Jaguar F-Type Project 7: Projekt Fahrspaß

Autor / Redakteur: sp-x / Christoph Seyerlein

Kritiker werfen dem Jaguar F-Type hin und wieder leichte Behäbigkeit vor. Mit dem „Project 7“ wollen die Briten ihrem Sportwagen diesen Makel endgültig austreiben.

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Der Jaguar F-Type Project 7 erinnert an die sieben Le Mans Siege.
Der Jaguar F-Type Project 7 erinnert an die sieben Le Mans Siege.
(Foto: Jaguar)

Jaguar schärft die Sinne seines F-Type und legt mit dem „Project 7“ eine radikale Fahrmaschine nach. Dass es sich bei der aufgemotzten Version um ein Liebhaberstück handeln muss, deuten schon Preis und Stückzahl an: 155.000 Euro kostet eine der 575-PS-Raubkatzen, maximal 250 werden gebaut. Alle Project 7 waren bereits ausverkauft, ehe die Briten überhaupt richtig mit der Entwicklung begonnen hat.

Die Ziffer 7 im Namen soll den hehren Anspruch des Flitzers andeuten. Erinnert die Zahl doch an Jaguars sieben Siege in Le Mans. So ist es auch kein Zufall, dass der Project 7 optische Anleihen am legendären Le-Mans-Rennwagen D-Type nimmt, der in den 50er Jahren allein drei Mal siegte: Die Windschutzscheibe wurde um fast zwölf Zentimeter gekürzt, die Seitenscheiben beschnitten und hinter dem Fahrersitz geht die Kopfstütze über in eine haifischflossenartige Hutze, die bis an den ausladenden Heckspoiler reicht. Dazu kommen vorne ein neuer Stoßfänger mit Frontsplitter und innen natürlich Schalensitze, in denen sich Fahrer und Beifahrer auf Wunsch mit Fünf-Punkt-Gurten verzurren können.

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Ein elektrisches Verdeck sucht man vergebens: Wer gleichermaßen Fingerfertigkeit und Geduld mitbringt, kann immerhin ein kleines Stoffmützchen, Jaguar nennt es Bimini-Verdeck, montieren, das aber nur bis gut 190 km/h zugelassen ist. Die knackt der Project 7 locker: Tempo 300 gibt Jaguar als elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit an. Von 0 auf 100 Stundenkilometer sprintet er in 3,9 Sekunden.

Doch die Vmax spielt eigentlich nur eine Nebenrolle. Weitaus wichtiger war den Ingenieuren die Fahrdynamik, die sie dank umfangreicher Umbauarbeiten am Vorderwagen deutlich geschärft haben. So wurde dem F-Type das bisschen Behäbigkeit, das Coupé und Cabrio hin und wieder an den Tag legen endgültig ausgetrieben – ohne dabei ein reines Rennstreckenfahrzeug zu entwickeln, wie Projektleiter Duncan Smith mehrfach betont.

Die Federn vorne wurden um achtzig Prozent gestrafft, die Lenksäule erheblich steifer ausgelegt und der negative Sturz der Vorderräder auf 1,5 Grad verdreifacht. Gleichzeitig haben die Techniker die Spreizung der adaptiven Dämpfer angepasst. Sie gleichen auf Tastendruck die Verhärtungsmaßnahmen wieder aus und sorgen trotz aller Sportlichkeit für erstaunlich viel Komfort.

Wer Komfort sucht, wird allerdings nicht zum Project 7 greifen. Darum schnell wieder den Sportmodus aktiviert und raus auf die kurvigen Landstraßen. Schon nach wenigen Metern wird uns klar: Wir sind auf der falschen Seite des Zauns. Denn während wir mit anständigem Landstraßentempo die sanften Hügel der Vulkaneifel erklimmen, liegt nur wenige Kilometer von uns das Mekka der Motorsportfans, der Nürburgring. Wie gerne würden wir den Jaguar über die Nordschleife jagen – wenngleich unsereins das wohl nicht mal ansatzweise in den 7 Minuten und 35 Sekunden schaffen würde, die der Project 7 ermöglicht. Damit ist er der schnellste bislang gebaute Jaguar.

Doch auch außerhalb der Rennstrecke kann der F-Type-Speedster beweisen, was in ihm steckt. Mit jeder Biegung wagen wir uns näher an den Grenzbereich heran, und der scheint jedes Mal ein Stückchen weiter zurück zu weichen. Während sich der um 45 Kilogramm gegenüber dem F-Type R Cabrio leichtere Sportler leichtfüßig und mit Verve in die Kurve wirft, krallen sich die Räder im Asphalt fest und lassen den Briten keinen Millimeter von der Ideallinie abweichen. Sind doch einmal kleine Korrekturen nötig, meistert sie die optimierte Lenkung bravourös und mit deutlich mehr Rückmeldung als bisher.

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Die gibt es übrigens auch vom Motor: Der auf 421 kW/575 PS gesteigerte Fünfliter-V8-Kompressor hat auch klanglich noch einmal zugelegt. Kernig schnurrend reagiert das direkt am Gas hängende Triebwerk auf Zehenspitzenbewegungen des rechten Fußes und vermag dank seiner nun 700 Newtonmeter Drehmoment (plus 20 Newtonmeter) und dem modifizierten Fahrwerk Kurven mit einem kecken Heckschwung zu verlassen. Auf der anschließenden Geraden entlocken hohe Drehzahlen dem Motor ein knatterndes Fauchen, das beim Verzögern in ein freches Frotzeln übergeht. Wem das zu viel ist, der kann auch im Dynamikmodus die vierflutige Abgasanlage etwas leiser drehen.

Der F-Type scheint zwar regelmäßig die Physik auszutricksen, aber auch er hat seine Grenzen. Dann hilft oft nur noch der beherzte Bremsschlag und die Karbon-Keramik-Stopper mit 398-Millimeter-Scheiben vorne laufen zu Hochtouren auf. Wenn es sein muss, bringen sie den 1.620 Kilogramm schweren Project 7 in Windeseile zum Stillstand. Das schafft übrigens auch der Tank: Wie schon bei den normalen F-Types fasst er nur 70 Liter. Die reichen bei einem versprochenen Normverbrauch von 10,9 Liter zwar für gut 640 Kilometer. In der Praxis wird man dem Tankwart aber deutlich öfter einen Besuch abstatten.

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