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Jubiläumstreffen: Manta-Parade am Timmendorfer Strand

| Autor: Steffen Dominsky

Vor einem halben Jahrhundert präsentierte der Autobauer sein erstes Sportcoupé. Am Timmendorfer Strand, wo einst das Modell der Presse erstmals vorgestellt wurde, tummelten sich nun erneut 40 Vertreter des Teufelsrochens auf vier Rädern.

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Inklusive Tagesgäste kamen mehr als 50 Opel Manta A zum Maritim Golfpark Ostsee.
Inklusive Tagesgäste kamen mehr als 50 Opel Manta A zum Maritim Golfpark Ostsee.
(Bild: Opel Automobile GmbH)

Am letzten Septemberwochenende versammelten sich 40 Opel Manta A nahe ihres natürlichen Habitats: Die klassischen Sportcoupés aus Rüsselsheim waren an die Ostsee gekommen, um gefeiert zu werden: 50 Jahre Manta! Und zwar genau an dem Ort, wo der Rüsselsheimer Hersteller damals seinen Teufelsrochen der Weltpresse vorgestellt hatte – am Timmendorfer Strand. Rund 400 Journalisten gaben vor einem halben Jahrhundert auf den Teststrecken „Maritim“ und „Schweiz“ tüchtig Gas.

Diese nach dem Veranstaltungshotel und der malerischen Holsteinischen Schweiz benannten Routen standen nun erneut im Mittelpunkt. Denn Organisator Manfred Henning, selbst Besitzer mehrerer Opel Manta A, hatte zur Beachparty an der Lübecker Bucht geladen. 38 Manta aus Privatbesitz und zwei Originale von Opel Classic rollten über die Teststrecken und zu den Originalschauplätzen der damaligen Weltpremiere.

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Ehrengast am Ostseestrand war der stilistische Vater des Manta A, George Gallion. Der Designer hatte für die Teilnehmer des Revivals eine Überraschung dabei: Eine Zeichnung aus eigener Feder, von der jeder ein Exemplar eines auf 50 Stück limitierten Sonderdrucks erhielt. Die Manta-Fahrer reisten fast alle auf eigener Achse an. Nur ein Teilnehmer brachte seinen Oldie per Trailer an die Ostsee, Organisator Manfred Henning: „Ich habe den schwarzen D.O.T. Turbo von Broadspeed mitgebracht. Dieses Fahrzeug gab es ausschließlich auf dem britischen Markt, und es wurden nur 28 gebaut. Weltweit sind noch sechs Fahrzeuge bekannt, teilweise in desolatem Zustand. Meiner war nur von 1975 bis 1978 auf der Straße und im Rallye-Einsatz. Danach war das Auto Jahrzehnte in einer Garage abgestellt. Seit dem Abschluss meiner Restaurierung 2015 präsentiert sich das Fahrzeug wieder im Neuwagenzustand.“

Manta-Liebhaber und ihre ganz besonderen Modelle

Apropos „neu“: Das Opel-Coupé von Jürgen Schwartz, Manta-Fan der ersten Stunde, trägt eine individuelle Lackierung, bei der ein stilisierter Manta auf der ansonsten schwarzen Motorhaube zu sehen ist. „Meinen ersten ebenfalls zitrusgelben Manta habe ich 1973 neu gekauft. Diesen hier habe ich 1980 genauso lackiert. Ich fahre das Auto seit nunmehr 40 Jahren“, schwärmt Schwartz. „Greenkeeper“ Torsten Hack erzählt: „Meinen Manta A GT/E habe ich vor ein paar Jahren sehr originalgetreu restauriert. Das Auto ist in Signalgrün einfach wunderschön. Diese Farbkombination würde heute kein Hersteller mehr anbieten.“ Und Sportfahrer Roland Barleben ist überzeugt: „Mein Steinmetz-Manta hat die typischen Verbreiterungen aus den Siebzigern und zeigt weitere klassische Tuningmerkmale. An meinem aufwendig restaurierten Auto sieht man deutlich, dass der Manta auch gerne für Motorsportzwecke eingesetzt wurde.“

