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Kein Abzug für Eigenersparnis bei voller Werkstatt

| Autor / Redakteur: autorechtaktuell.de / Andreas Wehner

Ein Betrieb muss keinen Eigenersparnisabzug vornehmen, wenn die eigene Werkstatt voll ausgelastet ist. Insbesondere muss ein Betrieb keine Fremdaufträge zurückstellen.

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(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Das Amtsgericht (AG) Castrop-Rauxel hat in seinem Urteil die ständige Rechtsprechung bestätigt, wonach ein Eigenersparnisabzug nicht vorzunehmen ist, wenn die betriebseigene Werkstatt voll ausgelastet ist. Insbesondere muss ein Betrieb keine Fremdaufträge zurückstellen, um das eigene Fahrzeug zu reparieren (Urteil vom 6.7.2018, AZ: 4 C 566/17).

Bemerkenswert ist das vorliegende Urteil zudem, weil nach Ansicht des AG Castrop-Rauxel die Beklagte beweispflichtig für eine mangelnde Auslastung der Werkstatt ist. Es schließt sich damit der Rechtsprechung des Landgerichts Heidelberg (Urteil vom 21.8.1990, AZ: 4 S 24/90) an.

Zum Hintergrund: Die Parteien stritten um restlichen Schadenersatz nach einem Verkehrsunfall. Dem Kläger, Inhaber eines Autohauses, gehörte das beim Unfall beschädigte Fahrzeug. Die Haftung der beklagten Haftpflichtversicherung stand dem Grunde nach außer Streit.

Der Kläger holte ein Sachverständigengutachten ein und rechnete zunächst auf Gutachtenbasis ab, da aufgrund einer hohen Auslastung der betriebseigenen Werkstatt eine zeitnahe Reparatur nicht möglich war. Auf die im Gutachten ausgewiesenen Reparaturkosten in Höhe von 1.368,36 Euro regulierte die Beklagte nur 1.127,99 Euro.

Nach erfolgter Reparatur reichte der Kläger die Reparaturrechnung in Höhe von gesamt 1.404,30 Euro bei der Beklagten ein, diese verweigerte eine weitergehende Regulierung und verwies insofern darauf, dass der Kläger einen Eigenersparnisabzug hätte vornehmen müssen.

Das Gericht gab dem Kläger vollumfänglich Recht und führt e aus, dass kein Eigenersparnisabzug vorzunehmen war. Die Werkstatt des Klägers war zum streitgegenständlichen Zeitpunkt nicht nur voll ausgelastet, sondern zeitweilig auch überbelegt, sodass einzelne Aufträge auf Folgetage verschoben werden mussten. Ein Eigenersparnisabzug gebietet sich nur, wenn die Werkstatt ausnahmsweise nicht voll ausgelastet war.

(ID:45421552)