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Karpinski: „Wir erwarten eine konjunkturelle Delle“

Autor: Doris Pfaff

Mit einem neuen Rekord hat das hessische Kfz-Gewerbe das vergangene Jahr abgeschlossen. Um fast neun Prozent auf 23 Milliarden Euro legte der Umsatz zu. Die Rendite ist jedoch nur minimal gestiegen und liegt deutlich hinter den Erwartungen zurück.

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Von links: Geschäftsführer Joachim Kuhn, Präsident Jürgen Karpinski, Vizepräsident Michael Kraft und Pressesprecher Roger Seidl vom Kfz-Gewerbe Hessen legten in Frankfurt die Bilanz für 2019 vor.
Von links: Geschäftsführer Joachim Kuhn, Präsident Jürgen Karpinski, Vizepräsident Michael Kraft und Pressesprecher Roger Seidl vom Kfz-Gewerbe Hessen legten in Frankfurt die Bilanz für 2019 vor.
(Bild: Pfaff/»kfz-betrieb«)

Trotz Rekordeinnahmen und -verkäufen von Neuwagen im Jahr 2019 blickt das hessische Kraftfahrzeuggewerbe nicht sorgenfrei auf das laufende Jahr. Zwar verzeichnete die Branche einen Umsatzrekord, doch die Erwartungen betrachtet Jürgen Karpinski, Präsident des hessischen Kfz-Landesverbands, eher nüchtern. „Wir erwarten eine konjunkturelle Delle. Der Jahresstart mit einem Minus von 10,9 Prozent bei den Pkw-Neuzulassungen im Januar lässt dies befürchten“, sagte Karpinski am Freitag bei der Vorstellung der Zahlen des Jahres 2019 in Frankfurt.

Insgesamt setzte das hessische Kfz-Gewerbe im vergangenen Jahr rund 23 Milliarden Euro um. Laut Karpinski wurden etwa 940.000 (Vorjahr: 918.000) Pkws, davon 389.000 Neuwagen, in Hessen verkauft. Vor allem im gewerblichen Bereich lief der Verkauf von Fahrzeugen gut. An Privatkunden seien im Vergleich zum Vorjahr rund 6.000 neue Pkws mehr verkauft worden. Hauptgrund für den Zuwachs bei den gewerblichen Neuzulassungen sei, dass Händler sich zum Jahresende wegen der Verschärfung der CO2-Flottengrenzwerte gedrängt fühlten, viele Tageszulassungen vorzunehmen, so Karpinski.

Insofern schleppe der Handel einen Teil dieses „taktischen Wachstums“ als zusätzliche Last mit in das neue Jahr. Der Umsatz im Neuwagengeschäft stieg um 9,1 Prozent auf acht Milliarden Euro. Das aber vor allem deshalb, weil der durchschnittliche Neuwagenpreis auf 33.990 Euro (Vorjahr: 31.270) angestiegen ist. Auch gebrauchte Autos waren im vergangenen Jahr teurer und bescherten dem hessischen Kfz-Gewerbe einen Erlös von 6,8 Milliarden Euro. Die Gebrauchtwagenbilanz werde spürbar getrübt durch den Verlust des Marktanteils im markengebundenen Handel. Dennoch habe der Fachhandel seine Marktposition um einen Prozentpunkt auf 67 Prozent ausgebaut. Der Gewinner im Gebrauchtwagenmarkt sei der reine Gebrauchtwagenhandel, der 120.523 (Vorjahr: 88.308) Fahrzeuge verkauft habe.

Unterm Strich sei das Kaufinteresse im Autojahr 2019 sehr hoch gewesen, trotz der negativen Stimmung gegenüber der Automobilbranche. Zum Thema Elektromobilität: Knapp 96 Prozent aller Neuzulassungen und Besitzumschreibungen sind laut Landesverband Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren gewesen. Der Anteil der elektrisch angetriebenen Autos betrug nur 0,6 Prozent.

2020 als Schlüsseljahr der E-Mobilität

2020 werde sich das ändern und das Jahr zum „Schlüsseljahr für die Elektromobilität“ werden, so Karpinski. Das sei politisch gewollt. Aufgrund der CO2-Grenzwertregelungen drohten ansonsten Strafzahlungen in Milliardenhöhe. Nach dem Motto „koste es, was es wolle“ mache die Politik Druck und schiebe die E-Mobilität an, so Karpinski. Das gehe an den Kunden jedoch vorbei, wie auch die Zahlen im vergangenen Jahr gezeigt hätten. Anreize zum Kauf durch Prämien allein reichten nicht. Zu problematisch sei immer noch die fehlende Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, insbesondere auch in ländlichen Regionen.

Mit seiner Kritik wollte Karpinski nicht missverstanden werden. Die Branche wolle die E-Mobilität unterstützen und die klimafreundliche Mobilität voranbringen. Aber: „Dafür ist es unabdingbar, dass uns der Zugang zu den E-Fördertöpfen nicht verwehrt wird“, betonte Karpinski. Er wiederholte die Forderung des ZDK an die Politik, die Händler nicht auf den Investitionskosten für die Ladesäulen sitzen zu lassen, während die Automobilhersteller mit „großzügigen Anreizen für den Vertrieb von Elektrofahrzeugen ausgestattet“ würden.

Die Branche halte es jedoch für falsch, allein auf Elektromotoren zu setzen, und plädiere für eine technologieoffene Mobilität: Neben den elektrischen Antrieben seien auch Brennstoffzellenantriebe unverzichtbar, um einen klimaneutralen Straßenverkehr zu ermöglichen. Karpinski forderte eine sachliche Klima- und Mobilitätsdebatte und das Ende von Fahrverboten. In vielen Städten habe sich außerdem die Luftqualität gebessert.

Deutlich mehr Auszubildende

Wieder einen Anstieg verzeichnete die hessische Kfz-Branche bei ihrem Ausbildungsmarkt. Entgegen dem bundesweiten Trend stieg die Zahl der Mechatroniker-Auszubildenden um 3,1 Prozent. Das hohe Niveau der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge bei den Automobilkaufleuten konnte ebenfalls gehalten werden.

Trotz der gedrückten Stimmung zum Jahresanfang und der besonderen Herausforderungen an die Branche, plane jedes zweite Autohaus, sein Umsatzniveau im laufenden Jahr zu halten oder zu steigern. Eine Umfrage in den Betrieben ergab, dass zumindest 50 Prozent mit gleichbleibenden oder steigenden Erlösen rechneten. Aber: 30 Prozent wagten keine Gewinnprognose für dieses Jahr.

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Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik