Inflation und die drohende Rezession die Kaufbereitschaft dämpfen“. Die unklare Lage auf dem Energiemarkt verstärke diese Zurückhaltung. Insgesamt habe sich das für einen Neuwagenkauf wichtige konjunkturelle Umfeld stark verschlechtert.

BEV gehen weiter ab, PHEV mit Dämpfer

Dafür ist der Boom der batterieelektrischen Fahrzeuge zurück – zumindest hinsichtlich der Zulassungszahlen, da die jetzt zugelassenen E-Autos meist vor vielen Monaten geordert wurden. Nach Angaben des VDA kletterten die Neuzulassungen von rein batterieelektrischen Pkw (BEV) im Vergleich mit dem Vorjahresmonat um 13 Prozent nach oben. Dagegen wurden 21 Prozent weniger Plug-in-Hybride (PHEV) ausgeliefert. Unter dem Strich sanken die Elektrozulassungen (BEV und PHEV) damit zwar um 6 Prozent auf 52.600 Einheiten. Ihr Marktanteil an den Gesamtzulassungen liegt aber bei 25,5 Prozent. Im bisherigen Jahresverlauf liegt ihr Marktanteil bei 24,9 Prozent (BEV: 13 %).

„Bei den E-Autos sind die Zeiten des starken Wachstums vorerst vorbei“, erwartet Marktbeobachter Peter Fuß. Speziell bei den Plug-in-Hybriden seien die Auswirkungen der Diskussion um ein Auslaufen der staatlichen Förderung spürbar. Mit dem Ende des staatlichen Zuschusses für Plug-in-Hybride werde sich die Waagschale weiter zugunsten reiner Elektroautos senken, insbesondere da die Teilzeitstromer als Dienstwagen zunehmend unattraktiv werden.

Blickt man auf die einzelnen Marken, so weist die Statistik trotz des erheblichen Rückgangs weiterhin Gewinner aus. Tesla machte im Juli einen großen Sprung nach vorne (+142,1 %). Auch Land Rover (+62,2 %) und Dacia (+23,5 %) verbesserten ihre Marktposition deutlich. Stark zu kämpfen hatten dagegen die Japaner Mazda (-61,4 %) und Mitsubishi (-44,8 %), aber auch die Franzosen Renault (-43,1 %) und Peugeot (-21,7 %) oder Fiat (-30,6 %) und Ford (-29,5 %). Insgesamt konnte sich nur Porsche als deutsches Fabrikat gegen den Negativtrend stellen: Audi (-7,3 %), BMW (-15,4 %), Mercedes (-23,0 %), Opel (-12,1 %), Porsche (+5,0 %) und VW (-19,8 %).

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Rückgang am Nutzfahrzeugmarkt

Auch der Nutzfahrzeugmarkt verzeichnete im Juli mit rund 23.700 Neuzulassungen erneut ein deutliches Minus von 18 Prozent. In den ersten sieben Monaten 2022 wurden gut 174.000 Nutzfahrzeuge neu zugelassen – das entspricht einem Minus von 19 Prozent. Während die Neuzulassungen schwerer Nutzfahrzeuge nur knapp unter dem Vorjahresniveau lagen, ist bei den leichten Nutzfahrzeugen ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen.

(ID:48521090)