Jetzt auch E – Skoda Octavia kommt mit vier Antriebsarten

Autor: Andreas Grimm

Der Octavia gilt dem Hersteller wie dem Handel als Herzensangelegenheit. Entsprechend wichtig ist die jetzt vorgestellte vierte Generation des noch immer in der Kompaktklasse geführten Modells. Von Anfang an ist der Octavia auch als Hybrid-Modell konzipiert.

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Skoda hat die vierte Generation des modernen Octavia vorgestellt.
Skoda hat die vierte Generation des modernen Octavia vorgestellt.
(Bild: Skoda)

Der Octavia ist ein Gradmesser für die Lage bei Skoda. Verkauft er sich schlecht, werden die Verantwortlichen fiebrig, stehen Neuerungen an, rast ihr Herz. Am Montagabend hat die Volkswagenkonzerntochter nun die Neuauflage des Modells in der Prager Nationalgalerie vorgestellt. Untermalt wurde die Weltpremiere von den Prager Philharmonikern mit einer eigens komponierten Octavia-Sinfonie. Zuvor hatten veröffentliche Skizzen und Videos nochmals die Erwartungen an das Kernmodell der Marke angeheizt, das in Deutschland für knapp jede dritte Neuzulassung verantwortlich ist. Bislang war der Octavia fast ein Selbstläufer – das soll er aus Sicht des Handels und des Herstellers auch gerne bleiben. Doch Aufwand und Gegenwind werden größer.

Das hat mit der Modellpolitik von Skoda selbst sowie der Kundennachfrage zu tun. SUV werden immer wichtiger, Kompakt- und Mittelklasse (je nachdem, wie man den Octavia nun einordnen mag) verlieren an Zuspruch, ebenso die Karosserieformen Kombi und Limousine. So gesehen müsste der Octavia auf der Verliererseite sein, ist er aber nur graduell. Per Ende Oktober wurde er hierzulande 47.640 Mal neu zugelassen. Das sind zwar 5,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, für das Ende eines Lebenszyklus ist das aber ein guter Wert. Weltweit sieht es schlechter aus, global beträgt der Absatzrückgang schon 9,6 Prozent.

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Allein schon wegen der hohen Absatzkonstanz liegt das Modell den deutschen Händlern am Herzen. Und auch weil sie mit dem Octavia im wahrsten Sinne des Wortes groß geworden sind. Das stetig verbesserte Fahrzeug verschaffte ihnen Zugang zu den Geschäftskunden, lange bevor der Superb noch ein paar Argumente drauflegte. Die Kehrseite ist, auch das ist zu hören, dass inzwischen das klassische Privatkundengeschäft mit dem Octavia immer weniger stattfindet.

Daran wird die vierte Generation nichts ändern, die mutmaßlich am Anfang des zweiten Quartals 2020 in den deutschen Handel kommt. Sie ist technisch nochmals aufgerüstet, nutzt die aktuelle Konzerntechnik, die in Kürze im Golf 8 in den Markt kommt, und macht dem VW Passat noch ein wenig mehr Konkurrenz als bislang. Über die Preise schweigt Skoda noch, doch wenn der klassische Businesskunde für das Modell bislang 40.000 bis 45.000 Euro ausgegeben hat, werden es künftig 5.000 Euro mehr sein, schätzt ein Händler. Nachdem die günstigste Variante derzeit bei 20.890 Euro startet (Limousine mit 1,0 Liter TSI), wird die 20.000-Euro-Grenze für den Octavia-Einstieg künftig wohl deutlich überschritten.

Stromschlag für die Skoda-Herzkammer

Spannend wird nicht zuletzt vor dem Hintergrund der angepassten Dienstwagenbesteuerung die Einführung des Octavia in verschiedenen Hybridvarianten. So werden die Benziner teilweise mit 48-Volt-Mild-Hybridtechnik ausgestattet („E-Tec-Varianten“), die dank Segelfunktion und Elektro-Schub den Verbrenner entlastet. Völlig neu ist die „echte“ Hybrid-Version, die konsequenterweise Octavia iV heißt. Sie entwickelt zusammen mit dem 1,4-TSI-Benzinmotor eine Systemleistung von 150 kW/204 PS. Die Lithium-Ionen-Hochspannungsbatterie hat eine Kapazität von 37 Ah, einen Energiegehalt von 13 kWh und ermöglicht eine elektrische Reichweite von bis zu 55 Kilometern im WLTP-Zyklus.

