»kfz-betrieb« Auto-Check: Range Rover Sport Hybrid

Autor: Wolfgang Michel

Ein kombinierter Kraftstoff-Strom-Verbrauch von 3,2 Litern/22,5 kWh auf 100 Kilometer und knapp 50 Kilometer Reichweite bei rein elektrischer Fahrt – das sagt der Hersteller. Aber auch für den Range Rover Sport Hybrid gilt: Der ehrlichste Prüfstand bleibt der Straßenalltag.

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Mit dem Range Rover Sport P400e will Jaguar Land Rover 2019 möglichst viele Kunden und Interessenten für den Hybridantrieb begeistern.
Mit dem Range Rover Sport P400e will Jaguar Land Rover 2019 möglichst viele Kunden und Interessenten für den Hybridantrieb begeistern.
(Bild: Michel / »kfz-betrieb«)

Mit 3.417 Neuzulassungen war der Range Rover Sport im Jahr 2018 die zweiterfolgreichste Baureihe für Land Rover in Deutschland. Wie schon 2017 sicherte sich der kleinere Bruder namens Range Rover Evoque auch im vergangenen Jahr den ersten Platz (4.876 Neuzulassungen). Doch zurück zum Range Rover Sport und folgender Frage: Wie haben sich im Zeitalter von Dieselkrise und alternativen Antrieben bei diesem Modell die Zulassungsanteile in Richtung Benziner beziehungsweise Hybrid verschoben?

Antwort: 2017 kauften 86 Prozent der Kunden den Range Rover Sport mit einem Dieselmotor, ein Jahr später waren es noch 75 Prozent. Parallel dazu legten die Benzinvarianten der Baureihe im Vergleichszeitraum von 14 auf 22 Prozent zu. Und welche Rolle spielte der seit Ende 2017 verfügbare Range Rover Sport P400e im vergangenen Jahr? 2017 mit sieben Zulassungen noch nicht relevant, kam das Hybridmodell 2018 auf exakt 100 Neuzulassungen. Das entspricht einem Anteil von drei Prozent.

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Geht es nach Jaguar Land Rover Deutschland, soll sich das Verhältnis 2019 spürbar zugunsten des Hybridantriebs entwickeln. Allen voran die seit 1. Januar 2019 gültige neue Steuerregelung für Dienstwagen mit Elektro- und Hybridantrieb soll sich positiv auf die Absatzentwicklung des Plug-in-Hybrid-Modells P400e auswirken. Denn wer diesen Dienstwagen auch privat nutzt, muss jetzt nur noch 0,5 statt 1,0 Prozent des Bruttolistenpreises als sogenannten geldwerten Vorteil versteuern. Den Steuervorteil gewährt der Gesetzgeber jedoch nur auf Fahrzeuge, die nach dem 31.12.2018 erworben wurden. Zudem muss die rein elektrische Reichweite mindestens 40 Kilometer im neuen WLTP-Zyklus betragen. Für den Range Rover Sport P400e gibt der Hersteller eine Reichweite von bis zu 48 Kilometern an.

Um zu erfahren, wie sich der Hybridantrieb im Range Rover Sport verhält, stellte uns der Hersteller die P400e-Variante für Testfahrten zur Verfügung. Dass Land Rover eindrucksvolle und komfortable SUVs baut, ist hinlänglich bekannt. Mal abgesehen davon, dass unser Testwagen keine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage inklusive Lenkassistent an Bord hatte, ebenso wenig eine elektrische Heckklappe oder Fernlicht mit Abblendautomatik, haben wir nichts an Bord vermisst. All das gibt es für dieses Modell als Sonderausstattung.

900 Kilometer Fahrt: Als wäre nix gewesen

Ehrlich gesagt hat uns die Abwesenheit der drei genannten Komfortausstattungen nicht wirklich gestört. Überraschend war lediglich die Feststellung, dass man sich an adaptive Geschwindigkeitsregelanlagen, Fernlichtassistenten und elektrische Heckklappen schon so sehr gewöhnt hat, dass man sie gedanklich bereits als Standard verinnerlicht. Jedoch schadet es nicht, das Fernlicht händisch zu aktivieren sowie die Heckklappe per Hand zu öffnen und zu schließen. Und ein Tempomat ohne Abstandsradarsystem sorgt dafür, dass der Fahrer die Verantwortung während der Fahrt auf der Autobahn wieder selbst übernimmt.

Die erste längere Route führte uns ins knapp 900 Kilometer entfernte Piemont/Italien. Am Ziel sind wir so entspannt ausgestiegen, als wären wir nie eingestiegen. Der Range Rover Sport bietet nicht nur viel Raum, mit ihm sind alle Passagiere auch ausgesprochen komfortabel unterwegs. Das darf man von einem allradgetriebenen Auto, das in der Basisversion aktuell 66.500 Euro und als Hybridvariante mindestens 88.000 Euro kostet, auch erwarten. Mehr zu den Erwartungen und Fahreindrücken sowie Ausstattungsdetails gibt es in der Bildergalerie zu sehen und zu lesen. Hier konzentrieren wir uns auf den Hybridantrieb. Schließlich ist er das wichtigste Differenzierungsmerkmal gegenüber den Varianten mit reinem Benzin- oder Dieselmotor.

