Russland Im rückläufigen Automarkt punkten die Chinesen und Skoda

Autor Andreas Grimm

Der Absturz des russischen Neuwagenmarkts ist ausgeblieben, die Verkäufe sanken trotz hoher Corona-Zahlen nur um ein Zehntel. Trotzdem ist der Markt im Umbruch, einige Fabrikate bauen ihren Absatz deutlich aus.

Auch Russland leidet unter der Corona-Pandemie. Der Neuwagenabsatz ist aber nicht so stark eingebrochen wie im restlichen Europa.
Auch Russland leidet unter der Corona-Pandemie. Der Neuwagenabsatz ist aber nicht so stark eingebrochen wie im restlichen Europa.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Der russische Automarkt hat die Corona-Krise bislang relativ gut überstanden. Während die Neuzulassungen in Europa im Jahr 2020 um etwa ein Viertel hinter dem 2019er-Wert zurückblieben, verkauften die Händler in Russland nur 9,1 Prozent weniger Neufahrzeuge, wie der Verband der Europäischen Unternehmen (AEB) in Moskau mitteilte. Im Gesamtjahr 2020 wurden 1.598.825 Einheiten neu zugelassen, im Jahr zuvor waren es 1,76 Millionen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge.

Im Jahresverlauf konnten einige Fabrikate den Absatz sogar erhöhen. Speziell die chinesischen Autobauer sind auf dem russischen Markt auf dem Vormarsch. So kletterten die Verkäufe von Chery um 80 Prozent (auf 11.452 Einheiten), Geely legte um 61 Prozent zu (15.3475 Neuzulassungen) und Haval kletterte um 41 Prozent (17.381 Neuzulassungen). Aber auch hierzulande kaum bekannte Fabrikate wie Changan (+153 %) und FAW (+77 %) verkauften, von geringen Stückzahlen kommend, deutlich mehr.

Prozentual am meisten zugelegt hat jedoch ein deutsches Fabrikat: Opel. Nachdem sich die Rüsselsheimer vor einigen Jahren vom russischen Markt zurückgezogen hatten, soll der Blitz unter PSA-Regie nun wieder einschlagen: 581 Neuzulassungen im Jahr 2020 ist die 45-fache Menge des Jahres 2019 – damals waren es freilich nur 13 Fahrzeuge. Aber auch BMW, auf Platz zehn der Zulassungsstatistik, steigerte den Absatz um 3 Prozent auf 42.700 Einheiten. Noch kräftiger legte der Absatz von Skoda zu: um 7 Prozent auf 94.600 Einheiten.

Russische Marken im Rückwärtsgang

Die heimischen Autobauer mussten dagegen Federn lassen. Marktführer Avtovaz-Lada verkaufte mit 343.500 Einheiten etwa 5 Prozent weniger als im Jahr zuvor – die nachfolgenden Fabrikate Kia, Hyundai und Renault verloren dagegen jeweils rund 10 Prozent. Punkten kann Avtovaz zudem mit der Marke Niva, ein früheres Joint Venture mit Chevrolet. Dieses vertrieb ein SUV, das den Namen des klassischen Geländewagens Lada Niva nutzte, und inzwischen von Avtovaz allein weitergeführt wird. Niva verkaufte 2020 knapp 9.000 Einheiten. Ein Jahr zuvor waren es 1.300.

Unter den heimischen Nutzfahrzeug-Herstellern verlor vor allem GAZ an Kundschaft. Der Absatz stürzte um ein Fünftel auf 51.200 Einheiten ab. Die Marke UAZ kam noch auf 36.500 Verkäufe (-6 %).

Angesichts des zuletzt fast stabilen Automarktes – im Dezember betrug der Absatzrückgang 2,1 Prozent – erwartet Thomas Stärtzel, Leiter des AEB-Ausschusses der Autohersteller und Russland-Chef von Porsche, für das laufende Jahr zumindest eine weitere Stabilisierung. Insgesamt rechnet er mit einem geringen Marktwachstum um 2 Prozent oder gut 30.000 Einheiten – vorausgesetzt es gibt keinen weiteren Lockdown oder neue Sanktionen gegen Russland.

Er erinnerte daran, dass das die positive Verkaufsentwicklung zwischen September und November vor allem externen Effekten zuzurechnen war: Währungsabwertung, Post-Lockdown-Effekte und erwartete Preiserhöhungen hatten die Nachfrage angekurbelt. Das Jahr 2020 sei „ein weiteres sehr herausforderndes Jahr für das russische Automobilgeschäft“ gewesen.

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