„Keine glaubwürdigen Werkstatttests mehr“

Autor: Christoph Baeuchle

Der Grundstein für die ADAC-Werkstattkette ist gelegt. Nun trommelt der Club unter seinen 18 Millionen Mitgliedern für das Angebot. Welche Konsequenzen die Entwicklung für die Branche hat, erläutert ZDK-Hauptgeschäftsführer Axel Koblitz.

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ZDK-Hauptgeschäftsführer Axel Koblitz.
ZDK-Hauptgeschäftsführer Axel Koblitz.
(Foto: Promotor)

Auf dem Weg zur eigenen Werkstattkette hat der Verkehrsclub ADAC mit der Neueröffnung der Werkstatt in Goslar den nächsten Schritt gemacht. Im Einzug wirbt er nun unter seinen Mitglieder um neue Kunden für die Werkstatt. Jeder erhält zehn Prozent Rabatt. Welche Auswirkung der ADAC und seine Werkstattkette auf die Branche hat, erläutert ZDK-Hauptgeschäftsführer Axel Koblitz.

Redaktion: Der ADAC macht ernst: Die Hermann-Gruppe hat die erste ADAC-Werkstatt in Goslar gebaut. Der Club wirbt aggressiv unter seinen Mitgliedern für neuen Kunden. Was bedeutet dies für den Werkstattmarkt?

Axel Koblitz: Zunächst einmal nichts Neues. Auch im lokalen Umfeld der früher errichteten Pilotbetriebe hat der ADAC seine Mitglieder mit Sonderkonditionen umworben. Der Erfolg hat sich dem Vernehmen nach in Grenzen gehalten. Aber machen wir uns nichts vor: Zehn Prozent Rabatt sind schon ein Anreiz. Das kann sicher die eine oder andere Kundenentscheidung beeinflussen. Zufriedene Kunden werden freilich allein deswegen nicht der Werkstatt ihres Vertrauens den Laufpass geben. Zumal durchaus Zweifel bestehen, ob der rabattierte Preis im Vergleich wirklich so günstig ist. Schließlich müssen die ADAC-Betriebe kostspielige Auflagen erfüllen und eine Umsatzbeteiligung an den ADAC abführen.

Der ADAC selbst hat über 18 Millionen Mitglieder. Spielt er nun seine Macht aus?

Was der ADAC vor allem ausspielt, aber im Wettbewerb auf dem hart umkämpften Servicemarkt auch zunehmend aufs Spiel setzt, ist sein Samariter-Image. Wehe dem ADAC, wenn Tests ergeben sollten, dass seine Werkstätten nicht besser arbeiten als andere Kettenbetriebe. Im Übrigen bin ich davon überzeugt, dass es dem ADAC bei diesem Projekt erst in zweiter Linie um möglichst viele neue Kunden für die ADAC-Werkstätten geht.

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Was ist also der entscheidende Faktor?

In erster Linie geht es dem ADAC um möglichst viele neue Mitglieder. Zur Erinnerung: Die Werkstätten betreibt er ja nicht selbst, wenngleich er an ihrem Umsatz partizipiert. Die Mitgliedsbeiträge fließen dagegen vollständig in die Taschen des ADAC – im vergangenen Jahr über eine Milliarde Euro. Die Rabatte bei ADAC-Werkstätten sollen als weiterer geldwerter Vorteil die Attraktivität der Mitgliedschaft steigern. Bloß ist die Zahl solcher Betriebe derzeit noch zu gering, um damit flächendeckend werben zu können.

Wie reagiert der Verband?

Der ADAC verstößt gegen kein Gesetz. Es besteht deshalb keine rechtliche Handhabe gegen diese Aktivitäten. Zu Zeiten des seligen Rabattgesetzes hätte das noch anders ausgesehen. Wir werden den ADAC aber in unseren regelmäßig miteinander geführten Gesprächen eindringlich an sein Versprechen erinnern, kein flächendeckendes Werkstattnetz zu errichten. Und wir werden unserer Überzeugung Ausdruck verleihen, dass der ADAC angesichts seiner zunehmenden Aktivitäten auf dem Werkstattmarkt nicht mehr glaubwürdig andere Werkstätten – also seine Konkurrenten – testen kann, sondern nun seinerseits mit solchen Tests rechnen muss!

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Über den Autor

 Christoph Baeuchle

Christoph Baeuchle

Chefreporter Automobilwirtschaft & Politik/Verbände