Volkswagen Interne Konflikte „eine riesige Gefahr, abzustürzen“

Autor: Christoph Seyerlein

In der Führungsspitze bei Volkswagen ging es zuletzt mal wieder drunter und drüber. Mit Karlheinz Blessing gewährt nun der ehemalige VW-Personalvorstand Einblicke, wie man sich die internen Machtkämpfe in Wolfsburg vorzustellen hat.

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Bei Volkswagen gibt es aktuell auf höchster Ebene manche Ungereimtheiten.
Bei Volkswagen gibt es aktuell auf höchster Ebene manche Ungereimtheiten.
(Bild: Volkswagen)

Zuletzt ging es bei Volkswagen hoch her – mal wieder. Zeitweise wurde gemunkelt, Konzernchef Herbert Diess habe sich endgültig mit dem Aufsichtsrat überworfen und stehe vor der Ablösung. Bislang ist es nicht so gekommen. Mit VW-Elektro-Vorstand Thomas Ulbrich hat sich kürzlich allerdings ein anderer prominenter Name verabschiedet. Er war bei Weitem nicht der erste Topmanager, der in diesem Jahr abgesetzt wurde oder hingeworfen hat.

Für Außenstehende sind die Grabenkämpfe in Wolfsburg teilweise kaum nachvollziehbar, teilweise haben sie auch fast schon etwas Belustigendes. Dass es intern für manche kaum anders aussieht, deutete nun ein weiterer ehemaliger Konzern-Topmanager an.

Zwischen 2016 und 2018 war Karlheinz Blessing Volkswagens Personalvorstand. Nun meldete er sich beim Karrierenetzwerk Linkedin zur aktuellen Lage in Wolfsburg zu Wort. „Auch für interne Kenner bleibt ein Rest von Unerklärbarem“, kommentierte der 63-Jährige.

Verderben zu viele Köche den Brei?

Dass es bei Volkswagen derart regelmäßig Krach gebe wie zuletzt, sieht Blessing in der Konzernstruktur begründet. Es gibt kein Unternehmen dieser Größe mit einem solch starken Einfluss einer Familie. „Es gibt kein Unternehmen mit einem solch starken Einfluss der Politik. Und es gibt gleichzeitig kein Unternehmen mit einem solch starken Einfluss der Mitbestimmung (Betriebsrat). Hinzukommt noch ein reiner renditeorientierter Aktionär (Katar)“, schrieb der Ex-Vorstand. All jene Interessen auszutarieren, sei „unglaublich schwierig. Wenn dann noch „Alphamännchen“ hinzukommen, wird es noch spannender“, so Blessing weiter.

Nur eines wird es bei VW nicht geben: (Friedhofs)Ruhe!

Karlheinz Blessing

Nur negativ sieht der 63-Jährige jene Umstände zwar nicht. Die „Konflikte und Interessendivergenzen“ seien eine „Kraftquelle für Veränderungen“. Allerdings sieht Blessing in ihnen auch „eine riesige Gefahr, abzustürzen“. Bislang hätten es alle Beteiligten „ganz gut hinbekommen“, findet der ehemalige Personalchef. „Aber es ist keine Garantie, dass dies auch weiterhin gelingt“, glaubt Blessing.

Inzwischen hat Volkswagen-Chef Herbert Diess auf die Zeilen seines Ex-Vorstandskollegen reagiert. Er bezeichnete diese als „zutreffende Analyse“. Der Konzern sei deutlich komplexer als seine Wettbewerber, findet Diess. Es gebe viele Stakeholder mit gravierend unterschiedlichen Interessen und „hohe Zentrifugalkräfte“.

Diess kritisiert mangelhafte Zusammenarbeit zwischen einzelnen Marken

Über Jahrzehnte sei das Management auf internen Wettbewerb trainiert worden. „Das Ergebnis: Synergien werden (auch aufgrund der Historie) zu wenig genutzt, vielen fällt es bis heute manchmal schwer, zusammenzuarbeiten“, so Diess. Als teils problematisch kennzeichnete der 61-Jährige dabei die Verhältnisse zwischen Audi und Porsche, zwischen VW und Skoda und zwischen MAN und Scania. Nun sei „starke Führung“ gefragt, „um die fast unermesslichen Synergiepotenziale zu heben“, meint Diess. Zudem brauche es Schnelligkeit, um die Transformation zu bewältigen. Das Tempo bestimmten die neuen Wettbewerber.

Glaubt man Karlheinz Blessing, können interne wie externe Beobachter aber trotz der Bemühungen von Herbert Diess weitere Geschichten zu Machtkämpfen im Wolfsburger Großkonzern erwarten. Der Ex-Manager schloss seinen Linkedin-Kommentar mit den Worten: „Nur eines wird es bei VW nicht geben: (Friedhofs)Ruhe!“

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«