»kfz-betrieb« Auto-Check: Mazda 6 – Abzüge in der B-Note

Autor Jakob Schreiner

Die Japaner haben ihr Flaggschiff seit der Einführung 2012 nun bereits zum zweiten Mal überarbeitet. Äußerlich ändert sich wenig. Dafür wurde der Innenraum aufgewertet und die Ausstattung in der Basisvariante aufgestockt. Aber ausgerechnet ein zentrales Element erreichte den aktuellen Mazda 6 nicht.

Drei Jahre nach der letzten Modellpflege haben die Japaner ihr Flaggschiff Mazda 6 erneut überarbeitet.
Drei Jahre nach der letzten Modellpflege haben die Japaner ihr Flaggschiff Mazda 6 erneut überarbeitet.
(Bild: Schreiner/»kfz-betrieb«)

LED-Scheinwerfer, Head-up-Display, Spurhalte- und Spurwechselassistent – serienmäßig. Das sind nur die Highlights der Ausstattungslinie „Prime-Line“ mit der der neue Mazda 6 seit Kurzem für einen Basispreis von 27.950 Euro bei den Händlern steht. Alle weiteren Selbstverständlichkeiten – von der Klimaautomatik bis zu den 17-Zoll-Alus – sind hier ebenfalls bereits an Bord. Nahezu wunschlos glücklich macht dann die höchste Ausstattungslinie „Sports-Line“, in der unser Testwagen in die Redaktion rollte. Hier gibt es für den Preis von 39.090 unter anderem ein Bose-Soundsystem, 19-Zoll-Felgen und eine 360-Grad-Kamera.

Zusätzlich war der Testwagen noch mit dem Sports-Line Plus-Paket (3.450 Euro) ausgestattet, das vor allem den Innenraum mit Nappaleder, Holzapplikationen, schwarzem Dachhimmel und elektrischen Sitzen noch mal deutlich wertiger erscheinen lässt. Mit dem aufpreispflichtigen Apple Car Play/Android Auto (300 Euro) und der Sonderfarbe „Magmarot Metallic“ (900 Euro) kostet der Mazda 6 Skyactive-G 194 i-Eloop Sports-Line dann insgesamt 43.740 Euro.

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Die Japaner haben die aktuelle Generation ihrer Mittelklasse-Limousine, die seit 2012 auf dem Markt ist, nun bereits zum zweiten Mal überarbeitet. Waren die Veränderungen an der Außenhaut 2015 noch deutlicher zu erkennen, muss man nun schon genauer hinschauen, um zu erkennen, um welches Modelljahr es sich handelt. Die auffälligsten Veränderungen sind die LED-Frontscheinwerfer und -Rückleuchten sowie der geänderte Kühlergrill. Bis auf die ein oder andere kleine Retusche an der Front- und Heckschürze hat sich am Exterieur sonst nichts verändert. Auch die Abmessungen blieben identisch.

Angetrieben wird Mazdas Flaggschiff von einem weiterentwickelten 4-Zylinder-Ottomotor mit 2,5 Liter Hubraum. Das Aggregat entwickelt eine Leistung von 143 kW/194 PS mit einem maximalen Drehmoment von 258 Nm und erfüllt wie die anderen vier angebotenen Motorisierungen die Abgasnorm 6d-Temp. Zusätzlich ist der Top-Benziner mit einer Zylinderabschaltung ausgerüstet. Im Teillastbereich fallen Zylinder 1 und 4 aus. Das Zu- und Abschalten gelingt dabei auffällig unauffällig. In Verbindung mit der Sechsstufenautomatik, deren Schaltzeitpunkte gut und nachvollziehbar gewählt sind, lässt sich der Japaner vernünftig bewegen. Den Verbrauch gibt Mazda mit 6,7 Liter an – im Realbetrieb bewegte man sich eher zwischen 7,8 und 9 Litern. Der Sprint auf 100 km/h ist in 8,1 Sekunden erledigt, bei 223 km/h ist Schluss.

Richtig souverän wirkt er dabei aber nicht: Das Fahrzeug kann die fast 200 PS nicht immer voll entfalten und kommt in der ein oder anderen Fahrsituation etwas träge daher. Zum entspannten Cruisen und Dahingleiten ist die Leistungsentfaltung aber jederzeit ausreichend. Dieser Charakter wird auch von Fahrwerk und Lenkung unterstrichen, die voll auf Komfort ausgelegt sind, dem Fahrer zugleich aber auch genügend Rückmeldung geben. Langstrecken sind nicht zuletzt deswegen die Stärke des Mazda 6.

Auch die neuen, breiteren und komfortableren Sitze sowie eine effektivere Schalldämmung sorgen für zusätzlichen Komfort. Allgemein wird im Innenraum die Modellpflege am deutlichsten sichtbar. Die Verarbeitung und Materialanmutung ist solide – echter Premiumcharakter fehlt dem Interieur jedoch.

Infotainment-System von gestern

Nun aber zum größten Kritikpunkt am zweite Facelift der Mitteklasse-Limousine: das Infotainment-System. Im Vergleich zu anderen Fahrzeugen wirkt das 8-Zoll-Display fast schon winzig und sorgte beim Beifahrer mehrfach für Irritation, da sich hier nichts per Fingerdruck bedienen ließ. Denn die Touchfunktion ist während der Fahrt nicht aktiviert. Durch das Menü wird dann noch per Dreh-Drück-Schalter navigiert - was gut funktioniert. Etwas angestaubt ist die Optik des Infotainments. Immerhin ist die Menüführung nahezu selbsterklärend, was auch im Jahr 2018 bei manchem Hersteller noch nicht selbstverständlich ist. Nur die Verbindung des Smartphones via Bluetooth wollte nicht auf Anhieb klappen.

Die integrierte Sprachsteuerung verdient ihren Namen nicht. Spätestens nach dem dritten Versuch, sich an das Wunschziel navigieren zu lassen, gibt man genervt auf und dreht und drückt das Ziel in das System. Dann funktioniert‘s aber auch, und die optisch in die Jahre gekommene Navi-Software lotst einen zuverlässig ans Ziel. Neu im Cockpit ist ein digitales Tachoelement zwischen zwei analogen Anzeigen, das über das Lenkrad bedient werden kann. Auch hier wurde auf Sparflamme „gefaceliftet“. Konkurrenten zeigen deutlich mehr Funktionen in einem schickeren Look an.

Gerade beim Infotainment hat sich in den vergangenen drei Jahren viel getan. Unverständlich also, warum die Ingenieure die Chance nicht genutzt haben, das System auf den aktuellen Stand zu bringen und das ansonsten durchaus gelungene Facelift wirklich rund zu machen.

In einer früheren Version wurde dem Display des Infotainment-System fälschlicherweise unterstellt, keine Touch-Funktion zu besitzen. Richtig ist, dass sich das Display nur nicht während der Fahrt mit einem Fingertip bedienen lässt. Die Passage wurde entsprechend korrigiert.

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