Im Range Rover Sport P400e kommt neben dem Vierzylinder-Benzinmotor (221 kW/300 PS) noch ein Elektromotor mit 85 kW/116 PS zum Einsatz. Dieser wird aus einer 13-kWh-Lithium-Ionen-Batterie mit Strom versorgt. Die Systemleistung des Autos beträgt 297 kW/404 PS. Sie gelangt über vier permanent angetriebene Räder so lange auf die Straße, bis der Akku leer ist. Ab dann ist der Benzinmotor allein für den Vortrieb verantwortlich.

220-Volt-Anschluss: Über Nacht ist die Batterie wieder vollgeladen

Wann ist die Batterie ausgepowert? Wie eingangs bereits erwähnt, gibt der Hersteller eine rein elektrische Reichweite von bis zu 48 Kilometern an. Als der Testwagen in Würzburg ankam, war die Batterie leer. Somit fuhr der Wagen als Erstes in die Garage. Bevor man das Ladekabel an das 220-Volt-Hausnetz anschließt, schadet es nicht, die Sicherheitshinweise zu lesen. Mehrfachstecker und Verlängerungskabel sind ebenso tabu wie beschädigte oder unsachgemäß montierte Steckdosen. Praktisch ist, dass sich die Autosteckdose hinter dem Land-Rover-Logo an der Fahrzeugfront befindet. Die 13-kWh-Lithium-Ionen-Batterie selbst ist unter dem Kofferraumboden verbaut. Während des Ladevorgangs läuft dort ein Gebläse. Wer die Batterie über Nacht lädt, erhält am Morgen über das digitale Instrumentendisplay folgende Botschaft: „ELEK. REICHWEITE 50km“, „LADESTAND 100%“ (siehe Bildergalerie).

Laut Herstellerangaben ist die komplett leere Batterie nach etwa siebeneinhalb Stunden vollständig geladen. In unserem Fall zeigte das digitale Display einmal acht Stunden und sechs Minuten an, ein anderes Mal 9 Stunden und 13 Minuten. Wem das alles zu lange dauert, der kann die Ladezeit laut Herstellerangaben mittels „AC Wall Box“ auf knapp drei Stunden verkürzen. Eine solche Schnelllademöglichkeit hatten wir nicht.

Inwieweit sich die vom Hersteller angegebene elektrische Reichweite von bis zu 48 Kilometer bei unseren Testfahrten bestätigt hat, erfahren Sie in Kürze. Zuvor gibt es noch folgende Hybridaspekte: Obwohl sich das Auto nahezu lautlos fortbewegt, nehmen Fußgänger das SUV akustisch wahr. Begründung: Ist der Wagen im reinen Elektrobetrieb unterwegs, erzeugt das sogenannte Audio Vehicle Alert System (AVAS) bis Tempo 22 km/h ein künstliches Fahrgeräusch. Rein elektrisch ist das Hybrid-SUV übrigens maximal knapp 140 km/h schnell unterwegs.

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Und was sagt der Hersteller über den Hybridverbrauch? Die CO2-Emissionen belaufen sich im kombinierten Zyklus auf 73 g/km, während der Verbrauch 3,2 Liter pro 100 Kilometer beträgt. Und beim Bremsen gewinnt das Hybridsystem entstehende Energie zurück, vor allem beim Bergabfahren wird so die Batterie geladen. Zudem kann der Fahrer mit Save-Modus den jeweiligen Ladezustand der Batterie „einfrieren“, um den Energievorrat für bestimmte Abschnitte der Fahrt zu nutzen. Der Save-Modus wird über den Touchscreen aktiviert.

Selbst ein Land Rover Sport Hybrid kann nicht zaubern

Jetzt kommen wir zur Wahrheit. Und diese weicht wie bei Otto und Diesel auch beim Hybrid von den Werten auf dem Prüfstand ab. Im Alltag erreichten wir trotz 100 Prozent Batterieladezustand die vom Hersteller angegebenen 48 Kilometer während keiner einzigen Fahrt. Unser Bestwert lag bei 38 Kilometern (siehe Bildergalerie). Nach rund 1.700 Testkilometern zeigte uns der Bordcomputer einen kombinierten Kraftstoffverbrauch von 11,1 Litern bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 103 km/h an.

Fazit: Die vom Hersteller angegebenen 3,2 Liter kombinierter Kraftstoffverbrauch sind im realen Betrieb zumindest auf einer Entfernung von 100 Kilometern nicht zu erzielen. Bei einem zulässigen Gesamtgewicht von über drei Tonnen und der aktuell im Range Rover Sport P400e verbauten Batteriekapazität würde das ja auch an ein Wunder grenzen. Aber selbst wenn es zauberhaft ist, mit einem Range Rover Sport P400e durch verschneite Winterlandschaften zu fahren – zaubern kann auch dieses Auto bzw. dieser Land Rover nicht. Wer sich also für die Hybridvariante entscheidet, muss nicht nur bereit sein, die Mehrkosten im Vergleich zum Benzin- oder Dieselmodell von 17.500 bzw. 9.500 Euro zu akzeptieren. Er sollte auch ein zum Hybridantrieb passendes alltägliches Kurzstrecken-Fahrprofil haben.

Wer also den Hybridantrieb im Range Rover Sport dem Diesel oder reinen Benziner vorzieht, muss ein Hybrid-Überzeugungstäter sein. Wie viele es davon 2019 bei den Land-Rover-Händlern in Deutschland geben wird, verrät am Jahresende der Blick auf die Neuzulassungen. Wir behalten die Entwicklung im Auge.

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Chefredakteur »kfz-betrieb«