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Keine Verweisung auf Pauschalpreis für Gutachten

| Autor / Redakteur: autorechtaktuell.de / Andreas Wehner

Ein Geschädigter muss sich nach einem Urteil des Amtsgerichts Coburg nicht auf einen Pauschalpreis für ein Gutachten verweisen lassen.

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(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Ein Geschädigter muss sich nach einem Urteil des Amtsgerichts (AG) Coburg nicht auf einen Pauschalpreis für ein Gutachten verweisen lassen (Urteil vom 18.07.2018, AZ: 14 C 595/18).

Zum Hintergrund: Die Parteien streiten um restliche Sachverständigenkosten für ein Unfallgutachten. Auf den Rechnungsbetrag in Höhe von 474,16 Euro brutto zahlte die Beklagte lediglich einen Teilbetrag von 280 Euro. Zur Begründung trägt die Beklagte vor, der Geschädigte sei darauf hingewiesen worden, dass ein Gutachter der Firma SV-Net ein Gutachten zum Festpreis von 280 Euro brutto inklusive Nebenkosten erstellen kann.

Das AG Coburg stellt klar, dass es dem Kläger freistand, einen eigenen Sachverständigen zu beauftragen und dass der Anspruch nicht auf 280 Euro begrenzt ist. Es führt hierzu wörtlich aus:

„Nach Überzeugung des Gerichts muss sich der Kläger von der Beklagten nicht auf einen Sachverständigen von SV-Net verweisen lassen.

Für das Gericht stellt sich schon die Frage, wie unabhängig die in SV-Net verbundenen Gutachter tatsächlich sind, wenn sie in Anschreiben der Beklagten genannt werden und dies auch künftig so geschehen soll, damit sie entsprechende Gutachtenaufträge in großer Zahl (vermeintlich) erhalten.

Insbesondere ist aber zu berücksichtigen, dass laut Internetauftritt der Sachverständigenseite die Auftragsbearbeitung dergestalt abläuft, dass der Kunde seine Auftragsdaten online einreicht, dem Auftrag ein Sachbearbeiter, welcher räumlich dem Auftragsort am nächsten ist, zugeordnet wird und dieser dann das Gutachten erstattet.

Dem Unfallgeschädigten ist es bei dieser Vorgehensweise daher völlig entzogen, welcher Sachverständige letztlich mit der Begutachtung beauftragt wird, er begibt sich vollständig in die Hände eines reinen Online Portals, ohne Einfluss auf die Auswahl des Gutachters oder persönlichen Kontakt zu haben.

Bei solchen Vorgehensweisen kann von einer freien Wahl des Gutachters nicht ansatzweise die Rede sein.“

Das Urteil in der Praxis

Das AG Coburg weist die Kürzungsstrategie der beklagten Haftpflichtversicherung zu Recht zurück, da diese gegen zahlreiche vom BGH aufgestellte schadenrechtliche Grundsätze verstößt.

Es wird darauf hingewiesen, dass ein Geschädigter weder gegen seine Schadenminderungspflicht verstößt, wenn er nicht einen günstigeren, vom Schädiger vorgeschlagenen Sachverständigen beauftragt. Der Geschädigte hat das Recht zur Wahl eines freien Gutachters seines Vertrauens.

Zudem ist es aus Sicht des Geschädigten überaus zweifelhaft, ob er von einem im Lager des Schädigers stehenden Sachverständigen tatsächlich ein unabhängiges Gutachten erwarten kann.

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