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Innung Stuttgart will per Nachrüst-Initiative Fahrverbote vermeiden

Autor / Redakteur: Doris Pfaff / Andreas Grimm

Rund 20.000 Euro-5-Dieselfahrzeuge in Stuttgart droht ein Fahrverbot. Würde jedes zweite mit Reinigungssystemen nachgerüstet, würden die verbesserten Abgaswerte laut der Kfz-Innung Stuttgart die Fahrverbote überflüssig machen. Sie fordert nun ein Nachrüstungsprogramm.

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Damit die Abgase deutlich sauberer werden, sollen die Stuttgarter kräftig Denox-Systeme nachrüsten.
Damit die Abgase deutlich sauberer werden, sollen die Stuttgarter kräftig Denox-Systeme nachrüsten.
(Bild: Helge Jahn / UBA)

Die Kfz-Innung Region Stuttgart will mit einer ambitionierten Forderung die Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in Stuttgart überflüssig machen. Grundlage der Überlegungen ist eine starke Nachrüstung älterer Diesel-Pkw mit Denox-Anlagen. Würde die Hälfte der betroffenen 20.000 Dieselfahrzeuge in Stuttgart mit ihnen ausgestattet, würde ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge überflüssig, weil die Stickoxid-Belastung in der Stadt in der Folge sinkt. Aus dieser Überlegung heraus fordert die Kfz-Innung ein flächendeckendes Nachrüstprogramm.

Der Kreis der Zuschussberechtigten über eine staatliche Förderung müsse dafür auf alle Euro-5-Diesel bundesweit ausgeweitet werden: „Das darf nicht nur in gewissen Schwerpunktregionen gefördert werden“, sagte Innungsgeschäftsführer Christian Reher. Außerdem müssten auch Händler, die Euro-5-Pkw hätten, in die Förderung einbezogen werden. Parallel zu den Überlegungen der Innung hat sich die DUH für eine Verschärfung der Fahrverbote in Stuttgart ausgesprochen.

Großaufgebot für freie Fahrt: (v. re.) Obermeister Torsten Treiber, Regierungspräsident Wolfgang Reimer, Innungsgeschäftsführer Christian Reher sowie die Vertreter der Hersteller von Nachrüstsätzen Stefan Beinkämpen (Baumot), Lars Mothes (HJS) Hubert Mangold und Petra Haas (Oberland-Mangold) und Thomas Steinbrückner (Dr. Pley) (zum Vergrößern bitte klicken).
Großaufgebot für freie Fahrt: (v. re.) Obermeister Torsten Treiber, Regierungspräsident Wolfgang Reimer, Innungsgeschäftsführer Christian Reher sowie die Vertreter der Hersteller von Nachrüstsätzen Stefan Beinkämpen (Baumot), Lars Mothes (HJS) Hubert Mangold und Petra Haas (Oberland-Mangold) und Thomas Steinbrückner (Dr. Pley) (zum Vergrößern bitte klicken).
(Bild: Innung Stuttgart)

Unterstützung erhält die Innung von Regierungspräsident Wolfgang Reimer, der sich als „Nachrüstfan“ bei einer Regionaltagung der Innung am Dienstag in Filderstadt bekannte. Michael Ziegler, Präsident des Kfz-Landesverbands Baden-Württemberg, hatte zuvor auf der Jahrespressekonferenz in Stuttgart die aktuelle Situation kritisiert: „Die Rahmenbedingung, die Nachrüstungsförderung durch die Hersteller nur auf 15 Regionen zu beschränken, ist ein falscher Weg. Wir fordern ein staatlich gefördertes flächendeckendes Nachrüstprogramm.“

Vertreter der Hersteller von Nachrüstsystemen – Dr. Pley, Oberland-Mangold, HJS und Baumot – waren auf der Regionaltagung ebenfalls anwesend. Sie versicherten dem Regierungspräsidenten, dass sie lieferfähig sind. Sie wollen in den nächsten Wochen die Nachrüstangebote verstärkt. Bei entsprechender Nachfrage könnte die Luft in Stuttgart also tatsächlich sauberer werden.

Alle AU-Innungsbetriebe sollten nachrüsten

Insgesamt gibt es in der Region Stuttgart rund 145.000 Euro-5-Diesel-Pkw plus Handwerkerfahrzeuge: Derzeit sind in der Region Stuttgart zwölf Werkstätten plus selbstständige VW-Betriebe durch die Nachrüster direkt in die Lieferkette eingebunden. Obermeister Torsten Treiber von der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart und Innungsgeschäftsführer Christian Reher plädierten dafür, die Zahl der Einbaubetriebe möglichst rasch auf alle 800 Innungsbetriebe mit AU-Befähigung auszuweiten.

Das macht aus Sicht der Hersteller aber nur dann Sinn, wenn die Nachfrage in der Region tatsächlich in den fünf- oder gar sechsstelligen Bereich ansteigt. Rein rechnerisch wäre das drin: Die Autohersteller Mercedes und VW beteiligen sich mit Zuschüssen von bis zu 3.000 Euro an den Einbaukosten: Und deren Anteil an den Euro-5-Dieseln in der Region liegt bei über 70.000 Fahrzeugen.

Wolfgang Reimer erklärte, keine Dieselfahrverbote in Stuttgart zu wollen, aber er müsse sie nach dem Luftreinhalteplan anordnen, „wenn sich in den nächsten Monaten nicht abzeichnet, dass sich die Werte deutlich von 50 Richtung 40 Mikrogramm entwickeln.“ Dies gelänge aber nur, wenn die Nachrüstung greife, nicht nur in Stuttgart.

Garantiert freie Fahrt nach Nachrüstung

Eine Nachrüstung für Dieselfahrzeug helfe nicht nur, die Stickoxid-Belastung zu senken, sondern diene auch dem Werterhalt des Fahrzeugs, betonte Obermeister Treiber. Die Lebensdauer werde deutlich erhöht. Für Handwerksfahrzeuge seien sie gar entscheidend. Zwar sei die Nachrüstung hier teurer, aber auch mit 4.800 Euro höher gefördert. Dafür wäre eine dauerhaft freie Fahrt in Fahrverbotszonen dauerhaft und sicher, sicherte Regierungspräsident Reimer zu.

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Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik