KBA-Nachmessung: Dobrindt lässt zurückrufen

630.000 Fahrzeuge von fünf deutschen Herstellern betroffen

| Autor: dpa/jr/Jan Rosenow

Die Ergebnisse der KBA-Messungen: Alles nur Motorschutz?

Der Abschlussbericht der vom KBA durchgeführten Nachmessungen an rund 50 Dieselfahrzeugen macht deutlich, dass alle geprüften Hersteller Abschalteinrichtungen verwenden, dies allerdings durch die Bank mit dem Bauteilschutz bei niedrigen Außentemperaturen erklären. Konkret fahren sie dabei die Abgasrückführrate zurück, um auch bei Kälte eine stabile Verbrennung zu gewährleisten.

Das KBA kritisiert diese Maßnahmen: „Diese von der Außentemperatur abhängige Abgasminderungsstrategie reduziert die Wirksamkeit des Emissionskontrollsystems unter Bedingungen, die bei normalem Fahrzeugbetrieb zu erwarten sind.“

Keine Abschaltung durch Prüfstandserkennung bei anderen Herstellern

Das Amt hat ebenfalls die Fahrzeuge von VW untersucht, bei dem das Unternehmen eine illegale Prüfstandserkennung verwendet hat. Diese ließ sich durch die Versuche nachweisen – und ebenso, dass andere Hersteller diese konkrete Technik nicht verwenden, wie das KBA betont.

Bei insgesamt 22 der 53 untersuchten Fahrzeuge liegen die gemessenen Werte dennoch so hoch, dass das KBA die Abgasreinigungsstrategie der betroffenen Hersteller in Frage stellt. Einer dieser Fälle ist der Opel Insignia 2.0 Diesel mit Euro-6-Homologation. Obwohl das Auto mit einem leistungsfähigen SCR-Katalysator ausgestattet ist, überschritt es bei der NEFZ-Testfahrt auf der Straße den Grenzwert um mehr als das Fünffache. Die Testfahrten fanden bei niedrigen Temperaturen statt (6,6 bis 8,1 Grad Celsius).

Opel erklärte die hohen Werte damit, dass die Adblue-Einspritzung nur in einem Temperaturfenster von 20 bis 30 Grad Celsius – also dem für die Typprüfung vorgeschriebenen Werten – „mit höchstmöglicher Genauigkeit“ funktioniere. Unterhalb von 17 Grad werde jedoch die eingedüste Menge schrittweise zurückgefahren.

Ein anderer Autohersteller mit auffälligen Werten ist Fiat. Die Italiener haben sowohl bei der Kernmarke als auch bei Alfa Romeo und Jeep mit stark überhöhten Stickoxid-Emissionen zu kämpfen. Nach „zahlreichen Schäden im Feld“, wie es gegenüber dem KBA hieß, führte Fiat eine spezielle Abgasminderungsstrategie ein, die die AGR-Raten im innerstädtischen Zyklus zurücknimmt. Damit soll die thermische Überlastung des Partikelfilters vermieden werden. Der Hersteller hält dies für nötig, um Motor und Abgasstrang vor Beschädigungen zu schützen.

In den Gesprächen mit dem KBA haben sich auch ausländische Hersteller bereits dazu bekannt, die Abgastechnik ihrer Fahrzeuge durch technische Maßnahmen verbessern zu wollen, darunter Renault und Suzuki.

Bundesverkehrsminister Dobrindt hatte die Nachprüfungen nach dem Beginn der Abgas-Affäre bei VW angeordnet. Bereits bekannt war, dass es bei vielen Modellen deutlich erhöhte Abgaswerte gegeben hat. Die Ergebnisse der Untersuchungen blieben aber lange Zeit geheim. Die Fahrzeuge sind sowohl auf dem Rollenprüfstand getestet worden als auch unter realen Bedingungen auf der Straße.

Vorladung für Bosch

Wie „Spiegel Online“ unterdessen berichtet, hat Bosch die Motorsteuerungen, die eine Abschalteinrichtung für die Abgasreinigung enthalten, im großen Stil ausgeliefert. Demnach könnten sämtliche Steuergeräte für Pkw mit 1,6- bis 2,8-Liter-Motoren verschiedener Hersteller betroffen sein, die der aktuellen Emissionsnorm Euro 6 unterliegen. Bislang war im Zuge der Abgas-Affäre nur von Motoren der Euro-5-Norm die Rede gewesen. Es gehe um 60 Diesel-Pkw verschiedener Autobauer.

Diese Woche mussten Verantwortliche von Bosch demnach im Bundesverkehrsministerium zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Das Unternehmen schwieg am Freitag zu dem Bericht – „wegen sensibler rechtlicher Rahmenbedingungen.“

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