Suchen

Jaguar und Land Rover: Briten fahren die Krallen aus

Redakteur: Julia Mauritz

Nach einem miserablen Jahr 2009 will der Importeur 2010 wieder deutlich wachsen. Die Zutaten des Erfolgsrezepts sind neue Modelle, Erleichterungen für den Handel und zielgruppenspezifisches Marketing.

Der Jaguar springt zum Wohl der Fußgänger nicht mehr vom Kühlergrill, doch der Importeur will 2010 einen Satz nach vorne in den Neuzulassungen machen.
Der Jaguar springt zum Wohl der Fußgänger nicht mehr vom Kühlergrill, doch der Importeur will 2010 einen Satz nach vorne in den Neuzulassungen machen.
( Archiv: Vogel Business Media )

Deutschland ist eine Neidgesellschaft: Wer erfolgreich ist, stößt bei seinen Mitmenschen auf Missgunst, viel Geld verdienen gilt als unanständig, und es gehört sich nicht, wenn der Chef mit einem neuen Jaguar vorfährt, während seine Mitarbeiter kurzarbeiten. Genau das macht einer Luxusmarke das Leben schwer – insbesondere in Krisenzeiten.

So verwundert es nicht, dass sowohl Jaguar als auch Land Rover 2009 alles andere als erquickliche Neuzulassungszahlen vorzuweisen hatten. Die Jaguar-Verkäufe sackten um gut ein Viertel ab, Land Rover musste gar einen Rückgang von fast 30 Prozent verkraften. „2009 war ein Ausnahmejahr“, bringt Händlerverbandspräsident Hanns-Jörg Riehm-Peters das Ergebnis auf den Punkt.

Bankenwechsel sorgte für Wirbel

Zu den schwierigen Marktbedingungen gesellte sich die Loslösung vom Ford-Konzern und die Übernahme durch den indischen Mischkonzern Tata. Für viel Unruhe im Handel sorgte aber vor allem der damit einhergehende Wechsel der Herstellerbank von Ford Credit zur FGA Bank Germany – an der jeweils zu 50 Prozent die Fiat Bank und die Crédit Agricole beteiligt sind.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 10 Bildern

Das Problem: Die neue Herstellerbank erklärte sich nur bereit, die Einkaufsfinanzierung für Fahrzeuge mit Auslieferungsdatum nach dem Bankenwechsel zu übernehmen. Plötzlich standen viele Händler vor massiven Zahlungsschwierigkeiten. In einem Verhandlungsmarathon zwischen Bank, Hersteller und Händlerverband wurde schließlich Schadensbegrenzung betrieben.

Nur wenige Monate später, im September vergangenen Jahres, folgte dann ein Wechsel an der Spitze der Geschäftsführung von Jaguar und Land Rover Deutschland. Peter Modelhart trat die Nachfolge von Jeffrey Scott an.

15 Prozent Wachstum bei Land Rover

Für 2010 hat sich der Geschäftsführer von Jaguar und Land Rover Deutschland hohe Ziele gesteckt: „Wir wollen unser Ergebnis verbessern und die Händlerprofitabilität steigern“, unterstreicht Peter Modelhart. Dazu setzt er auf eine offensive Händler- und Vertriebspolitik.

Sein Plan sieht vor, die Jaguar-Verkaufszahlen in Deutschland um mindestens zehn Prozent zu steigern. Noch optimistischer schätzt Peter Modelhart die Chancen für Land Rover ein. Hier sollen die Neuzulassungen sogar um bis zu 15 Prozent steigen.

Vier Modelle überarbeitet

Um das zu erreichen, investiert der Importeur unter anderem kräftig in Werbung und Veranstaltungen. „Im vergangenen Jahr haben wir einen rigiden Sparkurs gefahren und unsere Werbeaktivitäten auf ein Minimum heruntergefahren. Das wird sich in diesem Jahr ändern“, verspricht Modelhart.

Mit der aktuellen Modellpalette sehen sich der Importeur und die Händler beider Fabrikate gut gerüstet. Land Rover hat erst im Herbst letzten Jahres vier seiner fünf Modelle überarbeitet und damit wohl genau den Kundengeschmack getroffen – der Hersteller verzeichnete im verkaufsschwachen Februar ein Wachstum von knapp 25 Prozent.

Nach Aussage einiger Händler trägt vor allem die Strategie des Importeurs, sich im Einstiegsbereich attraktiver und aggressiver aufzustellen, erste Früchte.

Neue Einstiegsversion des Freelanders

Das neue Land-Rover-Einstiegsmodell Freelander XE kostet in der Basisversion nur 25.900 Euro – über 5.000 Euro weniger als der ursprüngliche Einstiegspreis. Die radikale Preissenkung ist ein Zeichen dafür, dass der Importeur die Positionierung der Marke überdenkt und sich mit Land Rover wieder stärker an der automobilen Mittelklasse orientiert.

Die rund 15.000 Jaguar-X-Type-Bestandskunden spricht der Importeur mit einer preislich interessanten Einstiegsvariante des XF an: „Wir haben unser Motorenangebot um einen 3,0-Liter-Diesel mit 211 PS ergänzt und bieten den XF Edition ohne Abstriche bei der Ausstattung ab 44.600 Euro bzw. ab einer Leasingrate von 299 Euro an“, erzählt Peter Modelhart.

Geplant ist zudem, sowohl das Jaguar- als auch das Land-Rover-Modellangebot mittelfristig um neue Fahrzeuge zu erweitern. So denkt die Tata-Tochter über eine neue Generation von Leichtbaulimousinen, Sportwagen und Premium-SUVs nach, teilweise auch mit Hybrid- und Elektromotoren – im Business-Plan des Herstellers ist eine Milliarde Euro für die Entwicklung neuer Umwelttechnologien vorgesehen.

Den Anfang im Modellreigen macht bei Land Rover als sechste Linie der LRX. Der kompakte Premium-SUV wird voraussichtlich zum kommenden Jahreswechsel in die Schauräume der deutschen Händler rollen.

(ID:337604)