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Kältemittel: Wie vertragen sich neu und alt?

Autor: Steffen Dominsky

Die „F-Gas-Verordnung“ der EU sorgt für eine Verknappung und Verteuerung von R134a. Immer öfter taucht daher die Frage auf, ob das neue Kältemittel R1234yf in alte Klimaanlagen darf. Experten sind sich nicht einig, dabei ist die Frage in einem EU-Gesetz geregelt. Das ist allerdings differenziert zu lesen.

Darf man R1234yf in Fahrzeuge füllen, die werksseitig mit R134a befüllt waren?
Darf man R1234yf in Fahrzeuge füllen, die werksseitig mit R134a befüllt waren?
(Bild: ©Karin & Uwe Annas - stock.adobe.com)

Die Situation der Kältemittel für Klimaanlagen ist seit Jahren verwirrend und wird nun um eine weitere Facette reicher. Erst bestand seit der Einführung von R1234yf – dem Kältemittel der Zukunft – die „Gefahr“, dass das alte Kältemittel in R1234yf -Klimaanlagen gefüllt wird – was allerdings technisch kaum bis kein Problem gewesen wäre, schließlich sind beide Stoffe technisch mehr als verwandt. Doch seit zwei Jahren stellt sich die Frage der Befüllung genau umgekehrt: Kann oder darf 1234yf in alte Klimaanlage – oder muss es sogar genutzt werden?

Über Nacht wurde R134a zum begehrten und damit teuren Gut. Der Preis des Fluorstoffs ging steil nach oben: Um mehrere Hundert Prozent hatte sich das Gas binnen weniger Monate verteuert. Ursache war und ist die sogenannte F-Gas-Verordnung der EU. Mit ihrer Hilfe möchte die EU bis 2030 den Ausstoß klimaschädlicher Fluorgase reduzieren. An sich ein löbliches Unterfangen. Doch die Art und Weise, wie Europa das Thema angeht, hat mehrere Haken. Sie führten zu besagter Verteuerung von R134a. Doch schlimmer wog in den Sommermonaten 2017 und 2018 eine ganz andere Tatsache: Preis hin oder her, etliche Firmen konnten Werkstätten schlicht kein R134a liefern oder nur mit Lieferzeiten von mehr als zehn Wochen.

Spätestens durch die Verknappung stellte sich ganz praktisch die Frage „Darf man das neue Kältemittel nicht auch in alte Autos füllen?“. Zwar ist R1234yf aktuell immer noch rund doppelt so teuer wie R134a. Doch diese Differenz ist irgendwann aufgezehrt. Und wenn’s nichts anderes gibt, spielt auch der Preis keine Rolle. Eine Antwort war schwierig zu bekommen: Wie bereits in den »kfz-betrieb«-Ausgaben 13/2018, 33-34/2018 und 13/2019 berichtet, sieht sich das KBA außer Stande, obige Frage zu beantworten. Deutschlands Sachverständigenorganisationen sind in der Sache gespalten, und sämtliche angefragten Fahrzeughersteller antworten unisono mit einem „Nein!“.

Dabei scheint die Frage „Darf man?“ bereits beantwortet zu sein, nur hat es kaum jemand mitbekommen. Nach Recherchen von »kfz-betrieb« hat der europäische Gesetzgeber entsprechende Festlegungen getroffen. Doch die vermeintliche Klarheit sorgt wieder für Verwirrung, unterscheidet sie doch fein zwischen der „Nachfüllung“ eines Klimaanlagensystems und seiner „Befüllung“. De jure könnte diese Feinheit durchaus Konsequenz für Kfz-Betriebe haben. Eine Analyse der Situation lesen Sie in »kfz-betrieb«-Ausgabe 33-34, die am 16. August erscheint, oder als registrierter Abonnent bereits einen Tag früher unter www.kfz-betrieb.de.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group