Internet für viele Autohäuser noch „Neuland“

Autor: Martin Achter

Nur ein gewisser Teil des Automobilhandels hat die Herausforderungen des Onlinevertriebs erkannt – ein großer Teil muss noch viel lernen. Das zeigt eine Studie unter Beteiligung des ZDK.

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Das Carcamp, die Konferenz für Social Media und Onlinemarketing im Automobilvertrieb, fand in diesem Jahr zum vierten Mal start.
Das Carcamp, die Konferenz für Social Media und Onlinemarketing im Automobilvertrieb, fand in diesem Jahr zum vierten Mal start.
(Foto: Achter)

Deutschlands Autohäuser stellen sich laut einer Studie zunehmend den Herausforderungen des Onlinevertriebs – haben aber auch noch Hausaufgaben zu erledigen. Deutlich mehr Betriebe als noch vor einem Jahr vertreten die Ansicht, dass Onlinemarketing künftig an Bedeutung gewinnen wird, wie aus einer Studie des Beratungsunternehmens BBE Automotive in Zusammenarbeit mit dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) hervorgeht. Demnach gehen 88 Prozent der Handelsunternehmen davon aus, dass Onlinemarketing in Zukunft wichtiger wird. Vor einem Jahr waren es noch 78 Prozent.

Die Untersuchung wurde anlässlich des ZDK-Carcamps in der vergangenen Woche in Mannheim vorgestellt. An der Umfrage beteiligten sich 154 Autohäuser.

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Der Studie zufolge steigen die Budgets der Autohäuser für das Onlinemarketing. Gleichzeitig verringerte sich der Anteil der Betriebe, die kein Geld für die Präsenz im Internet aufwenden, binnen Jahresfrist von 21 auf 14 Prozent.

Die wichtigsten Instrumente im Onlinemarketing sind für Autohäuser laut der Untersuchung Internetplattformen verschiedener Art wie Fahrzeugbörsen oder Werkstattportale. Neun von zehn Betrieben nutzen solche Portale. Auch die eigene Webseite behält für die Betriebe der Studie zufolge ihre hohe Bedeutung; trotzdem haben noch viele Unternehmen keine eigene Onlinepräsenz. Unter den Werkstätten sind beispielsweise noch rund sieben Prozent ohne Internetseite.

Webpräsenz zu oft ohne Interaktion

Ihre Internetseiten nutzen Autohäuser stärker als noch vor einem Jahr als direkten Kanal zur Interaktion mit dem Kunden: Auf 56 Prozent der Seiten können Kunden Werkstatttermine buchen, auf 45 Prozent Probefahrten vereinbaren. Ein Drittel der Internetseiten bietet Autohaltern laut Untersuchung jedoch noch immer keine Kontaktmöglichkeiten im Netz.

Mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Autohäuser sind auch in Onlinenetzwerken wie Facebook aktiv, weitere 16 Prozent planen deren künftigen Einsatz. Der Stellenwert von Social Media veränderte sich gegenüber dem Vorjahr damit kaum. Die meisten Betriebe verfolgen das Ziel, über derlei Onlinenetzwerke ihre Bekanntheit zu steigern und Kunden in der Region anzusprechen. Zwei Drittel verfolgen bei der Nutzung von Social Media jedoch keine feste Strategie.

Probleme nur erkannt, nicht gebannt

Studienleiter Stephan Jackowski von BBE Automotive folgert aus den Ergebnissen, dass die Kfz-Branche die digitalen Herausforderungen erkannt, aber noch nicht bewältigt hat: „Das Internet ist für viele Betriebe nach wie vor Neuland und nur partiell erobert.“ Zwar steige die Professionalität, das Onlinemarketing werde ausgereifter – sei jedoch nicht immer konsequent umgesetzt. Autohäuser könnten ihre Webseiten und Marketingkonzepte noch kundennäher gestalten.

Beim Carcamp im Mannheim tauschten sich rund 90 Vertreter von Autohäusern und Kfz-Werkstätten aus. Auch Studenten, Blogger und diverse Branchendienstleister waren vertreten. Themen waren unter anderem der Einsatz von Text-Messengern wie Whatsapp im Autohaus, die Nutzung von Fahrzeugvideos im Vertrieb oder der Nutzen des Suchmaschinen-Marketings. Das Carcamp fand in diesem Jahr zum vierten Mal statt. Das Besondere an der Veranstaltung ist, dass die Themenagenda am Veranstaltungstag durch die Teilnehmer selbst festgelegt wird.

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Über den Autor

 Martin Achter

Martin Achter

Ressortleiter Management & Handel / »kfz-betrieb«