»kfz-betrieb« Auto-Check: Opel Astra 1.6 CDTI

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Das verringerte Gewicht ist dem neuen Astra beim Fahren deutlich anzumerken. Die Leichtigkeit wirkt sich auch auf den Verbrauch aus.

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Frühlingsbote: Mit dem neuen Astra sieht Opel in der Kompaktklasse wieder Licht.
Frühlingsbote: Mit dem neuen Astra sieht Opel in der Kompaktklasse wieder Licht.
(Foto: Rosenow)

Kaum kleiner, aber deutlich leichter – den Opel-Karosseriekonstrukteuren ist beim Astra Nummer fünf ein kleines Kunststück gelungen. Allerdings war der Vorgänger auch deutlich zu schwer geraten, was den Fortschritt zum Neuling relativiert. Aber auch im Konkurrenzumfeld kann sich der Rüsselsheimer mit seinem Gewicht (los geht es bei 1.244 Kilogramm) sehen lassen.

Beim Fahren ist dem Astra seine schlanke Linie deutlich anzumerken. Im Vergleich zum massigen Vorgänger lenkt er viel agiler ein und fühlt sich lebendiger und spritziger an. Selbst der Federungskomfort hat unter der Weiterentwicklung nicht gelitten; die konventionellen Dämpfer halten die klapperfrei verarbeitete Karosserie ruhig und Erschütterungen von den Passagieren fern.

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Die getestete Version war mit dem 1,6 Liter großen Turbodiesel ausgestattet – eine noch recht frische Opel-eigene Konstruktion, die sich durch einen der höchsten Drehmomentwerte in dieser Hubraumklasse auszeichnet. Die 320 Newtonmeter befähigen den 1,4-Tonner zu höchst erfreulichen Fahrleistungen. Dazu trägt auch bei, dass sich Opel die modische, extrem lange Übersetzung der oberen Gänge verkniffen hat.

Bei Autobahntempo dreht sich die Kurbelwelle immerhin schon 3.000 Mal in der Minute – ein recht hoher Wert für einen modernen Diesel. Damit sind aber Überholmanöver ohne Herunterschalten möglich. Letztlich wirkt sich diese Maßnahme deshalb nicht negativ auf den Verbrauch aus. Zum Vergleich: Die lethargischen, totübersetzten Diesel mancher Konkurrenten machen viel öfter den Griff zum Schalthebel nötig, was bei aktiver Fahrweise den Verbrauchsvorteil des Overdrives wieder zunichte macht.

Verbrauch von unter fünf Litern ist problemlos möglich

Und sparsam ist der Opel. Auch ohne ausgewiesene „Efficiency“-Technik stand bei Landstraßenfahrt eine Vier vor dem Komma. Autobahn-Dauertempi von rund 160 km/h steigerten den Dieseldurst auf maximal 6,5 Liter pro 100 Kilometer. Im Mittel konsumierte der Astra bei »kfz-betrieb« 5,8 Liter.

Auf der ausgedehnten Testfahrt von reichlich 1.800 Kilometern bekam der Opel neben vielen Autobahnabschnitten auch kurvenreiche und steile österreichische Landstraßen zu sehen. Im Serpentinengewirr erwies sich der Kompakte als versierter Kletterkünstler, der den engen Kurven durch seine gute Übersichtlichkeit nach schräg vorne den Schrecken nahm. Auch hier waren wir vom verbauten Vorgänger Schlechteres gewohnt. Nach hinten allerdings sieht das Fahrerauge dagegen vor allem Blech – immerhin war der Testwagen mit einer Rückfahrkamera ausgestattet, die allerdings schnell verschmutzte.

Fahrerassistenzsysteme mit Nerv-Potenzial

Zur weiteren Unterstützung des Fahrers hatte der Hersteller einen Spurwechselassistenten eingebaut. Das Gerät irritierte allerdings damit, dass es sich bei 150 km/h stets abschaltete und dies per Displaymeldung mitteilte – bei flotter Autobahnfahrt passierte das dann im Minutentakt. Auch die Parkpiepser wiesen ein gewissen Nervpotenzial auf: Sie piepten auch dann hektisch los, wenn der Fahrer den Gang noch gar nicht eingelegt und sich ergo dem Hindernis gar nicht nähern konnte.

Bei der Bedienung hat sich der Astra stark verbessert. Ein großer, schnell reagierender Touchscreen hat die frühere Knöpfchenwüste abgelöst. Immerhin gibt es noch echte Knöpfe und Regler für Heizung, und auch dem Trend zum Farbdisplay als Tachoersatz hat Opel dankenswerterweise nicht nachgegeben. Im neuen Astra finden sich klassische Rundinstrumente mit klarer Zeichnung, die dem Fahrer auf einen Blicküber den aktuellen Fahrzustand informieren. Eine Opel-Spezialität sind die guten Sitze, die auch Mammutetappen von 850 Kilometern den Schrecken nehmen.

Der neue Astra ist ein Schritt in die richtige Richtung. Er zeigt, dass man gutes Design auch mit ordentlichem Platzangebot und niedrigem Gewicht verbinden kann – an diesem Dreisprung war der Vorgänger noch krachend gescheitert. Gut gemacht, Opel.

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