Kfz-Ausbildungsmarkt Keine Erholung in Sicht

Redakteur: Nick Luhmann

Im Corona-Jahr 2020 sind im Kfz-Gewerbe rund 2.350 Ausbildungsverträge weniger als zuvor geschlossen worden. Die Aussichten für 2021 sind nicht besser – viele Betriebe sind für das digitale Recruiting offenbar nicht gut gerüstet.

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Die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker ist bei jungen Leuten seit vielen Jahren beliebt.
Die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker ist bei jungen Leuten seit vielen Jahren beliebt.
(Bild: Promotor)

Dieses Ergebnis lieferte eine Expertenbefragung auf der Jahrestagung der Initiative „Auto-Berufe“. Dazu hatten sich vergangene Woche Vertreter der Automobilhersteller, der Importeure, der Robert-Bosch-Stiftung, des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) und von dessen Landesverbänden zusammengeschaltet.

Im gewerblichen Bereich rechnen 74 Prozent der Experten mit einem Rückgang beziehungsweise einem gleichbleibenden Angebot an Ausbildungsplätzen gegenüber 2020. Lediglich 26 Prozent glauben, dass der Wert gesteigert werden kann. Bei den kaufmännischen Berufen sieht es ähnlich aus: 72 Prozent gehen von einer ähnlichen oder rückläufigen Entwicklung wie im vergangenen Jahr aus. Knapp 20 Prozent erwarten ein besseres Ergebnis.

Betriebe haben Probleme mit digitalem Bewerberverfahren

Fast zwei Drittel der Befragten meinen, dass die Personalverantwortlichen in den Ausbildungsbetrieben im digitalen Recruiting wie etwa in Bezug auf virtuelle Ausbildungsmessen und Vorstellungsgespräche sowie dem Einsatz von Social Media nicht besonders fit sind. Vor diesem Hintergrund sei die Initiative „Auto-Berufe – Mach Deinen Weg!“ mit ihren Maßnahmen, um Nachwuchsfachkräfte für die Branche zu gewinnen, insbesondere in diesen Krisenzeiten von entscheidender Bedeutung, betont der ZDK.

Um Ausbildungsbetriebe bei der Suche nach geeigneten Bewerbern und umgekehrt die potenziellen Automobilkaufleute und Kfz-Mechatroniker bei der Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz zu unterstützen, hat nun der ZDK gemeinsam mit dem Landesverband Hessen das Leuchtturmprojekt wasmitautos.com/betriebefinder online gestellt. Weitere Landesverbände sollen folgen. In Kürze werden Interessierte in Hamburg und Berlin sowie im Saarland Ausbildungsbetriebe in ihrem direkten Umfeld ganz leicht finden können.

Betriebefinder weist den Weg zu den Ausbildungsbetrieben

Der „Betriebefinder“ soll dem drohenden Mangel an Nachwuchsfachkräften entgegenwirken und die Ausbildungsbetriebe des Kfz-Gewerbes sichtbarer machen. Schüler, die sich für eine Ausbildung im Kfz-Gewerbe interessieren, können künftig gezielt per Betriebefinder nach Ausbildungsbetrieben in ihrem Umkreis Ausschau halten.

Über die Suche (Ort oder Postleitzahl) werden den Nutzern Ausbildungsbetriebe in ihrer Nähe mit Adresse und Kontaktdaten angezeigt. Gegebenenfalls wird direkt auf einen Ansprechpartner verwiesen, der im jeweiligen Unternehmen für die Ausbildung zuständig ist. Interessierte Schüler werden so von der Website wasmitautos.com direkt zu den Ausbildungsbetrieben weitergeleitet.

Neben dem Betriebefinder wurden auf der „AutoBerufe“-Jahrestagung weitere Serviceangebote zum digitalen Recruiting vorgestellt. Dazu gehören der Werkzeugkasten für Kfz-Betriebe, der Tipps und Hilfestellung für die Nachwuchsgewinnung vom Bewerbungsaufruf bis zum Onboarding gibt. Damit stellt sich das Kfz-Gewerbe als Ausbildungsbranche im Wettbewerb um die so dringend benötigten jungen Leute neu auf und unterstützt intensiv seine Innungsmitglieder.

Minus 10 Prozent weniger Azubis

Wie bedeutend das Thema ist, zeigt die Statistik des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Das Institut ermittelte zum 30. September 2020 11,9 Prozent weniger neue Ausbildungsverhältnisse bei den Kfz-Mechatronikern sowie 19,5 Prozent weniger bei den Automobilkaufleuten.

Bedingt durch die Coronakrise und die damit verbundenen Schwierigkeiten beim Erfassen der genauen Zahlen sind Abweichungen nicht auszuschließen. Bis zum Jahresende 2020 erwartete die Branche noch „Nachholeffekte“; sie rechnete mit insgesamt 2.350 weniger neuen Ausbildungsverhältnissen, also mit einem Minus von 10 Prozent gegenüber 2019.

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