»kfz-betrieb« Auto-Check: BMW 320d Touring

Autor: Jan Rosenow

Der Mittelklasse-Kombi ist einer der Klassiker im BMW-Programm und kommt der Perfektion ziemlich nahe: geräumig, komfortabel, schnell, sparsam und schön zu fahren.

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Beim 3er Touring ist BMW seiner fahrfreue-Tradition treu geblieben.
Beim 3er Touring ist BMW seiner fahrfreue-Tradition treu geblieben.
(Foto: Rosenow)

Erinnert sich noch jemand an „Nischen-Paule“? Der ehemalige BMW-Verkaufsleiter Paul G. Hahnemann war einer der Ersten in der Automobilwelt, der die Notwendigkeit eines breiten Modellprogramms erkannte und BMW in den sechziger Jahren mit leistungsstarken Sportlimousinen ein attraktives Image verpasste, von dem der Konzern bis heute zehrt.

Könnte Hahnemann das BMW-Modellprogramm heutiger Tage sehen, würden ihm wohl die Freudentränen kommen – denn es besteht eigentlich nur noch aus Nischenmodellen. In der Mittelklasse – zu der man die Modelle der 3er- und 4er-reihe sowie X3 und X4 rechnen kann – bleibt vom Cabrio bis zum viertürigen Coupé auf SUV-Chassis kein Kundenwunsch unerfüllt.

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Da ist es schön, dass es immer noch Klassiker wie den ganz normalen Kombi im Programm gibt. Schließlich bietet er eine Kombination aus sportlicher Straßenlage, großem Platzangebot und elegantem Design, an die keine noch so fantasievoll ausgeklügelte Baukastenvariante herankommt.

In der Redaktion von »kfz-betrieb« schaute der 3er Touring in der Variante „erfolgreicher Außendienstler“ vorbei: mit dem 140 kW/190 PS starken Vierzylinderdiesel und gehobener Ausstattung.

Der Dieselmotor arbeitet praktisch vibrationsfrei und gibt sein Drehmoment sehr gleichmäßig ab. Ein Turboloch ist ebenso wenig zu spüren wie ein echter Peak bei mittleren Drehzahlen. Das wirkte fast ein bisschen langweilig – jedenfalls solange man nicht darauf achtete, wie schnell die Tempoangabe auf dem optionalen Head-up-Display nach oben kletterte. Bei niedrigen Drehzahlen noch recht präsent, tritt das Verbrennungsgeräusch ab etwa 80 km/h hinter die anderen Fahrgeräusche zurück und ist kaum noch zu hören.

Das Zweimassenschwungrad muss alles geben

Mit der kaum spürbar schaltenden Achtgangautomatik von ZF hat der drehmomentstarke Motor einen perfekten Partner. Die auf möglichst niedrigen Verbrauch ausgelegte Schaltstrategie lässt den Motor bei niedriger Last bis auf 1.000 min-1 abfallen; hierbei spürt man allerdings schon, dass das Zweimassenschwungrad alles geben muss, um so etwas wie Laufkultur aufrechtzuerhalten.

Fahrkultur bietet der BMW aber in hohem Maße. Niedriger Schwerpunkt, aufwendiges Aluminiumfahrwerk und Standardantrieb: An diesen Basiszutaten hat sich nichts geändert, und das ist gut so. Perfekt ausgewogen und mit neutralem Handling schnürt der 3er über kurvige Landstraßen. Die straffe Federung gehört da einfach dazu.

Fast so luxuriös wie ein kleiner 7er

Im luxuriös ausgestatteten Innenraum fühlt sich der Fahrer wie in einem etwas kuscheliger geschnittenen 7er. Sehr bequeme Sitze machen Langstrecken zum Vergnügen, die Bedienelemente sind gut zu erreichen.

Das Bedienkonzept I-Drive macht es Nutzern, die nur ein paar mal im Jahr BMW fahren und denken, sie könnten einfach loslegen, allerdings immer noch recht schwer. Um das System mit seinem Dreh-Drück-Schaltknopf wirklich beherrschen zu lernen, ist eine gewisse Eingewöhnungsphase unvermeidlich.

Doch gewöhnen würde man sich gern an den 3er Touring – leider wollte BMW den Testwagen nach den üblichen zwei Wochen wieder zurückhaben.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group