Jetzt auch Ganzjahresreifen von Pirelli

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Die Italiener nehmen das wachsende Marktsegment der Allwetterreifen ernst. Der Cinturato All Season startet seine Karriere gleich mit einem Testsieg.

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Aus dem Dunkel ans Licht: Pirellis erster Vollwert-Ganzjahresreifen für Europa.
Aus dem Dunkel ans Licht: Pirellis erster Vollwert-Ganzjahresreifen für Europa.
(Foto: Rosenow)

Das nennt man einen Einstand nach Maß: Bereits vor seiner Markteinführung stellte sich der neue Ganzjahresreifen Pirelli Cinturato All Season im vergangenen Herbst einem Vergleich der Zeitschrift „Auto Bild“ - und schlug die gesamte etablierte Konkurrenz. Für den italienischen Reifenhersteller, der vorher gar nicht in diesem Segment aktiv war, ist das ein beachtlicher Erfolg. Selbst die eigenen Manager waren davon überrascht, wie auf der Produktpräsentation Ende Januar im italienischen Taormina zu spüren war.

Eigentlich freuen sich weder Reifenhersteller noch die Kfz-Branche über Reifen, die nicht mehr jahreszeitlich gewechselt werden müssen. Aber der Trend geht eindeutig in diese Richtung: Um 16 Prozent soll das Marktsegment in Europa jedes Jahr wachsen, von vier auf neun Millionen Stück im Jahr 2018. Laut einer Umfrage von Pirelli würden 68 Prozent der Autofahrer lieber heute als morgen auf den Wechsel verzichten. Mit diesem Wunsch muss die Branche umgehen.

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Pirellis Entwicklungsziel war es, einen echten Allwetterreifen zu entwickeln – also keinen mühsam an den Sommerbetrieb angepassten Winterpneu. Tiefschneefahrten bei knackiger Kälte gehörten da weniger ins Anforderungsprofil als Sicherheit auf nassen Straßen. Die Testprofis der „Auto Bild“ attestierten dem italienischen Neuling zuverlässigen Grip und hervorragende Straßenlage auf Nässe und lobten die Sicherheit des Reifens bei Aquaplaning. Die Labelnote B für den Nassgrip bestätigt diese Ergebnisse.

Wintertauglich dank Schneeflockensymbol

Die Pressetestfahrten an den verschneiten Hängen des Ätna zeigten zudem, dass sich der Allwetterpneu auch auf schneebedeckten Straßen behaupten kann, wenn auch natürlich etwas Abstand zu echten Winterspezialisten bleibt. Für das wichtige Schneeflockensymbol auf der Seitenwand reichte es aber allemal.

Der Cinturato All Season ist bereits in ersten Größen auf dem Markt. Bis zum Jahresende soll das Programm auf 21 Dimensionen zwischen von 15 bis 17 Zoll ausgeweitet werden. Ungewöhnlich für die Reifenindustrie, dass Pirelli auch einen Preis genannt hat: 330 Euro soll ein Satz der Größe 205/55 R 16 kosten (ohne Steuern). Das sind etwa zehn Prozent mehr als für einen Satz Pirelli-Winterreifen.

Als würden die Mailänder den Stärken ihres Produkts nicht ganz trauen, haben sie ihm noch eine Neuheit mit auf den Weg gegeben: Der Cinturato All Season ist der erste Ganzjahresreifen auf den euroäischen Markt, der in einigen Dimensionen mit der sogenannten Seal-Inside-Technik ausgerüstet ist. Dabei handelt es sich um ein Sicherheitselement, das Reifenschäden verhindern soll.

Keine Panne: Erster Allwetterpneu mit Seal Inside

Auf der Innenseite des Reifens ist ein zähflüssiges Material aufgetragen, das bei einem Durchstich den Fremdkörper umschließt und beim Herausziehen den Stichkanal abdichtet. Im Idealfall merkt der Fahrer davon gar nichts, der Fülldruck bleibt erhalten, und gefährliche Fahrsituationen treten gar nicht erst auf. Der Reifen kann ohne Probleme weiterverwendet werden.

Das ist der Vorteil gegenüber einem Runflat, mit dem man nach dem Durchstich nur eine relativ kurze Strecke weiterfahren kann. Außerdem beeinflusst Seal Inside weder den Fahrkomfort noch den Rollwiderstand negativ. Die zusätzliche Masse soll etwa 300 Gramm betragen.

Alle Schäden kann freilich auch diese Technik nicht verhindern. Ist der Fremdkörper größer als vier Millimeter oder dringt er an der Schulter oder Flanke ein, kommt es zum Luftverlust. Trotzdem dürfte sich die Technik auf dem Markt etablieren – umso mehr, als mit Volkswagen der größte europäische Autohersteller auf sie setzt. Pirelli kalkuliert für die Seal-Inside-Technik einen Aufpreis von etwa zehn Prozent.

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