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Karpinski: „Wir sehen eine Trendwende beim Diesel“

| Autor: Christoph Baeuchle

Gute Aussichten beim Kfz-Gewerbe Hessen. Der Jahresstart weckt Hoffnung: auf eine Trendwende beim Diesel und auf einen guten Neuwagenabsatz 2019. Das könnte auch der Rendite helfen, die zuletzt deutlich schwächelte.

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Jürgen Karpinski, Präsident des Kfz-Gewerbes Hessen, äußerte sich zuversichtlich für das Jahr 2019.
Jürgen Karpinski, Präsident des Kfz-Gewerbes Hessen, äußerte sich zuversichtlich für das Jahr 2019.
(Bild: Michel / »kfz-betrieb«)

Das Kfz-Gewerbe Hessen ist stark ins neue Jahr gestartet und hofft den Schwung in die nächsten Monate mitnehmen zu können. Im Januar lag der Neuwagen Absatz zehn Prozent über dem Vorjahr. „Es wird sich zeigen ob es eine Eintagsfliege war oder dauerhaft Sonnenschein“, sagte Jürgen Karpinski, Präsident des Kfz-Gewerbes Hessen, bei der Jahrespressekonferenz des Landesverbandes in Wiesbaden.

Unterm Strich präsentiert sich das Kfz-Gewerbe Hessen zuversichtlich für die nächsten Monate. Im laufenden Jahr rechnet der Verband mit 375.000 Neuzulassungen und einem stabilen Verkaufsvolumen von 550.000 gebrauchten Pkw. „Zudem rechnen wir auch für 2019 mit einem starken Werkstattjahr“, ergänzte Michael Kraft, Vizepräsident beim Kfz-Gewerbe Hessen.

Im vergangenen Jahr verbuchten der Kfz-Markt in Hessen ein kleines Plus: Der Gesamtumsatz mit Neu- und Gebrauchtfahrzeugen bei Pkw und Nfz sowie Service betrug gut 21,1 Milliarden Euro (+2,1 %). Mehr als drei Viertel davon entfielen auf die hessischen Autohäuser und Werkstätten. Sie erzielten einen Umsatz von 15,6 Milliarden Euro (+0,8 %).

Dabei entwickelten sich die einzelnen Segmente im Kfz-Gewerbe unterschiedlich. Der Pkw-Neuwagenhandel mit knapp 7,3 Milliarden Euro (+0,8 %) lag leicht im Plus, wesentlich stärker legten der Service mit 2,3 Milliarden Euro (+4,7 %) und der Lkw-Handel mit 876 Millionen Euro (+5,1 %) zu. Einen Rückgang verbuchten die Händler bei Gebrauchten: Hier sanken die Erlöse um 1,5 Prozent auf fünf Milliarden Euro.

Rendite ist gesunken

Eine wesentliche Ursache dafür spielte die Debatten um Diesel, Emissionen und Fahrverbote. Sie sorgte für verunsicherte Kunden, die Kaufentscheidungen aufschoben, und sinkende Restwerte bei Dieselfahrzeugen. Karpinski verwies auf eine ZDK-Umfrage vom Dezember 2018: Demnach standen zum Jahresende noch rund 190.000 schwerverkäufliche Euro-5-Diesel im Wert von 2,9 Milliarden Euro auf den Händlerhöfen.

Diese werden die Händler nur mit hohen Nachlässen los. Ein Drittel gibt Nachlässe zwischen 20 und 30 Prozent, mehr als jeder Vierte (28 %) sogar über 30 Prozent. Dass dies sich auf die Gesamtrendite auswirkte dürfte kaum verwundern: „Besonders schmerzhaft ist für unsere Unternehmen die gesunkene Umsatzrendite“, bedauert Karpinski. „Nach 1,6 Prozent in 2017 beträgt sich nach vorläufigen Erhebungen nunmehr 1,2 Prozent.“ Weit entfernt von der vom Kfz-Gewerbe als notwendig erachtete Mindest-Umsatzrendite von drei Prozent.

Doch Karpinski ist davon überzeugt, dass es mit dem Selbstzünder wieder aufwärts geht. „Wir sehen eine Trendwende beim Diesel.“ Er glaube, dass die Verunsicherung bei den Kunden abnehme und das Vertrauen in den Diesel wiederkomme.

Hardware-Nachrüstung nimmt Form an

Dazu hat das Kfz-Gewerbe wesentlich beigetragen: Die seit Jahren kontinuierlich geforderte Hardware-Nachrüstung nimmt Form an. Im laufenden Jahr ist noch mit entsprechenden Lösungen zu rechnen, so dass in der zweiten Jahreshälfte mit der Nachrüstung begonnen werden könnte. Zudem versachlicht sich die Diskussion um Emissionen zusehends. Ein weiterer Verdienst von ZDK, Landesverbände und Innungen.

Währenddessen bereitet sich der Handel auf eine wachsende Zahl von E-Fahrzeugen vor, „insbesondere ab dem Jahr 2020“, ergänzte Kraft. Denn dann sei mit einer entsprechenden Angebotsvielfalt auf dem deutschen Markt zu rechnen. Dafür müssen die Händler investieren: in Aus- und Weiterbildung, Kundenberatung und Infrastruktur. Diverse Fabrikate haben zum Teil hohe Standards festgeschrieben. Damit nicht genug: Mit dem veränderten Fahrzeugangebot muss der Handel auch sein Geschäftsmodell anpassen und die dafür passenden Produkte und Dienstleistungen bieten.

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