Umfrage Jeder vierte Autokunde ist offen für Wechsel zu chinesischer Marke

Autor: Andreas Grimm

MG, Lynk & Co, Aiways, Nio oder BAIC – chinesische Fabrikate formulieren immer deutlicher den Anspruch, den deutschen Automarkt aufzurollen. Sie stoßen auf jeden Fall auf ein zumindest interessiertes Publikum.

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In Europa angekommen: Neuwagen von MG bei der Verschiffung. EIn guter Teil der Deutschen kann sich den Kauf eines chinesischen Neuwagens vorstellen.
In Europa angekommen: Neuwagen von MG bei der Verschiffung. EIn guter Teil der Deutschen kann sich den Kauf eines chinesischen Neuwagens vorstellen.
(Bild: MG)

Mit dem Aufbau von Vertriebsstrukturen in Deutschland scheinen die chinesischen Hersteller hierzulande offene Türen bei den Kunden einzurennen. Wie die „Wirtschaftswoche“ unter Berufung auf die Ergebnisse einer beauftragten Studie von Yougov berichtet, können sich derzeit immerhin 27 Prozent der Deutschen den Kauf eines chinesischen Autos vorstellen.

Die Auswahl wächst derzeit deutlich. Bereits seit dem letzten Jahr ist die Elektromarke Aiways am Start, die auf die Zusammenarbeit mit klassischen Händlern verzichtet, sondern die Autos direkt oder über die Elektronikmarkt-Kette Euronics vertreibt. Neu an den Start gegangen sind zudem MG mit derzeit etwa 25 Partnern im Handel. Auch BAIC verfügt bereits über ein Händlernetz, dazu wollen in absehbarer Zeit Wey und Indimo starten. Im Nutzfahrzeugbereich ist Maxus gestartet. Dazu kommt die Geely-Tochter Lynk & Co, die mit ihrem „Mitgliedschaftsmodell“ (statt Autokauf) Erfolge hat.

Gleichwohl kommt für einen noch größeren Prozentsatz ein chinesisches Fahrzeug nicht in Frage. 33 Prozent schließen einen solchen Kauf kategorisch aus, weitere 25 Prozent äußern sich eher ablehnend. Deutlich aufgeschlossener für die Neuheiten aus Fernost sind die jüngeren Befragten, die ja auch gegenüber Nutzungsmodellen jenseits des Autokaufs aufgeschlossener sind. In der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen können sich 38 Prozent vorstellen, eine chinesische Marke zu kaufen. Die über 55-Jährigen zeigen sich immerhin noch zu 24 Prozent offen.

Ursache für das Interesse an den neuen Fabrikaten dürfte auch eine positive Wahrnehmung dieser Marken sein. Jeder dritte Befragte sieht chinesische Autos nicht per se qualitativ schlechter als deutsche Hersteller. Allerdings äußern sich speziell die Fahrer deutscher Fabrikate hinsichtlich der chinesischen Konkurrenz deutlich zurückhaltender. Entsprechend können sich diese Befragten seltener vorstellen, beim nächsten Kauf ein chinesisches Fabrikat zu wählen. Bei Importmarken, aber auch bei Ford ist die Wechselbereitschaft deutlich ausgeprägter.

Dass sich noch fast drei Viertel der Autofahrer einen Wechsel zu einem China-Fabrikat nicht vorstellen können, dürfte nicht zuletzt an deren fehlender Bekanntheit liegen. Laut der „Wirtschaftswoche“-Umfrage haben 69 Prozent der Deutschen noch nie etwas von den chinesischen Fabrikaten gehört. Am bekanntesten sind noch Geely (8 % haben davon schon einmal gehört), Nio (7 %) und MG (5 %).

VDIK ist offen für Mitglieder aus China

Gleichwohl geht der Verband der Importeure von Kraftfahrzeugen (VDIK) von einer steigenden Bedeutung der chinesischen Fabrikate aus und ist laut einem zweiten Bericht der „Wirtschaftswoche“ bereits mit potenziellen Verbandsmitgliedern im Gespräch wegen einer Verbandsmitgliedschaft. „Was wir jetzt erleben, hat andere Dimensionen“, begründete Verbandssprecher Peter Mair mit Blick auf frühere, gescheiterte Versuche des Markteintritts chinesischer Fabrikate die aktuellen Gespräche. Der Importeursverband werde „auf kurz oder lang auch chinesische Marken aufnehmen“.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Fachredakteur Management & Handel, Redaktion »kfz-betrieb«