Spannend ist auch die Perspektive: Ein zweiter, stärkerer Plug-in-Hybrid soll später folgen und dann als RS-Modell zu den Händlern kommen. Damit überführt Skoda die erfolgreiche Emotionalisierung der Marke mit den RS-Derivaten in die Elektromobilität. Nähere Angaben zum Octavia iV RS machte der Autobauer aber noch nicht. Und für besonders preisbewusste (Business-)Kunden wird der Octavia G-Tec angesichts geringerer Kraftstoffkosten interessant werden. Das CNG-Modell bietet mit 17,7 Kilogramm Erdgas eine Reichweite von bis zu 523 Kilometern.

Abgesehen von den alternativen Antrieben sollen auch die klassischen Verbrenner auf die Emissionsbilanz von Skoda einzahlen. Die Benziner und Diesel aus dem Konzernregal stoßen laut Hersteller über die gesamte Octavia-Flotte gemessen 14 Prozent weniger CO2 aus, fünf Triebwerke bleiben unter der 100-Gramm-Grenze. Erhältlich ist der Octavia als Benziner zunächst mit 81 kW/110 PS aus einem 1,0-Liter-Dreizylinder oder den beiden Vierzylindern mit 110 kW/150 PS und 140 kW/190 PS. Für Dieselfahrer sind drei Zwei-Liter-Aggregate mit 85 kW/115 PS bis 147 kW/200 PS erhältlich. Der stärkste Selbstzünder fährt, wie der Top-Benziner, immer mit Allradantrieb vor.

Raumwunder wächst noch weiter

Äußerlich ist der neue Skoda Octavia um ein paar Zentimeter auf 4,70 Meter gewachsen. Trotzdem ist der Modellwechsel augenfällig. Dass die umstrittenen Doppelscheinwerfer verschwunden sind, sieht man auf den ersten Blick. Die Lichter (optional mit Matrix-LED-Technik) stecken nun unter einer einzigen schlanken Abdeckung und die reicht bis an den breiten Kühlergrill ran. Dazu kommen markante Falten im Blechkleid und ein Heck mit schlanken Rückleuchten und auffälligem Skoda-Schriftzug.

Innen hat er massiv an Platz zugelegt, eine Folge der technischen Basis, dem weiterentwickelten Modularen Querbaukasten (MQB). Darüber dürfen sich vor allem die Fondgäste freuen, die fast so kommod wie einer Oberklasse-Limousine sitzen. Der Octavia Kombi hat im Kofferraum Platz für bis zu 640 Liter Gepäck – 30 Liter mehr als bisher. Die Limousine legt um 10 auf 600 Liter zu. Als „Besser, geräumiger, sicherer, vernetzter denn je zuvor“ beschreibt Skoda den neuen Octavia.

Im Cockpit hält der Fahrer ein frisch gestaltetes Multifunktionslenkrad mit schicken Drehwalzen in den Händen und blickt auf zehn Zoll große, virtuelle Instrumente. Optional lassen sich – wie beim Golf 8 – nun auch beim Octavia alle relevanten Informationen in die Windschutzscheibe projizieren. Auch die Sliderfläche unter dem Zehn-Zoll-Infotainment-Touchscreen hat sich der Octavia bei seinem VW-Bruder abgeschaut. Per Fingerstreich lässt sich hier die Lautstärke regulieren oder auf der Landkarte zoomen.

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Aufgerüstet hat Skoda auch beim Thema Assistenzsysteme, der Octavia kann jetzt nicht nur den Abstand zum Vordermann einhalten, sondern auch die Spur. Und dank Kamera- und Navidaten bremst er zum Beispiel vor Kurven automatisch ab. Zusätzlich hilft das Auto beim Ausweichen mit einem Lenkimpuls, stoppt beim Linksabbiegen automatisch, wenn Gegenverkehr kommt oder warnt die Gäste beim Aussteigen, wenn sich von hinten Autos oder Radler nähern.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Fachredakteur Management & Handel, Redaktion »kfz-betrieb«