Geklautes Navi muss zum Neupreis ersetzt werden

Abzug neu für alt ist nicht statthaft

04.08.2010 | Autor: autorechtaktuell.de

Laut einem aktuellen Gerichtsurteil muss die Teilkaskoversicherung ein entwendetes Navigationsgerät zum Neupreis ersetzen. Der Kauf eines gebrauchten Ersatzgeräts ist dem Geschädigten „nicht zumutbar“. Auch ein Kostenabzug neu für alt ist nicht statthaft.
Laut einem aktuellen Gerichtsurteil muss die Teilkaskoversicherung ein entwendetes Navigationsgerät zum Neupreis ersetzen. Der Kauf eines gebrauchten Ersatzgeräts ist dem Geschädigten „nicht zumutbar“. Auch ein Kostenabzug neu für alt ist nicht statthaft.

Die Teilkaskoversicherung muss ein gestohlenes Navigationsgerät zum für die Wiederbeschaffung erforderlichen Neupreis ersetzen. Ein Kostenabzug neu für alt ist nicht statthaft. So hat das Amtsgericht (AG) Hannover in einem jetzt veröffentichten Urteil (Urteil vom 8.2.2010, AZ: 547 C 4343/09) entschieden.

Dem Rechtstreit lag folgender Sachverhalt zugrunde. Dem Kläger, der über ein Teilkaskoversicherung für seinen Mercedes E 220 CDI verfügte, wurde bei einem Einbruchdiebstahl das fest eingebaute Navigationsgerät entwendet. Die beklagte Versicherung ließ ein Gutachten erstellen, das für die Anschaffung eines neuen Navigationsgerätes einen Betrag von 3.192,73 Euro (inklusive Navigations-CD) ansetzte. Die beklagte Versicherung erstattete jedoch nur 800 Euro mit dem Hinweis darauf, dass ein vergleichbares Gebraucht-Gerät zu diesem Preis via Internet zu beschaffen sei.

Das Amtsgericht Hannover folgte dieser Argumentation nicht und sprach dem Kläger vollen Schadensersatz zu.

Auszug aus der Urteilsbegründung

Die Richter vertraten in ihrem Urteil die Ansicht, dass sich der Kläger auf ein solches Alternativangebot grundsätzlich nicht verweisen lassen müsse. Auch wenn im Internet vergleichbare Gebrauchtgeräte angeboten würden, sei jedoch fraglich, ob diese Geräte qualitativ einem Mercedes-Originalgerät entsprechen.

Zudem sei fraglich, ob das Gebrauchtgerät gegebenenfalls defekt sein könnte, da eine vorherige Inaugenscheinnahme nicht möglich sei. Überdies stelle sich die Frage, ob für die im Internet erworbenen Geräte dieselbe Garantie gilt wie beim Originalhersteller. Deshalb sei der Erwerb eines gebrauchten Ersatzgerätes für den Kläger im Ergebnis „nicht zumutbar“.

Auch ein Abzug neu für alt komme nicht in Betracht. Es sei nicht ersichtlich, dass der Kläger durch den Einbau des neuen Navigationsgerätes einen Vorteil erlangt habe, da das Navigationsgerät über keine technischen Neuerungen verfüge. Deshalb sprach das Gericht dem geschädigten Kläger die volle Kostenerstattung für den Kauf eines vergleichbaren Neugeräts in Höhe der vom Versicherungs-Gutachten bescheinigten 3.192,73 Euro zu.

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