»kfz-betrieb« Auto-Check: Range Rover Evoque

Autor: Wolfgang Michel

Das Kompakt-SUV von Range Rover ist in der jüngeren Vergangenheit der Marke das Erfolgsmodell schlechthin. Kann die zweite Evoque-Generation den Verkaufserfolg noch toppen?

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Der neue Range Rover Evoque ist seit April bei den Land-Rover-Händlern. Derzeit sieht es so aus, als ob das Modell nahtlos an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen kann.
Der neue Range Rover Evoque ist seit April bei den Land-Rover-Händlern. Derzeit sieht es so aus, als ob das Modell nahtlos an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen kann.
(Bild: Michel/»kfz-betrieb«)

Als Land Rover 2011 den Range Rover Evoque einführte, rechnete wahrscheinlich nicht einmal der britische Autobauer selbst mit diesem Erfolg: Knapp 800.000 Fahrzeuge wurden von der Baureihe seitdem verkauft. In Deutschland verbuchte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) bis Ende 2018 insgesamt 41.040 Neuzulassungen der Modellreihe. Laut Herstellerangaben hat das Fahrzeug seit seiner Markteinführung im Jahr 2011 zudem über 200 Auszeichnungen erhalten.

Erst jüngst wurde der bisherige Range Rover Evoque mit 34,12 Prozent Wertverlust in vier Jahren zum „Wertmeister 2019“ gekürt.

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Demzufolge liegt die Messlatte für die Anfang April in Deutschland eingeführte zweite Evoque-Generation recht hoch. Jedoch ist der „Neue“ gut ins erste Halbjahr gestartet. Bis Ende Juni zählte das KBA bereits 2.895 Neuzulassungen. Allemal ein ausgezeichnetes Resultat, da das Auto in den ersten drei Monaten des Jahres noch nicht erhältlich war. Zum Vergleich: Im kompletten ersten Halbjahr 2018 wurden vom Vorgänger mit 2.750 Einheiten etwas weniger Fahrzeuge neu zugelassen. Mit 7.007 neu zugelassenen Range Rover Evoque war 2016 das erfolgreichste Jahr für die Land-Rover-Händler in Deutschland. 2018 kam das Auto immer noch auf 4.876 Einheiten, das vergangene Jahr war aber das insgesamt schwächste Zulassungsjahr der Modellreihe. Somit kommt die neue Generation 2019 zur richtigen Zeit.

48-Volt-Mild-Hybridtechnik

Land Rover hat uns für Testfahrten einen Evoque P200 AWD in der Ausstattungsvariante S zu Verfügung gestellt. Das allradangetriebene Modell ist mit einem 2.0-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner mit 147 kW/200 PS sowie serienmäßig mit einem Neungang-Automatikgetriebe ausgestattet. Der Grundpreis dieses Modells beträgt aktuell 49.400 Euro, der Einstiegspreis des Evoque liegt bei 38.100 Euro. Dafür bekommt man dann ein Dieselmodell (110 kW/150 PS) mit Schaltgetriebe und Frontantrieb.

Zurück zu unserem Testwagen: Wer den bisherigen Evoque kannte und seine avantgardistische Form mit Ecken und Kanten schätzte, kommt beim erstmaligen Anblick der zweiten Generation ein wenig ins Grübeln. Der Neue ist mehr Range Rover und weniger Evoque. Die Verwandtschaft zum noch jungen Range Rover Velar lässt sich nicht leugnen. Ein Beispiel dafür sind die elektrisch aus- und einfahrbaren Türgriffe. Aber wie bei anderen Marken und Modellen auch, gewöhnt man sich rasch an das veränderte Design. Schließlich ist auch der neue Evoque ein echter Hingucker geblieben. Zudem macht das Auto vom ersten Moment an Spaß auf der Straße und im Gelände.

