Reparaturkosten: Kein Abzug für Unternehmergewinn

Auslastung im Anspruchsschreiben dokumentieren

15.07.2011 | Autor: autorechtaktuell.de

Wenn ein Geschädigter sein Fahrzeug in der eigenen Werkstatt reparieren lässt, Anspruch auf Ausgleich der gesamten Reparaturkosten einschließlich des „Unternehmergewinns“, sofern die Werkstatt während der fraglichen Zeit auch ohne diese Reparatur voll ausgelastet gewesen wäre. So entschied das Amtsgericht (AG) Schweinfurt mit einem Urteil vom 19.04.2011 (AZ: 3 C 1510/10).

Ausgehend von dem Grundsatz, dass sich der Geschädigte an einem Unfall nicht bereichern soll, ziehen Versicherer bei Reparaturen, bei denen der Geschädigte sein Fahrzeug auf Rechnung in der eigenen Werkstatt reparieren lässt, oftmals einen so genannten Unternehmergewinn ab, meist in Höhe von ungefähr 15 Prozent der Reparaturkosten.

Die Rechtsprechung fragt in einer solchen Konstellation schon seit Längerem, ob denn die Werkstatt auch ohne die erfolgte Eigenreparatur ausgelastet gewesen ist. Nur wenn dem nicht so ist, kommt eine Bereicherung des Geschädigten überhaupt in Betracht. Für die Praxis ist daher anzuraten, dem Anspruchsschreiben gleich eine Bestätigung über die Auslastung der Werkstatt beizufügen

Auszug aus der Urteilsbegründung:

Der Klägerin stehen die gesamten Raturkosten zu; ein Abzug von 10 Prozent ist im vorliegenden Fall nicht gerechtfertigt, denn die Klägerin hat nachgewiesen, dass die Werkstatt auch während der Reparaturzeit voll ausgelastet war. Dies hat der Zeuge […] bei seiner Einvernahme bestätigt. Er hat bekundet, dass die Werkstatt ausgelastet gewesen sei und insbesondere größere Reparaturen zeitlich nach hinten verschoben wurden. In einem solchen Fall kann aber der Geschädigte, auch wenn er sein Fahrzeug in der eigenen Werkstatt reparieren lässt, den vollen Ausgleich der Reparaturkosten ohne Abzug eines etwaigen Unternehmergewinnanteils verlangen.

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