Infiniti-Pläne - Offensive von oben

Autor / Redakteur: Benjamin Bessinger/SP-X / Jens Rehberg

Die noble Nissan-Tochter Infiniti will in Europa Fuß fassen. Die aktuellen Modelle sind nur eine Vorhut.

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Fulminante Hybrid-Studie: Der Infiniti „Essence“.
Fulminante Hybrid-Studie: Der Infiniti „Essence“.
( Archiv: Vogel Business Media )

Sie können den Vergleich mit Lexus bei Infiniti zwar schon so langsam nicht mehr hören, doch geht die noble Tochter von Nissan trotzdem weiter unbeirrt denselben Weg, den der Toyota-Ableger vorgezeichnet hat. Das gilt nicht nur für die Expansion nach Europa, sondern auch für das Produktportfolio. Nicht umsonst haben viele die fulminante Sportwagen-Studie „Essence“ bereits als Antwort auf den Lexus LFA verstanden.

Doch anders als der LFA steht der harmonisch gezeichnete Zweitürer von Infiniti wenn überhaupt, dann noch ganz am Anfang seiner Entwicklung. Denn eine Produktionsentscheidung ist noch nicht gefallen, sagt Pressesprecher Wayne Bruce. Allerdings wächst das Verlangen mit jedem Zwischenstopp, den die Studie bei ihrer Welttournee einlegt, berichtet der Infiniti-Manager: „Überall, wo wir das Auto zeigen, hören wir: Bitte baut es!“

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Das würden die Japaner zwar auch liebend gerne tun, und im Nissan GT-R gibt es auch eine technische Basis, die man durchaus für den Kraftakt im Smoking nutzen könnte. „Doch haben wir zur Zeit ein paar wichtigere Projekte auf der Agenda“, macht der Engländer voreilige Hoffnungen zunichte und schwenkt einmal mehr auf Lexus-Kurs. Denn wie die Toyota-Tochter will auch der Nissan-Ableger sein Programm nach unten erweitern. „Wir bringen in den nächsten Jahren gleich zwei Autos in der Kompaktklasse“, sagt Bruce und sagt damit nicht nur dem Lexus CT 200h, sondern auch Audi A3 und BMW Einser den Kampf an.

Verwechslungsgefahr ausgeschlossen

Wo Lexus mit Hybridantrieb punktet, setzt Infiniti allerdings auf die Elektrotechnik des Konzernbruders Nissan Leaf. Auf seiner Basis wollen die Japaner bis 2013 ihr eigenes Elektroauto entwickeln, bei dem aber jede Verwechslungsgefahr ausgeschlossen sei. Der Infiniti bekommt nicht nur mehr Leistung und ein anderes Fahrwerk, sondern auch ein völlig eigenes Design. Innen wie außen wird es keine Gleichteile geben.

Kurz danach wollen die Japaner auch ein konventionelles Auto in dieser Klasse anbieten. Unter der Haube sollen erstmals bei Infiniti dann auch Vierzylinder-Motoren eingesetzt werden, die das Unternehmen durch die Konzernkooperation mit Daimler von Mercedes übernimmt. Ob das neue Auto auch auf der Modularen Frontarchitektur-Plattform (MFA) für die nächste A- und B-Klasse konstruiert wird, sei dagegen noch offen, so Infiniti. Verhandlungen würden zwar geführt, doch könne Infiniti problemlos auch eine Bodengruppe der Konzernschwestern Nissan oder Renault nutzen.

In den Verkaufszahlen schlagen sich die Neuheiten der Japaner schon jetzt deutlich nieder. Nach etwa 130.000 Zulassungen im letzten Geschäftsjahr erwarten die Japaner für das laufende Geschäftsjahr ein Rekordergebnis von etwa 160.000 Verkäufen. Verantwortlich dafür zeichnet nicht nur die neue M-Serie, die gegen Mercedes E-Klasse & Co. fährt, sondern auch der Geländegigant QX56. Größer als der Mercedes GL oder der Audi Q7 wird der Wagen zwar nur in Amerika, Arabien und in China verkauft, ist aber dort so begehrt, dass es wochenlange Wartelisten gibt. Auch in Europa hat eine Handvoll Kunden Interesse, wird sich aber auf absehbare Zeit weiter auf dem grauen Markt bedienen müssen. Ein offizieller Import ist nicht geplant.

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Auch für Europa, wo die Japaner erst vor zwei Jahren angetreten sind und einen ausgesprochen schweren Start hatten, erwarten sie ein deutliches Wachstum - nicht nur, weil sie fast jede Woche einen neuen Händler eröffnen und so zum Jahresende auf 40 Betriebe kommen. Sondern vor allem wegen des neuen V6-Diesels und der M-Serie. „Damit haben wir die Marktabdeckung mit unseren Produkten glatt versiebenfacht“, sagt Wayne Bruce und hofft, dass das auch die Kunden merken.

Immerhin will er im ersten vollen Jahr des M, wenn auch der Hybrid am Start ist, allein davon 2.500 Autos in Europa verkaufen und damit den Absatz glatt verdoppeln. Gemessen an den wichtigsten Wettbewerbern ist das aber noch immer bescheiden, weiß auch Bruce: „Konkurrenten wie BMW schaffen das in weniger als einer Woche.“

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