Porsche Im Raupen-356er durch die Antarktis

Autor Steffen Dominsky

2015 hat sich Renée Brinkerhoff ein ehrgeiziges Projekt in den Kopf gesetzt. Sie wollte mit einem alten Porsche an sechs Rennen/Rallyes auf sieben Kontinenten teilnehmen. Fünf hat sie bereits erfolgreich absolviert. Doch das letzte hat es in sich.

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Letzte und anspruchsvolle Etappe ihrer „Project 356 World Rally Tour“: Demnächst möchte Hobbyrennfahrerin Renée Brinkerhoff mit ihrem 65 Jahre alten 356er durch die Antarktis fahren.
Letzte und anspruchsvolle Etappe ihrer „Project 356 World Rally Tour“: Demnächst möchte Hobbyrennfahrerin Renée Brinkerhoff mit ihrem 65 Jahre alten 356er durch die Antarktis fahren.
(Bild: Porsche AG)

Ziemlich viele Mamas und Papas beziehungsweise Omas und Opas dürften sie kennen: die kleine Raupe Nimmersatt. Erfunden hat sie der Deutsch-Amerikaner Eric Carle. Seit 52 Jahren begeistert die Schmetterlingslarve mit ihren Abenteuern Kinder auf allen Kontinenten. Auch bei der US-Amerikanerin Renée Brinkerhoff stehen Abenteuer und Kinder im Mittelpunkt. Denn abgesehen davon, dass die 65-Jährige aus dem Bundesstaat Colorado selbst vierfache Mutter ist, engagiert sie sich gegen den weltweiten Kinderhandel, zum einen. Zum anderen entdeckte sie vor zehn Jahren ihre Liebe zum Porsche 356 und zugleich den Faible, diesen, entsprechend modifiziert, bei Straßenrennen und Rallyes einzusetzen. 2012 bis 2015 feierte Brinkerhoff nicht nur beachtliche Erfolge bei der berühmten Carrera Panamericana. Sie erfuhr dabei auch viel von der Armut Mexikos und der Not vieler Familien, diese durch den Verkauf ihrer Babys und Kinder zu lindern.

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Vor sechs Jahren gründete die Amerikanerin ihr eigenes Rennteam Valkyrie Racing („Walküre Racing“), dem sie ein entsprechendes Wohltätigkeitsprojekt angliederte. Gezielt nutzt sie in einer von Männern dominierten Oldtimerszene ihre mediale Aufmerksamkeit, um mit ihrem Rennengagement für Unterstützung und Unterstützer ihres Projekts zu werben. Dabei reifte im Kopf der Porsche-Pilotin irgendwann ein ehrgeiziges Unternehmen: die „Project 356 World Rally Tour“. Renée Brinkerhoff suchte sich sechs Rennen auf allen sieben Kontinenten aus, die sie als persönliche Herausforderung fahren wollte. Gleichzeitig sollte diese Aktion eine noch höhere Aufmerksamkeit für ihre neue Stiftung erregen.

Mit dem Auto durch die Antarktis

Den Start der Welt-Rallye-Tour markierte die 2017er-Auflage der Carrera Panamericana: Erneut siegte die Frau aus Colorado in ihrer Klasse. 2018 ging es für sie mit der Targa Tasmania in Australien weiter, worauf die Rally Caminos Del Inca auf bis zu 4.500 Meter Höhe in den Anden Südamerikas folgte. Im Folgejahr konnte sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, indem sie 36 Tage lang durch Asien und Europa fuhr – im Rahmen der Rallye von Peking nach Paris mit einer Strecke von 15.000 Kilometern. 2020 nahm Brinkerhoff dann an der East African Safari Classic Rally teil, während der es so viel regnete wie seit 40 Jahren nicht mehr.

Fest entschlossen, die Arbeit für ihre Stiftung Valkyrie (www.valkyriegives.org) fortzusetzen, plante die umtriebige Rennfahrerin die Einlösung des Versprechens, das sie im Namen der Project 356 World Rally Tour gegeben hatte: auch den letzten der sieben Kontinente zu erobern. Hier, anders als auf den anderen Kontinenten, würde sie allerdings keine jubelnde Menge erwarten. Stattdessen nur Schnee und Eis. Renée Brinkerhoff und Valkyrie Racing wollen da Rennen fahren, wo noch nie ein Rennwagen gefahren ist: quer durch die Antarktis. Genauer gesagt 356 Meilen (rund 573 Kilometer) unter widrigsten Bedingungen. Und zugleich möchte sie dabei auch noch einen Landgeschwindigkeitsrekord aufstellen.

Corona hat alles verzögert

Damit der betagte Porsche überhaupt auf Schnee und Eis bewegt werden kann, mussten seine vorderen Räder durch Skier und Schienen ersetzt werden. Ein massives Frontschild soll das Einsinken der Front in weichen Schnee verhindern. Gleichzeit dienen die Skier dazu, den Schnee derart zu verdichten, dass der Antrieb einen Untergrund erhält, auf dem er auch Grip aufbauen kann. Und der besteht statt aus einem typischen gummibereiften Rad aus einem kompakten Raupenantrieb. Organisiert und umgesetzt hat diesen Kieron Bradley, der selbst viel Expeditionserfahrung mitbringt. Er betreute als leitender Fahrwerksentwicklungsingenieur den ungewöhnlichen Umbau. Der umfasste zum einen die Modifikation um eine Einarmaufhängung mit Spiralfederung. Zum anderen kommt in den 65 Jahre alten Oldie statt dem serienmäßigen bzw. modifizierten Vierzylinder ein solcher aus dem Porsche 914 zum Einsatz.

Bedingt durch Corona hat sich der Start zum letzten Rennen der Tour um rund 18 Monate verschoben. Geplant ist nun, den speziell präparierten 356 mit dem Schiff von der Werkstatt in England nach Chile zu verbringen, von wo er auf dem Luftweg in die extreme Umgebung von Union Glacier in der Antarktis transportiert wird. Ende November wird sich dann auch das Team in Chile treffen, um die lang erwartete und ursprünglich für Ende 2020 geplante Reise anzutreten.

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