„E-Strategie von Renault ist konsistent“

IHS-Analyst Christoph Stürmer sieht gute Chancen

28.11.2011 | Autor: Das Interview führte Christoph Baeuchle

Redaktion: Renault verzichtet auf den Hybridantrieb und setzt stattdessen voll auf Elektroautos. Ist dies nicht gewagt?

Christoph Stürmer: Renault hat eine geschlossene und in sich konsistente Strategie. Andere Hersteller investieren mit ihrer sogenannten Fächerstrategie viel Geld und sorgen für große Verwirrung – im Unternehmen und bei Kunden. Das Rennen um alternative Technologien gewinnt der Hersteller, der als erstes am weitesten springt.

Aber bis sich Elektroautos durchsetzen, wird es noch eine Weile dauern.

Der Hybridantrieb spielt im Wesentlichen bei großen Autos eine Rolle. Bei günstigeren Fahrzeugen kann man sich nur einen Motor leisten. Ist man so preisaggressiv wie Renault unterwegs, muss man hart entscheiden: entweder Verbrennungsmotor oder Elektroantrieb. Renault hat sich konsequent entschieden.

Der französische Autobauer geht also den günstigeren Weg?

Renault will bereits in der ersten Produktgeneration einen positiven Payback erreichen und Geld verdienen. Ich bin von dem unternehmerischen Ansatz beeindruckt.

Was bedeutet die Strategie für die Rückkehr in die Oberklasse, die Renault für 2014 geplant hat?

Wenn man in diesem Segment einen alternativen Antrieb anbieten will, kommt man um einen Hybrid nicht herum.

Bis Mitte nächsten Jahres will Renault vier Elektroautos auf den Markt bringen – Kangoo, Twizy, Fluence und Zoe. Welches trägt zum Erfolg bei?

Der Kangoo mit Elektroantrieb ist ein absolut logisches Konzept. Ich sehe hier nicht nur gewerbliche Kunden, sondern auch interessierte Endverbraucher aus dem postmateriellen Milieu. Der Zoe ist hübsch, ihn kann ich mir als Zweitwagen vorstellen.

Und die beiden anderen Modelle?

Der Fluence ist kein Auto für den deutschen Markt, das kompakte Limousinen-Konzept entspricht eher dem französischen Geschmack. Das größte Risiko hat der Twizy. In den 50er Jahren gab es ja bereits Kabinenroller, daran werden sich die Kunden erst wieder gewöhnen müssen. Das braucht Zeit.

Im Gegensatz zu anderen Ländern unterstützt Deutschland den Kauf von Elektroautos nicht mit Subventionen. Welche Auswirkungen erwarten Sie für die Vorreiter?

Deutschland ist ein wichtiger Markt mit guter Kaufkraft. Zudem funktioniert hier die Konjunktur noch einigermaßen. Für die Umsetzung der Elektrostrategien ist es aber von großer Bedeutung, eher regional vorzugehen.

Was heißt dies?

Ein Elektroauto kann man nicht überall hinstellen. Es gibt zahlreiche deutsche Städte, die sich als „Grün“ definieren. Dazu zählen zum Beispiel Tübingen und Freiburg, aber auch Berlin und Bonn. Mit einer differenzierten Markteinführungsstrategie kann man hier auch ohne Subventionen erfolgreich sein.

Die nächsten Schritte in der Elektrostrategie von Renault und welche Rolle die Händler dabei spielen, erläutert »kfz-betrieb« in der Ausgabe 48 (Erscheinungstermin 1. Dezember 2011)

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