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»kfz-betrieb« Auto-Check Porsche 718 Spyder: Der bessere 911er

| Autor: Jakob Schreiner

Der 718 Spyder trägt viel von dem in sich, was Porsche einst groß gemacht hat. Der reinrassige Sportler hat einen Saugmotor mit sechs Zylindern, eine Handschaltung, ein bretthartes Fahrwerk und vergleichsweise wenig Schnickschnack an Bord.

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Im Porsche 718 Spyder arbeitet der womöglich letzte reine Saugmotor, den Porsche in ein Neufahrzeug verbauen wird.
Im Porsche 718 Spyder arbeitet der womöglich letzte reine Saugmotor, den Porsche in ein Neufahrzeug verbauen wird.
(Bild: Schreiner/»kfz-betrieb«)

Mit dem Slogan „Wieder so ein Auto, das keiner braucht. Aber jeder will.“ bewerben die Zuffenhausener den kratzbürstigen und ungehobelten Emporkömmling aus der Porsche-Familie. Der 718 Spyder ist all das, was den Mythos Porsche einst begründet hat und was der 911er nicht mehr ist: ein reinrassiger Sportwagen.

Die Zutaten dafür sind ein klassischer Sechszylinder-Sauger, ein handgeschaltetes Sechsganggetriebe, wenig Komfort-Schnickschnack und ein bretthartes Motorsportfahrwerk.

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Doch der Reihe nach. Im 718 Spyder schlägt wortwörtlich das Herz eines 911ers. Der Boxermotor stammt aus dem 991, leistet satte 309 kW/420 PS und wuchtet 420 Newtonmeter auf die Hinterachse. Das katapultiert das offene Geschoss in 4,4 Sekunden auf Tempo 100. Quittiert wird die Beschleunigungsorgie mit einem Sound, der trotz dämpfender Filterelemente echt und unverfälscht nach Porsche – nach einem Sauger – klingt.

Die Kraft ist dank der motortypischen Drehmomentkurve zu jeder Zeit ausreichend vorhanden und entwickelt sich – trotz der Brachialität – herrlich gleichmäßig über das fast komplette Drehzahlband. Das reicht übrigens bis 8.000 Umdrehungen. Wer will, kann aus diesen Gründen auch im sechsten Gang 60 oder 300 km/h schnell fahren. Dabei ist aber das Schalten des manuellen Getriebes dank kurzer Wege und stummeligem Schaltknauf eine wahre Freude.

Jeden Gangwechsel quittiert das ruppige Getriebe mit einem metallischen Klacken. So sieht eine authentische Handschaltung aus. Auf Wunsch gibt die Elektronik beim Herunterschalten Zwischengas. In Kombination mit dem Sechszylinder verleitet das dazu, einmal mehr zu schalten. Anderer Fahrmodi-Nippes am Lenkrad oder sonst wo ist ebenso wenig zu finden wie ein siebter oder achter Gang, den der große Bruder 911 aus Komfortgründen mit an Bord hat.

Puristischer Kurvenfresser

Ähnlich knackig wie das Getriebe ist das Fahrwerk. Die Vorderachse kommt direkt aus dem GT3, die Hinterachse ist aufgrund des Mittelmotorkonzepts eine neue Entwicklung. Federn und Dämpfer sind hier aber auch aus dem GT-Modell. Hier hat man anders als beim Getriebe eine Wahl. Die elektronischen Dämpfer lassen sich zwischen hart und sehr hart hin- und herschalten. Damit hat der Spyder das Kurvenfressen quasi in den Genen. Der tiefe Schwerpunkt und die ausgewogene Gewichtsverteilung durch den mittigen Sitz des Aggregats tun ihr Übriges dazu.

Die Stabilitätskontrolle – nahezu das einzige Helferlein – sorgt dafür, dass auch der ungeübte Fahrer auf der Straße bleibt. Einmal deaktiviert, sollte man wissen, was man tut. Regenwarner oder Abstandsradar wie im 911er gibt es hier auch nicht. So machen die Zuffenhausener den Porsche zum puristischen Sportwagen. Davon zeugen beispielsweise auch die Textilschlaufen, die anstelle konventioneller Türgriffe zum Einsatz kommen. Ansonsten hat der Spyder die Inneneinrichtung aus dem Boxster weitestgehend übernommen.

Puristisch ist auch das Verdeck des Spyders: Das Oben-ohne-Fahren muss man sich hier mit einigen händisch auszuführenden Schritten regelrecht verdienen. Aber das nimmt man auch in Kauf, wenn man sich für den Spyder entscheidet. Laut Liste ist der 718 Spyder ab 93.350 Euro zu haben. Porschetypisch gibt's aber natürlich jede Menge Extras, die teilweise auch in unserem Testwagen zu finden waren. So stieg der Preis auf knapp 110.000 Euro. Viel Geld für eine Auto, das eigentlich keiner braucht.

(ID:46580663)

Über den Autor

 Jakob Schreiner

Jakob Schreiner

Redakteur Ressort Service & Technik