Und nicht nur das Blechkleid hat sich verändert. Der Evoque läutet bei Land Rover auch die 48-Volt-Mild-Hybrid-Technik ein. Fährt der Evoque langsamer als 17 km/h und tritt der Fahrer das Bremspedal, wird der Verbrennungsmotor automatisch abgeschaltet. Beim erneuten Anfahren wird die gespeicherte Energie genutzt, um den Motor beim Beschleunigen zu unterstützen. So lassen sich laut Hersteller bis zu sechs Prozent Kraftstoff einsparen. Der ganze Vorgang läuft für den Fahrer nahezu unbemerkt ab.

Nach rund 1.700 Kilometern zeigte unser Bordcomputer einen durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch von 10,6 Litern Superbenzin auf 100 Kilometern an. Das sind drei Liter mehr als vom Hersteller angegeben. Jedoch war das Fahrzeug zum einen gut beladen, und zum anderen verlangte die Topografie Südtirols und der Dolomiten dem 200-PS-Benziner einiges ab.

Die Leistung reicht völlig aus, es braucht nicht mehr Pferdestärken. Der Wagen meistert jeden Pass und jede noch so enge Spitzkehre souverän. Motor, Neungangautomatik und Allradantrieb – der Antriebsstrang arbeitet erstklassig zusammen (siehe auch Bildergalerie). Das Fahrzeug liegt jederzeit gut auf der Straße, die Bremsen packen kräftig zu, und das Fahrwerk verrichtet einen tollen Job.

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Apropos Automatik: Der frühere runde und in der Mittelkonsole versenkbare Drehschalter wurde durch einen Joystick ersetzt. Aber nicht nur das fällt im Innenraum sofort auf. Auch ansonsten hat sich viel verändert. Dass es nicht immer zwingend Ledersitze sein müssen, beweist das sogenannte Eukalyptus-Gewebe aus Naturfasern. Dieses kombiniert der Hersteller mit einem Hightech-Stoff. Das Ganze sieht nicht nur sehr schick aus, es fühlt sich zudem ausgesprochen angenehm an. Ob Leder oder Hightech-Stoff ist am Ende immer auch eine Geschmacksfrage. Egal wie die Entscheidung ausfällt: Bequem sind die Sitze in jedem Fall. Die Fondpassagiere reisen im Vergleich zum Vorgängermodell komfortabler. Der 22 Millimeter längere Radstand kommt vollständig ihrer Beinfreiheit zugute. Ganz nebenbei ist das Kofferraumvolumen um 16 Liter auf 591 leicht angewachsen. Klappt man die im Verhältnis 40:20:40 geteilte Rückbank um, fasst das Heck des Evoque jetzt 1.383 Liter (siehe Bildergalerie). Für eine Urlaubsfahrt zu zweit ist dieses Volumen mehr als ausreichend.

Individualität hat ihren Preis

Fazit: Einsteigen und wohlfühlen – wie für den bisherigen gilt dieses Motto auch für den neuen Evoque. Die Reise über Fernpass und Brenner waren ebenso angenehm, wie die Fahrt zu den Drei Zinnen oder zum Pragser Wildsee. Das kompakte SUV hat nicht nur optisch an Größe gewonnen, es punktet auch technologisch an vielen Stellen. Das alles hat natürlich seinen Preis: von 38.100 bis 70.300 Euro wird man laut Preisliste los – je nach Antriebs- und Ausstattungsvariante. In allen Fällen gibt es viel Luft nach oben. Bekanntlich haben die Evoque-Kunden in Sachen Sonderausstattung in den vergangenen Jahren sehr gerne zugegriffen.

Ein Range Rover war eben noch nie ein Schnäppchen. Das gilt auch für den neuen Evoque. Bleibt zu hoffen, dass die Händler das Auto weitgehend preisstabil vermarkten und sich die gewährten Rabatte in Grenzen halten. Der neue Evoque ist es keinesfalls wert, verschleudert zu werden.

Technische Daten

(ID:46056237)

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Chefredakteur »kfz-betrieb«