Rückblende: An einem Samstagmorgen im Jahr 1969 bestieg George Gallion ein Flugzeug mit Ziel Paris. Der amerikanische Designer in Opel-Diensten hatte sich mit dem Team eines französischen Superstars verabredet, mit dem des Meeresforschers Jacques Cousteau. „Wir hatten uns für den Namen Manta entschieden. Tiernamen passten damals zum Zeitgeist. In den USA waren der Ford Mustang und die Corvette Stingray sehr erfolgreich. Ein solches Ponycar auf europäische Art war ja auch der Manta. Nun hatten wir noch zehn Tage Zeit, ein Emblem für unser Auto zu gestalten, doch wir fanden keine geeigneten Vorlagen dafür“, berichtet Gallion 51 Jahre nach seiner Paris-Mission.

Wie der Opel Manta zu seinem Namen kam

Also stieg Gallion in den Flieger und sichtete in der französischen Hauptstadt das Bildmaterial Cousteaus. Stundenlang. Bis endlich eine Einstellung zu sehen war, in der ein gigantischer Teufelsrochen von unten gegen den hellen Himmel gefilmt war. Bingo. Das war es. Ein Riesenfang. Der Opel Manta hatte seine Identität gefunden und bekam fortan ein entsprechendes verchromtes Emblem an die vorderen Kotflügel geschraubt. Das sportliche Coupé mit dem Teufelsrochen feierte im September 1970 Premiere. Die Vorstellung fand artgerecht an der Ostsee am Timmendorfer Strand statt. Für Opel war der Manta Neuland. „Das Auto, das wir Ihnen heute präsentieren, stempelt kein anderes Modell zum alten Eisen, sondern gesellt sich zu unserem bisherigen Programm als wirkungsvolle Ergänzung und zur Deckung eines neu entstandenen Bedarfs“, heißt es im Pressetext von damals.

Der Manta ist chic und sportlich und entspricht damit dem damaligen Zeitgeist: Attraktive, familientaugliche Coupés liegen voll im Trend. Individualismus ist gefragt, die formal eigenständige Linie des Manta kommt diesem Wunsch entgegen. Schon im ersten vollen Verkaufsjahr 1971 setzt Opel vom Manta 56.200 Einheiten allein in Deutschland ab. Insgesamt entstehen 498.553 Exemplare. Bodengruppe, Fahrwerk und Motoren teilt sich der Manta mit dem Schwestermodell Ascona. Ein neuer Vertreter der aktuellen Motorengeneration ist der 1,6-Liter-Vierzylinder mit 68 PS – in der S-Ausführung sogar mit 80 PS. Der leistungsstärkste Motor im Manta ist schließlich der 1,9-Liter-S-Vierzylinder mit 90 PS, bekannt aus dem Opel Rekord.

Den Einstieg in die Manta-Baureihe markiert ab 1972 die 1,2-Liter-Version mit 60 PS. Im November des gleichen Jahres ergänzt mit dem Manta Berlinetta eine luxuriös ausgestattete Variante das Modellprogramm. Sportlenkrad, heizbare Heckscheibe, Halogenscheinwerfer, elektrische Scheibenwaschanlage und Vinyldach gehören beim Berlinetta zum Serienumfang. Zahlreiche Sondermodelle erweitern das Portfolio in der fünfjährigen Bauzeit: „Holiday“, „Plus“, „Swinger“ und „Sommer-Bazar“ kombinieren gehobene Ausstattungsmerkmale mit einem niedrigen Preis.

1974 erscheint das Topmodell Manta GT/E, dessen 1,9-Liter-Einspritzmotor mit L-Jetronic von Bosch 105 PS leistet. Im Stil der Zeit verzichtet der Manta GT/E auf jeden Chromschmuck und setzt auf mattschwarzen Zierrat. Im April 1975, kurz vor dem Debüt des Manta B, erscheint das letzte Sondermodell: Der Manta „Black Magic“ basiert auf dem GT/E, ist ganz in schwarz lackiert und trägt rot-orange Zierstreifen auf den Flanken.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "bike & busines", "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group