»kfz-betrieb« Auto-Check Dacia Lodgy – unerwünschte Gratismassage

Autor Christoph Seyerlein

Ein gut ausgestatteter Van für 15.000 Euro? Das gibt’s wahrscheinlich nur bei Dacia. Im Test überzeugt der Lodgy mit seinem enormen Platzangebot, einige Macken müssen Fahrer aber in Kauf nehmen.

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Für den Testbericht haben wir den Dacia Lodgy Stepway TCe 115 auf gut 600 Kilometern von Würzburg nach Kaufbeuren und wieder zurück unter die Lupe genommen.
Für den Testbericht haben wir den Dacia Lodgy Stepway TCe 115 auf gut 600 Kilometern von Würzburg nach Kaufbeuren und wieder zurück unter die Lupe genommen.
(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

In „Adria-Blau“ steht er da, der Dacia Lodgy Stepway. Ganz bis nach Italien, Slowenien oder Kroatien wollen wir mit dem Van zwar nicht aufbrechen, zwischen Würzburg und Kaufbeuren und wieder zurück kann der Budget-Wagen aber trotzdem zur Genüge beweisen, ob er eine Alternative zu teureren Konkurrenten ist. Zum Vergleich: Für 15.070 Euro kriegt man beispielsweise nur zwei Drittel von einem VW Touran ohne jegliches Extra. Im Lodgy Stepway ist für dieses Geld dagegen allerlei Schnickschnack enthalten, wie Multimediasystem mit 7-Zoll-Touchscreen, Navi und Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Tempolimit mit Geschwindigkeitsbegrenzer, Rückfahrkamera oder Sitzheizung.

Das freut den Geldbeutel, hilft aber wenig, wenn der Kasten nicht auch ordentlich rollt. Also machen wir uns auf den Weg, um das Fahrverhalten genauer unter die Lupe zu nehmen. Im mit Baustellen gespickten Stadtverkehr in Würzburg fällt der Lodgy trotz seiner Größe – 4,52 Meter Länge, 1,77 Meter Breite – nicht negativ auf. Klar, ein Einparkwunder ist er nicht, dank der Rückfahrkamera und Parkpiepsern vorne stellt das Rangieren bei einem kurzen Zwischenstopp an der eigenen Wohnung, um die Freundin und das Reisegepäck rasch einzusammeln, aber auch keine unlösbare Aufgabe dar.

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Stichwort Gepäck: Davon bringt man im Dacia Lodgy jede Menge unter. Der Begriff Kofferraum ist eine pure Untertreibung, vielmehr hat der Van hinten ein wahres Gepäckgewölbe. 827 Liter passen im Normalzustand hinein, auf bis zu sagenhafte 2.617 Liter ist der Laderaum erweiterbar.

Als wir uns durch den zähen Freitagnachmittagsverkehr in Mainfrankens größter Stadt gewühlt haben, kann der Stepway für rund zehn Kilometer seine Landstraßentauglichkeit unter Beweis stellen. Hier reichen die fünf Gänge des manuellen Schaltgetriebes noch aus.

Ist das noch Vibration?

Wenig später auf der A7 wäre ein sechster Gang dann aber durchaus wünschenswert gewesen. Zwar ist der Lodgy mit seinem Reihenvierzylinder mit 85 kW/116 PS bei 4.500 Umdrehungen alles andere als protzig motorisiert, die Tanknadel hätte uns einen Gang mehr aber durchaus gedankt.

Generell ist die Autobahn nicht das Lieblingsterrain des Vans. Bis 120 Stundenkilometern ist alles in Ordnung, danach wird es aber heikel. Wer sich als Fahrer im Bereich von 120 bis 150 Stundenkilometer fortbewegt und dabei die Hände vorbildlich am Lenkrad lässt, bekommt eine Gratis-Handmassage verabreicht, die nach wenigen Minuten keinen entspannenden Faktor mehr mit sich bringt. Mit Vibration ist der Zustand beinahe zu nett beschrieben, Gerüttel kommt dem Ganzen schon näher. Seltsamerweise wird das bei höheren Geschwindigkeiten wieder besser, allerdings will man einen Van vermutlich auf Dauer nicht zwischen 150 und den maximal möglichen 180 km/h durch die Gegend treiben.

Trotz der kleinen Wehwehchen sind wir nach rund drei Stunden Fahrt gut im Allgäu angekommen. Navigations- und Multimediasystem arbeiteten dabei einwandfrei, die Kopplung mit dem eigenen Smartphone funktionierte reibungslos. Allgemein lief die Bedienung der einzelnen Elemente recht intuitiv ab. Weniger komfortabel waren die Sitze mit ihrem geringen Seitenhalt, größere Rückenbeschwerden blieben aber aus. Die Verarbeitung des Cockpits mit sehr viel Hartplastik ist kein Augenschmaus, aber zweckmäßig.

Um auch die Rückbank des Lodgy auf Herz und Nieren zu testen, wurden die Schwiegereltern in spe am Samstag kurzerhand eingepackt und zum rund 15 Kilometer entfernten Startpunkt für einen Wochenendspaziergang in der zweiten Lodgy-Reihe kutschiert. Die Rückmeldung der beiden nach dem Kurztrip: Beinfreiheit und Komfort gehen in Ordnung. Unschön sind die zu niedrigen Nackenstützen und die zu hoch montierten Abstelltischchen an den Vordersitzen. Sollten Kinder hinten sitzen, dürften diese in der Praxis kaum für den Einsatz taugen, da sie den Kleinen fast auf Gesichtshöhe wenig bringen.

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Am Sonntag ging es dann ohne größere Probleme zurück nach Würzburg, der Rückweg bestätigte die bereits gesammelten Eindrücke. Einen Eckpfeiler für jeden Autotest hatte der Lodgy aber noch zu überstehen: den Gang oder besser gesagt die Fahrt zur Tankstelle. Insgesamt schluckte der Lodgy auf den rund 610 gefahrenen Kilometern genau 50,04 Liter Benzin. Macht einen Durchschnittsverbrauch von etwa 8,2 Litern. Das ist deutlich mehr als die NEFZ-Angabe von 5,5 Litern. Klar, wir sind viel Autobahn und wenig im Landstraßentempo gefahren. Dennoch fällt die Abweichung schon recht deftig aus.

Insgesamt ist der Dacia Lodgy gerade für junge Familien mit knappem Budget eine Überlegung wert. Er gefällt mit viel Ausstattung für kleines Geld. Die eine oder andere Macke muss man bei einem solchen Preis freilich verschmerzen können. Unschön war die hohe Abweichung vom Normverbrauch, allerdings dürften hier bei einer gemäßigteren Fahrweise auch noch ein paar Zehntelliter gegenüber dem Testverbrauch einzusparen sein.

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