Warnstreiks In der Autobranche droht ein ernster Tarifkonflikt

Autor / Redakteur: dpa/Doris Pfaff / Andreas Grimm

In der Automobilindustrie, aber auch in Teilen des Kfz-Gewerbes droht ein heißes Frühjahr. Die Tarifparteien stecken ihre Positionen ab. Im Südwesten haben die Arbeitgeber den Tarifvertrag für die Kfz-Betriebe gekündigt.

Firma zum Thema

In der Automobilindustrie kommt es in der aktuellen Tarifrunde zu ersten Warnstreiks.
In der Automobilindustrie kommt es in der aktuellen Tarifrunde zu ersten Warnstreiks.
(Bild: IG Metall)

Unmittelbar nach Ende der Friedenspflicht hat die IG Metall ihre Warnstreiks in der deutschen Metall- und Elektroindustrie begonnen. Kurz nach Mitternacht legten Beschäftigte beispielsweise im Bremer Mercedes-Werk, im Daimler-Werk in Berlin-Marienfelde oder bei Continental im rheinland-pfälzischen Rheinböllen die Arbeit kurzfristig nieder. Im Laufe des Tages sollen viele weitere Betriebe folgen, wie die Gewerkschaftsbezirke angekündigt haben.

Die Arbeitgeber hätten in den vergangenen Wochen nichts unversucht gelassen, um die Pandemie für ihre Interessen zu instrumentalisieren, kritisierte der Chef des Bezirks Mitte, Jörg Köhlinger. „Während die Arbeitgeber in der Pandemie mit Milliarden an Steuergeldern unterstützt werden, behaupten sie, dass es an die Beschäftigten nichts zu verteilen gibt“, sagte er. Diese Haltung werde man ganz sicher nicht hinnehmen.

Die Gewerkschaft fordert für die rund 3,8 Millionen Beschäftigten vier Prozent mehr Lohn – wo es in einem Betrieb schlecht läuft, in Form von Lohnausgleich bei einer auf vier Tage abgesenkten Arbeitszeit. Die Arbeitgeber haben bislang Lohnerhöhungen frühestens für das Jahr 2022 in Aussicht gestellt und wollen automatische Abweichungen vom Tarifniveau für schwächere Betriebe.

Kündigung der Tarifverträge im Kfz-Gewerbe

In diesem Jahr droht der Arbeitskampf allerdings nicht nur in der Industrie, auch im Kfz-Gewerbe stehen die Zeichen auf Sturm. In Baden-Württemberg sorgt die Kündigung von Tarifverträgen im Kfz-Gewerbe für heftige Kritik der IG Metall. Die Arbeitgeber hätten die Entgelttarifverträge für rund 55.000 Beschäftigte der Branche in Baden-Württemberg sowie Teile des Manteltarifvertrags zu Ende Mai gekündigt, ohne die Gewerkschaft vorab darüber zu informieren. „So gehen Sozial- und Verhandlungspartner nicht miteinander um“, sagte Roman Zitzelsberger, der IG-Metall-Bezirksleiter für den Südwesten, am Montag. Ein solches Vorgehen werde nicht ohne Widerstand bleiben.

Die Tarifgemeinschaft der Arbeitgeber wies die Kritik zurück. Das Kfz-Gewerbe habe mit dem größten wirtschaftlichen Einbruch seiner Geschichte zu kämpfen, hieß es. „Rund 20 Prozent Minus bei den Neuwagenzulassungen (Gesamtjahr 2020 im Vergleich zum Gesamtjahr 2019) und ein Rückgang des Neuwagenverkaufs im Januar um 60 Prozent und im Februar 2021 um 58 Prozent jeweils im Vergleich zum Vorjahresmonat laut einer aktuellen ZDK- Blitzumfrage unter mehr als 2.000 Betrieben. Teilweise sind noch weit höhere Auftragseinbrüche je nach Automarke und Betrieb zu verzeichnen", teilte Andres Göritz von der Tarifgemeinschaft mit.

Zudem habe das Kfz-Gewerbe anders als die Metallindustrie während des Lockdowns nicht durchproduzieren können. Ein verantwortungsvolles und seriöses Agieren setze voraus, dass sich die Sozialpartner gemeinsam aus der Krise herausarbeiteten. Man freue sich auf konstruktive Verhandlungen mit der IG Metall, so Göritz.

Das Kfz-Gewerbe Nordrhein-Westfalen und sein Tarifpartner Christliche Gewerkschaft Metall (CGM) haben sich dagegen kürzlich auf eine Lohnerhöhung geeinigt: Nach einer Nullrunde gibt es ab März 2,6 Prozent mehr Geld für Mitarbeiter in Autohäusern und Werkstätten.

In der Industrie hatten sich schon am Montag tausende Metaller an Protestaktionen beteiligt, die wegen der Corona-Pandemie mit großem Abstand erfolgen mussten. So kamen unter anderem Licht-Installationen und Fahrrad-Demos zum Einsatz. „Krisenbewältigung einseitig auf Kosten der Beschäftigten ist mit uns nicht zu machen“, sagte Jörg Hofmann, Vorstandschef der IG Metall.

Am Dienstag sind auch VW-Standorte betroffen. Grund ist, dass die parallel laufenden Haustarif-Gespräche zwischen den Gewerkschaften und dem Autokonzern stocken. Aktionen kündigte die IG Metall zum Beispiel für das Werk Braunschweig an. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall kritisierte die Warnstreiks als lange im Voraus geplante Aktionen, die nichts mit dem aktuellen Verhandlungsstand zu tun hätten.

(ID:47186766)