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Infiniti zieht sich aus Westeuropa zurück

Autor: Christoph Baeuchle

Schon seit Jahren hat Infiniti große Probleme in Westeuropa. Die Versuche, sich zu etablieren, sind mehrmals gescheitert. Nun zieht sich die Marke komplett zurück. Für die Händler, die in den vergangenen Jahren investiert haben, ist das bitter.

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(Bild: Preckel)

Die japanische Premiummarke Infiniti zieht sich aus Westeuropa zurück. Im Frühjahr 2020 – laut Händlern zum Abschluss des japanischen Geschäftsjahres Ende März 2020 – will die Marke ihre Aktivitäten in Westeuropa einstellen. Damit nimmt der lang erwartete Restrukturierungsplan eine überraschende Wende.

Anfang des Jahres hatte es an der Infiniti-Spitze einen Wechsel gegeben: Roland Krüger, der seit 2015 für die Marke verantwortlich war, dankte ab. Seine Aufgaben übernahm Christian Meunier. Er will sich mit der Marke nun stärker auf die Wachstumsmärkte Nordamerika und China konzentrieren. Auf Osteuropa, Asien und den Nahen Osten habe der Restrukturierungsplan keine Auswirkungen. Diese Regionen weisen „ein kontinuierlichen Wachstum für das Unternehmen aus“, hieß es von Infiniti.

In Deutschland war zunächst niemand von Infiniti zu erreichen. Anscheinend war das deutsche Management selbst von dem Rückzug überrascht worden, zumindest was den Zeitpunkt angeht. Wie aus Händlerkreisen zu erfahren war, seien die Mitarbeiter in Brühl wohl erst heute über die Entwicklung informiert worden.

Das gilt auch für die Händler, die an diesem Dienstag ein Schreiben erhalten haben – auf Englisch. Allenfalls die wichtigsten Informationen sind darin zusammengefasst. Entsprechend sind viele Fragen offen. Äußern will sich kaum ein Infiniti-Partner.

Einer tut es trotzdem: „Das ist, wie wenn man eine Frau verliert“, fasst es Martin Huber, geschäftsführender Gesellschafter des Autohauses MKM Huber, zusammen. Da sei dann zunächst eine Leere und irgendwann später gehe es ums Geld. Letzteres dürfte erst in einigen Monaten der Fall sein.

Zunächst steht für Huber der Kunde im Fokus. „Entscheidend ist, dass wir nun professionell unseren Kunden gegenüber auftreten“, so Huber. Das gilt sowohl für die Kunden, die in den vergangenen Monaten ein Fahrzeug gekauft haben, als auch für die Kunden, die auf ein bestelltes Fahrzeug warten.

Die offiziellen Aussagen von Infiniti sind dürftig: Infinti werde gemeinsam mit den Händlern an einem Ausstieg aus dem aktuellen Franchise-Vertrag arbeiten und dabei die notwendige Unterstützung sowie Leistungen für einen reibungslosen Übergang bieten. Das Kundengeschäft werde so lange fortgesetzt, bis ein maßgeschneiderter Übergangsplan für den Kundenservice vorliege – einschließlich Fahrzeugservice, Wartung und Garantiereparaturen.

Huber ist einer der Händler, der in den vergangenen Jahren in die Marke investiert hat. Das gleiche gilt für die Möhler-Gruppe aus Bremen. Die Autohausgruppe Bernds eröffnete Anfang vergangenen Jahres in Oberhausen Europas größten Infiniti-Showroom.

Eigentlich wollte die japanische Marke ihr Netz ausbauen. 20 Händler, 8.000 Einheiten – so lautete der mittelfristige Plan. 2015 hatte Infiniti zum Angriff geblasen, wollte endlich in Europa ankommen. Der Q30 war für die Europäer entwickelt. Die „besondere A-Klasse“ – die Partnerschaft mit Mercedes ist deutlich – für den Kunden jenseits des Mainstreams, produziert im britischen Sunderland, wo auch die Infiniti-Mutter Nissan produziert. Hier schaffte Infiniti Kapazitäten für jährlich 60.000 Einheiten. Bereits Mitte des Jahres will Infiniti nun die Produktion in Sunderland einstellen.

Infiniti Q30: Der schwäbelnde Japaner
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In Deutschland erzielte Infiniti zu besten Zeiten im Jahr 2016 einen Absatz von rund 2.200 Neuwagen. Das blieb die Ausnahme. Im vergangenen Jahr waren die monatlichen Verkäufe meist im zweistelligen Bereich. Insgesamt verkaufte Infiniti 2018 in Deutschland noch rund 750 Autos.

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