Fehlende Halbleiter Immer mehr Autohersteller melden Kurzarbeit an

Autor / Redakteur: dpa/cs / Christoph Seyerlein

Erst Daimler, dann VW und nun auch Audi: Ein Mangel an Chips wird für die Autoindustrie zunehmend zum Problem. Als Gegenmittel bleibt einigen aktuell offenbar nur der Griff zur Kurzarbeit.

Firmen zum Thema

Auch bei Audi in Neckarsulm wird es Kurzarbeit geben.
Auch bei Audi in Neckarsulm wird es Kurzarbeit geben.
(Bild: Audi)

Der Mangel an Elektronik-Chips trifft immer mehr Automobilhersteller. Nachdem am Mittwoch bereits Daimler für sein Werk in Rastatt und Volkswagen für sein Stammwerk in Wolfsburg entsprechende Maßnahmen angekündigt hatten, zog am Donnerstag Audi nach.

Die Ingolstädter schicken kommende Woche annähernd 10.000 Mitarbeiter in Ingolstadt und Neckarsulm in Kurzarbeit, weil Chips für die elektronische Steuerung fehlen. Schon im Dezember hatte VW Engpässe bei den Halbleitern gemeldet, „jetzt hat es auch uns ereilt“, sagte eine Audi-Sprecherin am Donnerstag.

In Neckarsulm ruht die Produktion der A4-Limousine und des A5-Cabrios ab kommendem Montag. In Ingolstadt stehen zwei Bänder, auf denen A4- und A5-Autos gebaut werden, ab Donnerstag nächster Woche. Geplant ist die Kurzarbeit für bis zu 10.200 Beschäftigte zunächst bis Ende Januar, so die Sprecherin.

Kurzarbeit auch im VW-Werk Emden

Kurz zuvor hatte bereits VW erklärt, auch im Werk Emden ab Montag Kurzarbeit zu fahren. Die Maßnahme ist demnach für zwei Wochen bis Ende Januar angelegt. Laut Betriebsrat sind rund 9.000 Beschäftigte betroffen. Das Unternehmen verwies darauf, dass an einigen Stellen die Arbeit aber regulär weiterlaufe – etwa im eigenen Presswerk oder bei der Neuausrichtung für den Bau von Elektrofahrzeugen.

Laut Betriebsrat könnten durch den Produktionsausfall in Emden an zehn Arbeitstagen rund 10.000 Neuwagen weniger das Band verlassen. Was das für die Jahresproduktion bedeute und der Ausfall wieder aufgeholt werden könne, sei noch nicht absehbar. Volkswagen prüfe fortlaufend Gegenmaßnahmen, um die Auswirkungen des Lieferengpasses und damit die Zahl der betroffenen Fahrzeuge zu begrenzen, hieß es in einer Mitteilung. „Dementsprechend fährt Emden weiterhin auf Sicht.“

Umschwenken von Chipfirmen im Frühjahr hat nun Folgen

Grund für die vorübergehende, teilweise Stilllegung bei den Autobauern ist ein Engpass bei Halbleiter-Bauteilen. Die Materialien stecken in zahlreichen Hightech-Produkten wie Mikrochips von Elektroniksystemen. Während des Auto-Absatzeinbruchs zu Beginn der Corona-Krise im Frühjahr 2020 stellten viele Chipfirmen ihre Produktion auf Unterhaltungselektronik um – im zuletzt wieder besser laufende Autogeschäft fehlen nun Teile.

Welche Auswirkungen der Halbleitermangel für den Handel hat, ist noch nicht absehbar. Klar ist, dass er die Liefersituation beeinträchtigen wird. Allerdings dürften viele Händler bei Bestellungen aktuell vorsichtig sein, da noch nicht klar ist, wann der Corona-Lockdown beendet wird und sie ihre Verkaufsräume wieder öffnen dürfen.

(ID:47069508)