Importeure boykottieren Diesel-Fonds weiter

VDIK-Präsident Zirpel: Staat in der Pflicht

| Autor: dpa

VDIK-Präsident Reinhard Zirpel sieht die Importeure bei der Suche nach Lösungen in der Abgas-Affäre nicht in der Pflicht.
VDIK-Präsident Reinhard Zirpel sieht die Importeure bei der Suche nach Lösungen in der Abgas-Affäre nicht in der Pflicht. (Bild: VDIK)

Trotz glänzender Geschäfte sind die Auto-Importeure weiterhin nicht bereit, sich an dem Umwelt-Fonds für bessere Luft in deutschen Städten zu beteiligen. Die Reduktion der Emissionen sei eine Aufgabe des Staates und nicht der Hersteller, sagte der Präsident des Importeurverbandes VDIK, Reinhard Zirpel, am Dienstag in Frankfurt. Die Maßnahmen müsste der Staat daher aus den Steuergeldern stemmen, die Fahrzeughalter und Unternehmen gezahlt haben. Die Problematik müsse zudem auf europäischer Ebene angegangen werden.

Die Importeure wenden sich damit endgültig gegen Forderungen des deutschen Branchenverbandes VDA, der noch eine Finanzierungslücke bei dem von den Autobauern geforderten Fonds-Beitrag von 250 Millionen Euro sieht. Nach Auffassung des VDA sollten die Importeure entsprechend ihres Diesel-Marktanteils ein gutes Drittel der Summe leisten. Den Großteil der Finanzlast für den Milliarden-Fonds trägt aber ohnehin der Bund mit 750 Millionen Euro. Mit dem Geld können besonders stark abgasbelastete Kommunen beispielsweise Elektro-Busse anschaffen.

Der geschäftsführende Bundesverkehrsminister Christian Schmidt kritisierte die Haltung der Importeure scharf. „Es ist in keiner Weise nachvollziehbar, dass die ausländischen Hersteller, deren Fahrzeuge auch auf deutschen Straßen unterwegs sind, ihre Verantwortung nicht erkennen“, sagte der CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. „Die Reduzierung von Emissionsbelastungen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“

Er habe „keinerlei Verständnis für die mangelnde Kooperationsbereitschaft“ der ausländischen Anbieter, deren Anteil in Deutschland bei 38 Prozent liege, so Schmidt weiter. Er erwarte von der gesamten Autoindustrie, dass sie ihren Beitrag leiste. „Das werden wir gegenüber den Herstellern deutlich machen.“

VDIK stellt zusätzliche Forderungen

Im VDIK sind die meisten großen ausländischen Hersteller mit aktuell 33 Marken organisiert. Der Verband hielt auch seine Forderungen aufrecht, der Staat solle den Ausbau der Lade-Infrastruktur für Elektro-Fahrzeuge beschleunigen und sich an einem Netz für Wasserstoff-Tankstellen beteiligen.

Nach Einschätzung des Verbandes wird der Marktanteil der Importeure in diesem Jahr auf den Rekordwert von 38 Prozent steigen. Der gesamte Absatz werde um 2,3 Prozent auf 3,43 Millionen Fahrzeuge steigen, während die Importeure 7 Prozent mehr Wagen verkauften.

Die Mitgliedsfirmen böten vorrangig Benzin-Modelle sowie die besonders von Privatleuten gefragten SUVs an. Auch im traditionell von einheimischen Herstellern beherrschten Flottenmarkt, dem Markt für Großkunden, sei man überdurchschnittlich gewachsen. Er erwarte auch im kommenden Jahr einen steigenden Absatz, sagte Zirpel. Einen Einbruch durch auslaufende Umweltprämien sehe er angesichts der stabilen Konjunktur und voller Auftragsbücher nicht.

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